Profitabilität im Trading – was ist das?

Aktualisiert: Juni 1


In meinem zweiten Buch "Trader – Der Weg zur profitablen Handelsstrategie – in jedem Markt" stelle ich eine, bei näherer Betrachtung steile These auf.


Ich behaupte, dass ein Großteil der in soziale Medien, Trading-Foren oder anderweitig aktiv seiender Trader bzw. Privatanleger zwar stets von Profitabilität im Trading spricht, aber gefühlt in den seltensten Fällen wirklich weiß, was damit gemeint ist.


Im folgenden Artikel wollen wir uns der simplen Frage widmen: „Profitabilität im Trading – was ist das?“


In der Tat lässt sich Profitabilität im Trading zügig und einfach rein mathematisch ausdrücken:


Erwartungswert = (Trefferquote * ᴓ Gewinn) – (Verlustquote * ᴓ Verlust) > 0


Demnach heißt Profitabilität im Trading nichts weiter, als dass der Erwartungswert des Trading größer 0 ist.


Demnach ist somit dein Ziel beim Trading bzw. bei jedem deiner Trades und jeder deiner Handelsentscheidungen dafür zu sorgen, dass das Ergebnis dieser Rechnung immer positiv ist, denn das garantiert, dass du auf langfristige Sicht mit deinem Handelsansatz Geld verdienst.


Bei genauerer Betrachtung wird auch klar, dass der Erfolg beim Trading nicht nur über die Trefferquote bestimmt wird, sondern auch und ganz besonders durch den durchschnittlichen Gewinn und durchschnittlichen Verlust.


Dieser Umstand erklärt das immer wieder und wiederkehrende Predigen langjährig erfolgreicher Händler, Gewinner laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen.


Hierzu wollen wir uns ein praktisches Beispiel näher betrachten, welches uns auch bereits im Blog-Artikel „Die 90-90-90-Regel im Trading“ begegnet ist:


in besagtem Artikel hatten wir einen Blick auf eine reale Erwartungswert-Betrachtung für den EURUSD geworfen und eine Anzahl von über 9 Millionen realer Trades im EURUSD im Zeitfenster vom 31.03.2014 bis 31.03.2015.


Die Trefferquote im damaligen Beispiel belief sich auf 62.3%, während die Verlustquote 37.2% betrug.


Bei einem durchschnittlichen Gewinn-Trade von 21.05 Pips und einem durchschnittlichen Verlust-Trade von 41.2 Pips, ergab sich der Erwartungswert zu


(62,3% * 21,05 Pips) - (37,2% * 41,2 Pips) = -2,22 Pips < 0


oder anders formuliert: im betrachteten Zeitintervall war die betrachtete Gruppe von Privatanlegern unprofitabel am Markt unterwegs, verlor im Schnitt 2,22 Pips pro EURUSD-Trade.


Was bei genauerem Studium der Formel um den Erwartungswert auffällt ist, dass es sich um eine Vergangenheitsbetrachtung handelt.


Hier kann es schnell passieren, dass man in eine der folgenden zwei Fallen tappt:


  1. Ein negativer Erwartungswert für ein bestimmtes, vergangenes Zeitintervall lässt einen zum Schluss kommen, dass es sich um eine unprofitable Handelsstrategie handeln muss.

  2. Ein positiver Erwartungswert für ein bestimmtes, vergangenes Zeitintervall lässt einen zum Schluss kommen, dass es sich um eine profitable Handelsstrategie handeln muss.


Offensichtlich gilt es zu berücksichtigen, dass es Marktgegebenheiten gibt, in welchen bestimmte Strategien gut bzw. weniger gut funktionieren (z.B. Trendfolge-Strategien in Range-gebundenen Märkten).


Und genau hier wird offensichtlich, warum Trader gerne auch als Risiko-Manager bezeichnet werden: der Job eines Traders ist es, dafür zu sorgen, dass er lange genug im Spiel bleibt, um die mit dem Trading verbundenen Unsicherheiten bezogen aufs Trading-Kapital so zu managen, dass er sein persönlich definiertes Risk of Ruin niemals erreicht.


Denn Fakt ist:


Es gibt keine Strategie, die immer und überall funktioniert.


Somit ist die Aufgabe des Traders nichts weiter, als den für seinen Handelsansatz optimalen Erwartungswert zu erhandeln, was im Falle ungünstiger Marktbedingungen bedeutet, dass er in für seinen Handelsansatz unvorteilhaften Marktbedingungen möglichst wenig verlieren sollte.


In der Praxis kann man sich das wie folgt vorstellen: in meinen Vorträgen, Webinaren oder ab und an auch gegenüber den Investoren meiner Vermögensverwaltung spreche ich von Zeit zu Zeit von »guten Verlusten«.


So weiß ich ausgehend von meiner umgesetzten Handelsstrategie und ergänzend hierzu akkuraten Dokumentation meiner Trades ganz genau und jederzeit, wie hoch mein Erwartungswert in meinem Trading ist, was ich also pro Trade durchschnittlich gewinne und verliere.


Wenn es mir nun durch mein Trading-Geschick gelingt, bei einem sonst durchschnittlichen Verlust von beispielsweise 500 Euro in einem Trade einen Verlust von nur 250 Euro realisieren zu müssen, handelt es sich um einen »guten Verlust«, denn: Durch mein Geschick gelingt es mir so, einen kleineren Verlust als meinen sonst durchschnittlichen Verlust zu produzieren und somit meinem Erwartungswert zu steigern, sprich mit meinem Trading insgesamt profitabler zu werden.


Abschließend zum Erwartungswert: Wenn deine Handelsstrategie robust ist, also unter verschiedenen Marktgegebenheiten und unter Voraussetzung eines gut durchdachten Risiko- und Money-Management-Plans solide funktioniert und somit die verschiedenen Marktgegebenheiten in Summe ein positives Gesamtergebnis nach sich ziehen, dann bedeutet das, dass du quasi unabhängig davon bist, ob du Kursbewegungen korrekt vorhersagen kannst oder nicht.


Deine Profitabilität im Trading erwächst aus der Tatsache, dass du unter sonst für deine Handelsweise günstigen Marktgegebenheiten große durchschnittliche Gewinner produzierst, unter ungünstigen Marktgegebenheiten kleine durchschnittliche Verlierer und ausgehend von der Gesamtheit all deiner Trades ein positives Ergebnis unterm Strich erhandelst.