Quant Trading für Privatanleger: Pair Trading


In meinem Buch „Trader – Der Weg zur profitablen Handelsstrategie – in jedem Markt habe ich im Kapitel zu den Handelsstrategien unter anderem einen Pair Trading-Ansatz für WTI- und Brent-Oil vorgestellt, diesem wollen wir uns im nächsten Blog-Artikel widmen.


Der heutige Artikel soll die Idee hinter Pair Trading beleuchten, wo dieser Ansatz seinen Ursprung findet und auch welche Assets sich für Pair Trading anbieten.


Was ist Pair Trading?


Beim Pair-Trading handelt es sich um eine marktneutrale Strategie, bei welcher zwei stark miteinander korrelierte Märkte gegeneinander gehandelt werden.


Marktneutral“ bedeutet an dieser Stelle, dass es einem „Pair Traderegal ist, ob sich ein Markt in einem Auf- oder Abwärtstrend oder in einer Trading Range befindet.


Im Pair Trading schaut der jeweilige Trader, wie sich zwei gegeneinander zu handelnde Assetsnormalerweise“ zu einander verhalten.


Kommt es dann zu einer Abweichung von diesem „Normal“, schaut der Trader, welches der Asset unterbewertet ist und welches überbewertet und spekuliert dann darauf, dass sich die beiden Assets wieder zurück zumNormal“ bewegen, ergo:


  • das unterbewertete Asset wird Long gehandelt,

  • das überbewertete Asset wird Short gehandelt


Wo kommt Pair Trading her?


Wenn man ein wenig Research zum Thema „Pair Trading“ im Web betreibt, stolpert man nicht selten über die Aussage, dass der Pionier des Pair Tradings ein gewisser Gerry Bamberger war.


Bamberger war in den 1980er Jahren Trader bei der renommierten Wallstreet-Investmentbank Morgan Stanley, wo dieser die in ihren Grundzügen skizzierte Handelsstrategie quantitativ umsetzte und hiermit sehr gutes Geld für die Bank verdiente.


Interessanterweise ist mir bekannt (spätestens seit der Lektüre des Buchs „Ein Mann für alle Märkte: Wie ich das Casino und den Markt geschlagen habe“), dass ein gewisser Ed Thorp eine solche Strategie bereits in den 1960er Jahren erfolgreich und hochprofitabel an den Finanzmärkten umgesetzt hat.


Wer sich ein wenig mit Ed Thorp beschäftigt (in meinen Augen ein unglaublich faszinierender Mensch hier geht’s zu seinem Wikipedia-Artikel), der stellt fest, dass Thorp ausgehend von einer für sich selbst formuliertenBlack-Scholes-Formel“ (Anmerkung: Black-Scholes veröffentlichten 1973 ein finanzmathematisches Modell zur Bewertung von Finanzoptionen für welche Scholes 1997 (Black verstarb bereits 1995) den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt), in der Lage war Optionen bzw. Optionsscheine und deren zugrundeliegende Basiswerte gegeneinander profitabel zu handeln.


Einfach gesprochen: wenn Thorp mittels seiner Formel feststellte, dass ein Optionsschein (engl. „Warrant“) zu teuer gepreist war, shortete er diesen und kaufte zeitgleich in einem vorgegebenen Verhältnis den zugrundeliegenden Basiswert (z.B. Aktie xyz) und hielt beide Positionen bis zum Verfall des Optionsscheins.


Grundsätzlich war davon auszugehen, dass der Optionsschein sich zum Verfall hin zu seinem fairen Bewertungsniveau bewegt und/oder der zugrundeliegende Basiswert steigt, während sich der Wert des Optionsscheins nicht verändert, da dieser ja bereits zu teuer gepreist war.


Wie dem auch sei: nachdem sich Bamberger mit Morgan Stanley überwarf und Thorp von seinen Pair Trading-Ausarbeitungen erfuhr, gründeten beide ein Joint Venture.


Aber zurück zum Pair Trading:


Pair Trading anhand eines einfachen Beispiels


Werfen wir zunächst einen Blick auf Aktien, die sich für Pair Trading eignen dürften:


  • Coca-Cola (KO) and Pepsi (PEP)

  • Renault (RNL) and PSA Peugeot Citroen (UG)

  • Exxon Mobil (XOM) and Chevron Corporation (CVX)

  • Portugal Telecom (PTC.LS) and Telefonica (TEF.MC)

  • RWE (RWE.DE) and E.ON (EOAN.DE)

  • BHP Billiton Limited (BHP) and BHP Billiton plc (BBL)


Blicken wir nun beispielsweise auf Pepsi (PEP) und Coca-Cola (KO). Eigentlich handelt es sich bei beiden Unternehmen um verschiedene Firmen, aber wie du wissen wirst, stellen beide Firmen ein ähnliches Produkt her.


In diesem Zusammenhang stolpern wir zügig über das Wort „fungibel“ oder „austauschbar“.


Natürlich werden Coca-Cola-Puristen nichts auf ihre Coke kommen lassen und würden diese immer einer Pepsi vorziehen, aber hinsichtlich der „Macros“ im Hintergrund (Lieferketten, Produktionskosten, etc.) sollten beide Unternehmen den gleichen Marktgegebenheiten ausgesetzt sein.


ABER: wenn der KO-Kurs nun aus irgendeinem Grund deutlich steigt, während sich PEP nicht bewegt/steigt, z.B. infolge einer überraschenden Meldung, dass der CEO ausgetauscht wird, könnte sich ein Pair Trade abzeichnen.


Infolge der Tatsache, dass PEP und KO fungibel bzw. austauschbar sind, darf davon ausgegangen werden, dass sich die Aktienkurse von PEP und KO früher oder später wieder auf ihr „normalesNiveau zueinander zurückbewegen.


Einfach gesprochen würde man in diesem Fall die derzeit unterbewerte Aktie PEP kaufen und zeitgleich die überbewertete Aktie KO verkaufen und darauf spekulieren, dass diese zu ihrem historischen Gleichgewichtspunkt zurücklaufen.


Ist Pair Trading also risikofrei?


Auf den ersten Blick schaut das so aus, oder? Aber die Antwort auf die Frage ist ein ganz klares „Nein“.


In der Tat kann Pair Trading in Bezug auf die Absicherung von Portfolios das Risiko minimieren, denn im Falle eines Crashs würde zwar die Long-Position in Asset xyz verlieren, zeitgleich würde aber damit verbundene Short-Trade in Asset abc zu einem Gewinn führen.


Aber es wäre nicht gesagt, dass die PnL des Portfolios in der Tat +/-0 wäre.



In der Tat kann es beim Pair Trading dazu kommen, dass sich der Spread (also die Differenz zwischen den beiden gegeneinander gehandelten Werten) zunächst weiter ausweitet bis er sich wieder zusammenzieht, eventuell gar nicht zusammen zieht.


Ausgehend hiervon ist ein striktes Risiko- und Money Management im Pair Trading für den langfristigen Erfolg der Strategie unabdingbar.


[Einschub: Akademischer könnte man auch sagen: das Funktionieren von marktneutralen Strategien wie Pair Trading setzt voraus, dass das CAPM-Modell gültig ist, sprich: dass das systematische Risiko korrekt geschätzt wurde, was allerdings nie der tatsächliche Fall ist.]


Zusammenfassung


  • Bei Pair Trading handelt es sich um eine marktneutrale Handelsstrategie

  • Beim Pair Trading werden fungible bzw. austauschbare Vermögensverwerte, z.B. Coca-Cola und Pepsi oder WTI und Brent Oil gegeneinander gehandelt

  • Pair Trading-Strategien sind nicht risikofrei und ihnen liegt das Problem eines fehlenden Stop Loss zu Grunde

  • Striktes Risiko-Money Management, dessen Input bspw. mit Hilfe von Monte-Carlo-Simulationen und Informationen rund um die maximale DD basierend auf dem Floating PnL, ist der Schlüssel zum Erfolg vom Pair Trading


Im nächsten Artikel wollen wir uns einer konkreten Pair Trading-Strategie widmen und hierzu zwei fungible Güter heranziehen: WTI- und Brent Oil.


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