Trader fragen: wie finde ich die richtige, heiße Aktie für mein Aktien-Daytrading?


Beginnen wollen wir den heutigen Blog-Artikel mit einer häufig gestellten Frage: „Was macht einen guten Trader aus?


In meinem Buch „Trader“ hatte ich meinen persönlichen, „perfekten Trader“ ja ausgehend von den folgenden Eigenschaften charakterisiert:


Mein perfekter Trader

  • ist geduldig

  • ist diszipliniert

  • ist sehr fleißig

  • ist besonnen

  • handelt sein eigenes, im Einklang mit seiner Persönlichkeit stehendes, System

  • ist dem Markt gegenüber demütig

  • ist eigenverantwortlich und akzeptiert uneingeschränkt seine Verluste

  • fühlt sich zum Trading berufen


Lässt man diese Charaktereigenschaften ein wenig auf sich wirken, wird man recht zügig erkennen, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sein dürfte, dass ein Trader, der diese Charaktereigenschaften in sich vereint, langfristig erfolgreich im Trading sein wird.


Nun allerdings die Frage: ist das alleinstehend wirklich ausreichend, konsistent Geld aus dem Markt zu ziehen und ausgehend hiervon seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können?

Wenn du hierüber ein wenig nachdenkst, wirst du erkennen, dass das nicht der Fall sein muss.


Du wirst ausgehend vom Meistern dieser Charaktereigenschaften im Spiel bleiben und den ein oder anderen Euro aus dem Markt ziehen – daran habe ich keinen Zweifel.


Aber das wird eventuell nicht reichen, um deinen Lebensstandard und/oder den deiner Familie zu finanzieren.


Das heißt nicht, dass du kein guter oder nicht ausreichend profitabler Trader bist.


Es bedeutet viel mehr, dass du als Trader nur so gut bist bzw. sein kannst, wie der Markt (die Aktie, das Währungspaar, usw.) welchen du handelst oder mal etwas plumper:


du kannst der beste Trader sein, der alle obigen Eigenschaften in sich vereint.


Wenn sich der von dir gehandelte Markt auf Intraday-Basis allerdings maximal 30 Punkte oder Pips oder im Fall einer Aktie Cent bewegt und keine saubere Trendstruktur etabliert, dann wird es schwer einen entsprechenden Vorteil zu kapitalisieren – seist du auch noch so gut.


Ich habe diesem Aspekt in meinem Buch „Trader – Der Weg zur profitablen Handelsstrategie – in jedem Markt in der Nachbetrachtung zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und möchte das nun im Blog-Format mit einigen Artikeln ergänzend tun.


Bevor wir beginnen wollen, möchte ich noch einmal kurz erklären, warum wir uns im Folgenden beim Finden des richtigen Marktes auf das Finden der „richtigen Aktie“ konzentrieren wollen:


Ausgehend vom kürzlich veröffentlichten Blog-Artikel „Der beste Trading-Indikator für Aktien-Trader? VWAP!“ hatte ich meine Motivation in Bezug auf meinen verstärkten Fokus auf physisches, ungehebeltes Aktien-Trading dargelegt:


mich erreichten in der jüngeren Vergangenheit mehrere Fragen, ob ich nicht mal einen Blog-Artikel zu Aktien und hier ganz besonders aktives Aktien-Daytrading schreiben oder auch ein Video für YouTube machen könnte.


Widmen wir uns also der Kern-Frage des heutigen Blog-Artikels:


Wie finde ich nun eine heiße Aktie für mein Daytrading?


Holen wir hierzu ein wenig aus: als ich zu Beginn meiner Karriere an der Börse als Kursmakler Quotes für Aktien gestellt habe und hier ganz besonders für Titel aus dem Segment „Freiverkehr“, galt es zunächst einmal zu schauen, ob die Aktie „heiß“ war.


Damit war vor allem gemeint, ob es irgendeine wichtige News (Quartalsbericht, neue Produktvorstellung, weitreichende Forschungsergebnisse, etc.) gegeben hatte, aber auch ob ein reichweitenstarker Börsenbrief eine Kaufempfehlung für den nächsten, vielversprechenden Goldminenbetreiber aus Kanada verkündet hatte.


Die alten Hasen unter uns werden hier jetzt eventuell schmunzeln, erinnern sich z.B. spontan an das alte TV-FormatMake Money“ mit Markus Frick auf N24 zwischen 2006 und 2007.


Ohne jetzt zu sehr in die Details zu gehen (wenn es interessiert, Wikipedia liefert hier weitere Details): Mitte 2007 nahm N24 das Format aus dem Programm, nachdem die BaFin Ermittlungen gegen Frick einleitete, wonach im Raum stand, dass Frick über einen Email-Newsletter verbotene Kursmanipulationen vorgenommen haben soll (klassisches „Pump-and-Dump“ ala Wolf of Wallstreet Jordan Belfort) - jup, war 'ne wilde, aber geile Zeit... 😉


Warst du jetzt derjenige welche Makler, der für die „heiße“ Aktie Kurse stellen musste, sollte sich z.B. ein günstiger Quartalsbericht in entsprechenden Aufschlägen im von dir gestellten Preis widerspiegeln.


Warum?


Naja, wenn z.B. die Börse in Toronto um 15:30 Uhr aufmacht und du die Stücke im europäischen Handel um 12:00 Uhr bzw. der US-amerikanischen/kanadischen Vorbörse zu günstig rausgibst und dich später teurer am Primär-/Referenzmarkt eindecken musst, verlierst du Geld für deinen Arbeitgeber – und früher oder später deinen Job...


Tatsächlich haben wir in Bezug auf Aktien nun bereits eine Richtung, wie ich für mein Aktien-Daytrading die richtige Aktie finde: grob gesprochen braucht es


  • eine marktbewegende Nachricht

  • unüblich hohes Volumen im betrachteten Wert


Marktbewegende Nachricht


Die folgende Liste ist nicht erschöpfend, liefert aber bereits eine sehr gute Orientierung, was mit „marktbewegend“ gemeint ist:


  • Günstigere Gewinnaussichten (engl. „Improved Margins“)

  • Ermittlungsverfahren (US-Aktien: SEC, deutsche Aktien: Bafin)

  • Gewinnaussichten erhöht/reduziert (engl. „Earnings guidance“)

  • Umsatzaussichten/-prognosen über der Markterwartung (engl. „Revenue guidance“)

  • Zu-/Abnahme Marktanteil (engl. „Market share“)

  • Neues Produkt, neues Medikament, etc.

  • Markt kann keine Gewinnobergrenze festlegen (relevant besonders bei „Wachstums“- bzw. „Growth“-Titeln (Tesla, Twitter, etc.))


Ausgehend von solchen, außer- bzw. nachbörslich verkündeten Nachrichten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die betroffene Aktie mit einem deutlicheren Gap eröffnet (also zu einem Kurs eröffnet, der deutlich ober-/unterhalb des Vortagesschlusskurs liegt).


Ist dieses Gap mindestens 3%, eher 5% groß (sowohl auf-, als auch abwärts), rückt die Aktie schon einmal in unseren Fokus.

Allerdings ist eine marktbewegende Nachricht und ein auftretendes Gap allein noch nicht schwerwiegend genug, als dass wir diese auch Intraday traden wollen bzw. die Aktie von uns als „heiß“ betitelt werden sollte.


Hier kommen wir zum Volumen:


Wikipedia schreibt zum Thema „Volumen“:


Unter Handelsvolumen versteht man die Absatzmenge oder den Umsatz der in einem bestimmten Zeitraum an einer Börse gehandelten Finanzprodukte wie Effekten oder Finanzkontrakte.


Das bedeutet für unsere Zwecke genutzt und etwas umformuliert:


wenn das Volumen hoch ist, ist eine Aktie eher „heiß“ als im Falle eines niedrigen Volumens.


Wenn du dir aber zum Beispiel eine Webseite wie „Marketwatch“ anschaust, wirst du nahezu täglich in der Vorbörse die gleichen Namen unter den Volumen-technisch am aktivsten gehandelten Namen finden („Most Active“): Apple, Amazon, etc.


Aber: sind diese Titel auch immer „heiß“? Nicht wirklich…


Ausgehend hiervon wollen wir uns der Thematik „Volumen“ aus einer anderen Perspektive nähern:


etwas weiter oben hatte ich angedeutet, dass bereits vor der offiziellen Markteröffnung in den USA um 15:30 Uhr, Aktien an anderen Handelsplätzen rund um den Globus, aber auch in der Vorbörse gehandelt werden.


Die Begriffe vorbörslicher und nachbörslicher Handel resultieren aus den offiziellen Börsenhandelszeiten, in Bezug auf die US-Börsen wie z.B. NYSE oder NASDAQ von 15:30 bis 22:00 Uhr.


In der Tat ist es in den USA besonders unter institutionellen Marktteilnehmern üblich (und diesen auch möglich), vor- bzw. nachbörslich zu handeln, sprich: vor 15:30 Uhr bzw. nach 22 Uhr und beispielsweise auf nicht selten nach Handelsschluss veröffentlichte Quartalszahlen zu reagieren und sich zu positionieren.


In Bezug auf die Vorbörse lässt sich grob festhalten, dass der institutionelle Handel ab 14 Uhr (MEZ) aktiver beginnt, z.B. Aktien zu handeln, ab 15:30 Uhr (MEZ) findet dann der reguläre Handel statt.


Und hier wird es für uns als Trader in Bezug auf das Suchen und Finden „heißer“ Aktien interessant:


abhängig vom vorbörslich gehandelten Volumen in Relation zum sonst durchschnittlich gehandelten Volumen in einer Aktie lässt sich eine Vermutung anstellen, ob eine von marktbewegenden Nachrichten und „gappende“ Aktie vom institutionellen Handel als interessant erachtet wird, denn:


beträgt das vorbörslich gehandelte Volumen (bzw. die Anzahl gehandelter Aktien) mehr als 10% der sonst durchschnittlich im betrachteten Wert gehandelten Aktien, wird’s langsam „heiß“.


Das bedeutet, wenn wir uns das Volumen der Aktie betrachten, interessieren uns:


  • Durchschnittlich gehandeltes Volumen in der Aktie

  • Vorbörslich gehandeltes Volumen in der Aktie


Das täglich durchschnittlich gehandelte Volumen in der Aktie sollte hier mindestens 1 Million Aktien betragen.


Warum?


Die Gründe hierfür sind vielfältig, zum Beispiel ist für uns als Trader fortwährend die Frage nach dem Risiko zu beantworten.


Um beispielsweise sein Risiko in einem Trade adäquat zu bestimmen, ist es nötig, dass ausreichend Liquidität vorhanden ist.


Das bedeutet ganz konkret: wenn ich 1000 Aktien von xyz kaufe, diese 1000 Aktien im Falle einer ungünstigen Kursbewegung nicht zum vorher von mir gewünschten bzw. zuvor festgelegten Kurs verkaufen kann, ist das ein Problem und beeinflusst wesentlich mein Chance-Risiko-Verhältnis.


In einem Titel, der täglich mindestens eine Million Aktien umsetzt bzw. handelt, ist die Wahrscheinlichkeit eines fortwährend liquiden Umfelds und somit günstiger Chance-Risiko-Verhältnisse besser.


Zudem sind die charttechnischen Strukturen und identifizierten technischen Level in liquiden Titeln „sauberer“ und aussagekräftiger.


Das gilt noch einmal verstärkt in der Vorbörse.


Hier sollte mindestens 10% des sonst durchschnittlichtäglich gehandelten Volumens umgesetzt werden. Ab 50% des durchschnittlich gehandelten Volumens in einer Aktie, wird’s auf jeden Fall „heiß“.


Eine darüberhinausgehende Kennzahl, die unter Aktien-Daytradern Verwendung findet, ist „RVol“.


„RVol“ steht kurz für „Relatives Volumen“.


Darunter versteht man das aktuell gehandelte Volumen in einer Aktie und setzt das ins Verhältnis zum sonst im gleichen Zeitfenster gehandelten Volumen.


Ist das RVol zwischen 15:30 und 15:45 Uhr zum Beispiel 5.5, bedeutet das, dass aktuell im betrachteten Zeitfenster 5.5mal so viele Aktien gehandelt werden, als üblich.


Interessant wird es, wenn das RVol größer 2, besonders größer 3 ist.


Grundsätzlich gilt: je höher das RVol ist, umso „heißer“ ist die betrachtete Aktie.


Zusammenfassung


Um eine „heiße“ Aktie als Daytrader zu finden, benötigt es

  • eine marktbewegende Nachricht

  • unüblich hohes Volumen im betrachteten Wert

  • „Marktbewegende Nachrichten“ (günstigere Gewinnaussichten, größerer Marktanteil, günstige Forschungsergebnisse, etc.) resultieren in einem Gap von mindestens 3%, eher 5%

  • Das durchschnittlich gehandelte Volumen sollte in der betrachteten Aktie mindestens 1 Million Aktien pro Tag betragen (zwecks Liquidität/Risiko)

  • Das vorbörslich gehandelte Volumen sollte mindestens 10% des täglich durchschnittlich gehandelten Volumens betragen

  • Aktive Aktien-Daytrader betrachten zudem das RVol – ist dieses größer 2, eher 3, unterstreicht das, dass die gehandelte Aktie auch wirklich „heiß“ ist

Abschließend:


eine erste Anlaufstelle für einen Aktien-Scanner, der es dir ermöglicht (US-)Aktien nach bestimmten Kriterien zu filtern, besonders hinsichtlich des Volumens, sind Barchart oder auch Finviz


Es gibt natürlich weitere Möglichkeiten, die für den aktiven Aktien-Handel in zu Betracht ziehenden Titel zu filtern, bspw.


  • technisch signifikante Ausbrüche (Allzeithochs/-tiefs, neue 52-Wochen-Hochs/-Tiefs),

  • Fokus auf Aktien, die mindestens $20 oder mehr kosten oder

  • Aktien, die eine bestimmte durchschnittliche, tägliche Schwankungsbreite haben (ATR größer $1 z.B.).


Dem persönlichen Geschmack und der Individualität des Traders sind hier tatsächlich keine Grenzen gesetzt.


Um allerdings einen ersten Eindruck zu erhalten, ob eine Aktie aktuell „heiß“ ist und sich für das aktive Daytrading eignet, sollte zunächst ein Blick auf eine marktbewegende, möglichst fundamental tiefgreifende News geworfen werden und ob diese eine überdurchschnittlich hohes Interesse (sprich: Volumen) unter den Marktteilnehmern nach sich zieht.


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