Das FX-Monatsend-Rebalancing Modell

Besonders in einigen Morning Meetings in den Monatsschluss hinein erwähne ich ab und an, dass es durchaus volatiler am Devisenmarkt werden kann – auch dann, wenn der Wirtschaftsdatenkalender recht dünn ist.

Ich verweise dann auf Portfolio-Anpassungen, belasse es aber zumeist dabei.

Vor kurzem erreichte mich nun eine Mail mit Verweis auf diese Aussage und die folgerichtige Frage:

„Was genau meinst du da eigentlich Jens?“

Dieser Blog-Artikel soll sich der Beantwortung der Frage widmen.

Das FX-Monatsend-Rebalancing Modell

Dieses Modell basiert auf der Überlegung, dass weltweit agierende Portfoliomanager in den von ihnen gehandelten und verwalteten Portfolios „Währungs-Hedge-Verhältnisse“ berücksichtigen.


Klar ist, dass es über den jeweiligen Monat zu Schwankungen in den jeweiligen Positionen eines Portfolios kommt.


Da diese Portfolios, zwecks Diversifikation, in unterschiedlichen Währungen notieren, müssen Portfoliomanager das Risiko aus Wechselkursschwankungen absichern.


Oder konkreter:


wenn du einen in Euro lautenden Fonds-Sparplan hast, dieser Fonds zwecks Diversifikation aber auch US-amerikanische (folglich in US-Dollar notierende) Aktien beinhaltet, will/muss der Portfoliomanager das Risiko eines gegen den Euro abwertenden US-Dollars (was sich negativ auf deine Performance auswirken würde) absichern, folglich US-Dollar in Euro tauschen.


Dieser „Zwang“ resultiert aus dem Umstand, dass das verwaltete Portfolio obiges, konkret vorgegebenes „Währungs-Hedge-Verhältnis“ einhalten muss.

Die Anpassung dieses Wechselkursverhältnisses bzw. des Hedges erfolgt gewöhnlich am letzten Handelstag eines Monats um 16 Uhr Londoner Zeit.


Zur Berechnung des Währungs-Hedge-Verhältnisses schauen wir auf den G10-Währungskorb und hier die Veränderung am Aktienmarkt basierend auf der Marktkapitalisierung.

Der G10-Währungskorb besteht aus


  • US-Dollar

  • Euro

  • GBP

  • JPY

  • AUD

  • NZD

  • CAD

  • CHF

  • NOK

  • SEK

Angepasst wird das Verhältnis dann ausgehend von der jeweiligen Performance der Währung über den vergangenen Monat (einfach gesprochen: hat der US-Dollar z.B. schwach im letzten Monat performt, dann werden in den Monatsschluss hinein, abhängig vom Umfang des US-Aktienbestands im Portfolio, noch einmal US-Dollar verkauft und bspw. Euro gekauft).

Einige Vermögensverwalter bzw. Trader machen sich dieses „Rebalancing“ zu Nutze: so generieren diese z.B. ein Kauf-/Verkaufssignal im US-Dollar gegen die jeweilige Währung im G10-Währungsuniversum, abhängig von


  • der zu erwartenden Richtung

  • Stärke der jeweiligen Kapitalzu-/abflüsse

und handeln diese dann, was meist eine nochmalige Beschleunigung in Richtung des bereits vorherrschenden Momentums in der jeweiligen Währung nach sich ziehen kann.


Die Stärke des Signals ist hierbei davon abhängig, wie die Performance am Aktien- und Devisenmarkt über den letzten Monat in Relation zur jüngeren Vergangenheit (z.B. zurück bis ins Jahr 2002) ausgefallen ist.


Stellen wir uns hierzu einfach eine Skala von +5 bis -5 vor.

Dann bedeutet z.B. ein Signal von „+5“, dass im USD gegen die jeweilige Währung im G10-Währungskorb (z.B. den EUR), ein starker Zufluss-, bzw. Euro-Abfluss erwartet wird.

-5“ bedeutet im Umkehrschluss dass der US-Dollar gegen die jeweilige Gegenwährung im Zuge dieser Anpassung stärker verkauft werden dürfte.

Meine persönliche Erfahrung mit diesen Anpassungen dieser Währungs-Hedges ausgehend von entsprechenden Aktienpositionen in den Monatsschluss ist, dass diese mit Beginn des nächsten Monats meist zum Erliegen kommen (was logisch scheint, ist der Hedge ja entsprechend angepasst).


Das hat zur Folge, dass man die Markierung neuer Hochs bzw. Tiefs im jeweiligen Währungspaar in den Monatsschluss meist mit Skepsis beäugen sollte, es sich nicht selten um einen Fehlausbruch handeln könnte.


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