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Der ultimative Leitfaden zum Aktien Daytrading 2

Aktualisiert: 8. Nov. 2023


Nachdenklicher Aktien Daytrader vor Candlestick Charts

Nachdem wir uns im ersten Teil des ultimativen Leitfadens für Aktien Daytrading mit wichtigen Trading-Begrifflichkeiten, dem Verständnis des Aktienmarktes und Aktien vertraut gemacht haben und Chancen und Risiken im AKtien Daytrading aufgezeigt haben, geht es im zweiten Teil vornehmlich um Technische Analyse und Fundamentalanalyse, aber auch um die Frage, was du benötigst um im Aktien Daytrading erfolgreich zu sein.


Technische Analyse


Die technische Analyse wurde aus den Grundkonzepten der Dow-Theorie entwickelt, einer Theorie welche die Bewegung der Finanzmärkte analysiert und auf den Studien Charles Dow basiert.


Die beiden grundlegenden Annahmen der Dow-Theorie, die der gesamten technischen Analyse zugrunde liegen, sind


  1. Der Chart bzw. Preis beinhaltet jede Information, die den Kurs eines Wertpapiers beeinflussen kann

  2. Kursbewegungen sind nicht vollständig zufällig, bewegen sich stattdessen in Trends und zeichnen bestimmte Muster, die sich im Laufe der Zeit wiederholen.

Unser Ziel ist es also diese sich wiederholenden Preismuster zu identifizieren, am besten mit Volumen zu unterlegen (die Idee ist: wenn ein von uns identifiziertes Muster auftritt, dann wollen wir natürlich wissen, dass wir nicht die einzigen sind, die dieses erkennen und ein ansteigendes Volumen deutet darauf hin, dass auch andere Marktteilnehmer das Muster identifiziert haben) und zu wissen, dass das auftretende Muster in unserem Trading einen statistischen Vorteil verspricht, sprich: sich von uns profitabel handeln lässt.


Ein Großteil der technischen Analyse findet in Charts statt und die Darstellung dieser Charts findet häufig mit sogenannten Candlesticks statt.


Die Grundlagen von Candlesticks


Was ist ein Candlestick-Chart?

Candlesticks sind mittlerweile eine der, wenn nicht die beliebteste Darstellungsform in unseren Charts.


Der Grund dafür ist recht einfach: Kerzen beinhalten viele Informationen, die für Trader auf einen Blick verfügbar sind und von enormem Wert sein können.


SPY Candlestick Chart

Obiger Chart ist ein Intraday-Chart des SPY (ein ETF, der den S&P500 abbildet). In diesem Candlestick-Chart repräsentiert jede Kerze 5 Minuten. Der Chart beginnt am 18.07. um 15:30 Uhr (da, wo die „18“ steht, ich habe auch einen Teil des Vortages ausgeschnitten) und endet um 22:00 Uhr (da wo die „19“ steht).


Bei jedem Candlestick-Chart repräsentiert jede „Kerze“ das von uns zuvor eingestellte Zeitintervall, was wir als Trader auch unsere „Zeitebene“ nennen und veranschaulicht vier wichtige Preispunkte innerhalb ihres jeweiligen Zeitrahmens: den Eröffnungskurs, den Höchstkurs, den Tiefstkurs und den Schlusskurs.


Die Anatomie eines Candlestick Charts


Im Folgenden wollen wir eine Kerze einmal in ihre Bestandteile zerlegen mit dem Ziel zu lernen, wie wir die Preisbewegung anhand eines Candlestick-Charts interpretieren können. Jede Kerze besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Körper und dem Docht bzw. der Lunte.


Candlestick Anatomie

Körper

Der Körper einer Kerze ist der rechteckige Abschnitt, oben dargestellt in weiß (in der Tat stellt ist der Kerzenkörper eher „hohl“) und schwarz (bzw. gefüllt“), im SPY-Chart noch weiter oben in grün und rot.


Der Körper und die Farbe des Körpers gibt Auskunft über die Preisbewegung zwischen der Eröffnung und dem Ende des Zeitintervalls der Kerze.


Am häufigsten ist der Körper einer Kerze nach oben grün gefärbt, während der Körper einer Kerze nach unten rot gefärbt ist. Gelegentlich, insbesondere wenn Farbe keine Option ist, ist der Körper einer nach oben gerichteten Kerze hohl, während der Körper einer nach unten gerichteten Kerze ausgefüllt ist.


Offensichtlich liegt im Falle einer „bullishen Kerze“ der Eröffnungskurs unter dem Schlusskurs, im Falle einer „bearishen Kerze“ liegt der Eröffnungskurs über dem Schlusskurs.


Docht und Lunte

Der Docht und die Lunte einer Kerze, manchmal auch „Schatten“ genannt, ist die dünne Linie, die sich von beiden Seiten des Kerzenkörpers nach oben (Docht) und unten (Lunte) erstreckt.


Die Extremwerte des Dochtes und der Lunte stellen die Preisextreme der Kerze dar und markieren das Hoch oder Tief der Kerze.


Und das war es auch schon zu Candlesticks!


Mit diesen Informationen sind wir in der Lage eine Menge Informationen aus dem Bild bzw. dem Chart zu ziehen und für unser Aktien Trading zu nutzen.

Im nächsten Schritt wollen wir genau das einmal tun: wir wollen den Chart und das, was in diesem vorgeht, mithilfe von Candlesticks interpretieren.


Candlestick-Charts interpretieren

Nachdem wir nun verstanden haben, wie eine Kerze bzw. ein Candlestick-Chart aufgebaut ist, wollen wir den Chart zum Leben erwecken und Kursbewegungen lesen.


Wir untersuchen die Größe der Kerzen, ganz besonders mit Blick auf den Kerzenkörper und werfen dann einen Blick darauf, was es bedeutet, unterschiedliche Zeitrahmen zu verwenden.


Größe der Kerze (Kerzenkörper inklusive Docht und Lunte)

Die Größe der Kerze kann uns etwas über die Volatilität des Marktes bzw. der Aktie verraten. Die Länge des Körpers und des Dochts bzw. der Lunte kann uns darüber Informationen über die Preisbewegung innerhalb jeder Kerze geben.

Eine Kerze mit einem langen Körper bedeutet eine stark, in eine Richtung erfolgte Kursbewegung innerhalb ihres Zeitintervalls.


Eine Reihe aufeinanderfolgender großer aufwärts- oder abwärts gerichteter Kerzen kann auf einen starken Trend hindeuten.


Candlestick Chart RIVN

Eine Kerze oder eine Vielzahl von Kerzen hintereinander mit kleinen Kerzenkörpern deutet auf kleine Kursbewegungen innerhalb deines Trading-Zeitintervalls hin. Eine Reihe aufeinanderfolgender Kerzen mit enger Spanne zu ähnlichen Preisen oder innerhalb der Spanne der vorherigen Kerze kann einen Rückgang der Volatilität und eine Preiskonsolidierung darstellen. Solch eine Phase kann im Falle eines starken Trends, sowohl auf-, als auch abwärts, auf eine „Verschnaufpause“ hindeuten, aber auch auf eine Phase der Unentschlossenheit, eine Zeit, in der Angebot und Nachfrage (oder Bären und Bullen) im Gleichgewicht sind und sich eine Seite durchsetzen muss um eine nächste Bewegung einzuleiten.


Solch eine Phase der Unentschlossenheit kann sich auch durch einen kleinen Kerzenkörper und relativ lange Dochte und Lunten widerspiegeln – in der Candlestick-Theorie spricht man hier von „Dojis“.


Candlestick Doji RIVN

Ein sehr langer oberer Docht und ein Schluss nahe dem Tief der Kerze zeigen uns, dass der Preis einen Versuch zu einem starken Kursanstieg unternahm, dieser aber fehlschlug - und das alles innerhalb des Zeitintervalls der Kerze. Eine Reihe langer Dochte oder ein sehr ausgeprägter Docht kann einen signifikanteren Widerstandsbereich kennzeichnen (manchmal sprechen Profi-Trader hier von einer „Stuff“-Candle).


Stuff Candle RIVN

Umgekehrt deuten lange Lunten und ein Schluss im Bereich nahe der Hochs der Kerze darauf hin, dass der Kurs nach anfänglichem Abgabe- bzw. Verkaufsdruck zurückgekauft wurde und nahe der Hochs hat schließen können - und das alles innerhalb des Intervalls der Kerze. Eine Reihe langer Lunten oder eine sehr lange Lunte können auf eine Absorption und potenzielle Unterstützung hindeuten.


Absorption Candlestick RIVN

Die Elemente jeder Kerze sind Bausteine, die uns eine Geschichte erzählen. Im übertragenen Sinne erzählt uns der Chart also eine Geschichte und unsere Aufgabe als Trader ist es, diese Geschichte zu verstehen. Ein wenig so, wie als wenn uns der Chart eine Geschichte erzählt, wo es um das Finden eines Schatzes geht. Der Chart ist die Schatzkarte und unsere Aufgabe als Trader ist nun, den Schatz zu finden.


Daraus wird auch sofort klar, warum eine Kerze alleinstehend nicht wirklich hilfreich ist: es gilt die Gesamtheit aller Kerzen im Kontext wahrzunehmen und ausgehend hiervon den Chart zu verstehen.


Sinnvoll kann es sein, sich Charts mehrerer Zeitebenen anzeigen zu lassen um zu erkennen, wo wir übergeordnet stehen.


So schaue ich mir beispielsweise im Zeitfenster zwischen 15:30 und 16 Uhr (MEZ) und somit rund um die Wallstreet-Markteröffnung, wo ich hauptsächlich ganz kurzfristige Momentum-Trades und Scalps handle einen 1min-, 2min- und 5min-Chart an.


Ab 16 Uhr und nach der Preisfindungsphase, wenn ich auf der Suche nach möglichen Intraday-Swing-Trades bin, schaue ich auf den 2min-, 5min- und 30min-Chart.


Und wenn ich einen Swing-Trade mache, versuche ich meinen Trade zwar zu optimieren und gehe zwecks Einstieg auf die 2min-Ebene runter, schaue aber übergeordnet auf den 30min- und Tageschart.


1min Chart


SPOT Candlestick Chart m1

30min Chart


SPOT Candlestick Chart m30

Tageschart


SPOT Daily Cnadlestick Chart

Ein „höherer Zeitrahmen“ bezieht sich auf längere Zeitintervalle wie ein Tageschart, manchmal sogar auf einen Wochen-Chart und bietet einen Überblick über das „große, übergeordnete Bild“.


Ein „kleinerer Zeitrahmen“ bezieht sich auf kürzere Zeitintervalle wie einen 5- oder 1-Minuten-Chart und eignet sich für kurzfristige Trades.


Wie man aus meinen obigen Zeilen schon erkennen kann, offenbart sich, dass ich gerne m1- und m2- bzw. m5-Charts für meinen Intraday-Handel verwende und um mir einen Überblick über die Price Action der vergangenen zwei Tage zu machen.


Wenn ich mir anschauen möchte, was in den vergangenen fünf, zehn, 20 Handelstagen passiert ist und ausgehend davon ein etwas „größeres“ Bild abdecken möchte, schaue ich mir einen m30- oder Stundenchart an.


Und um das vergangene Quartal, vielleicht auch das letzte Jahr abzudecken, schaue ich mir einen Tages- vielleicht manchmal auch Wochen-Chart an.


Egal, welchen Handelsansatz du verfolgst: arbeite auf jeden Fall mit mehreren Zeitebenen, abhängig natürlich davon, was zu deiner Persönlichkeit und deinem Handelsansatz passt. Das Ziel ist es eine mehrdimensionale Sicht auf den Markt zu erhalten.


Grundlagen des Volumens

Nachdem wir nun verstanden haben, wie man Candlesticks liest, wollen wir uns dem Volumen widmen, welches man in Form der Balken am unteren Ende obiger Charts schon gesehen hat.


Jeder Volumenbalken stellt die Anzahl der Aktien dar, die während des Zeitrahmens der entsprechenden Kerze gehandelt wurden.


Grundlage des Volumens AAP Candlestick Chart

Beim Blick auf den Chart und unserer Interpretation, sollte man die jeweilige Kerze in Kombination mit dem zugrundeliegenden Volumen betrachten.


Tatsächlich ist das meiner Einschätzung nach wichtig, um die Signifikanz einer Bewegung bzw. auch eines sich ausbildenden Kerzenkörpers herauszustellen.

Schau dir zum Beispiel noch einmal weiter oben den Chart zur Absorption an und die langen Lunten. Schau dir hierzu in Kombination das verhältnismäßig hohe Volumen an, was mit diesen Absorptions-Kerzen einhergeht.


Einfach gesprochen spiegelt das wieder, dass da wirklich jemand relativ viel im betrachteten Zeitintervall „absorbiert“ zu haben scheint, was die Aussagekraft der von uns ausgemachten „Absorptions“-Kerzen noch einmal deutlich unterstreicht.


Schauen wir einmal auf obigen Chart: wir eröffnen mit einer Kurslücke (Gap) nach unten. Die Markteröffnung, genau wie auch der Handelsschluss, gehen mit hohem Interesse einher, eventuell besonders nach einem Quartalsbericht.


Offensichtlich wird die Aktie verkauft bzw. die Marktteilnehmer stoßen diese ab.

Nun schau dir die Phase an, wo die Aktie eine Unterstützung zu finden scheint, wir hatten das weiter oben als Phase von „Unentschlossenheit“ bezeichnet.


Schau dir zudem an, wie wenig Volumen unten mit den Kerzen weiß umrandet ansteigt. Übersetzt heißt das meiner Interpretation: „Hier will jemand nach dem anfänglichen Abwärtsdruck kaufen, er befindet sich aber offensichtlich in der Minderheit, ist trotz seines Interesses an der Aktie nicht ansatzweise in der Lage auch eine ausgeprägtere Gegenbewegung zu initiieren. Das ist nicht wirklich stark und wenn wir neue Tiefs markieren, sollte es erstmal weiter abwärts gehen, die Verkäufer sind noch nicht fertig mit verkaufen.“


Wir wollen das an dieser Stelle zunächst einmal so stehen lassen, zunächst festhalten, dass Trader das Volumen in ihre Analyse der Candlesticks einbeziehen, um die Beteiligung hinter einer Preisbewegung zu analysieren.


Aktien Daytrader stellen sich hier die Fragen: „Wie viele Aktien wurden hier gehandelt? Wie viele Aktien wurden im Vergleich zum Durchschnitt gehandelt?“

Wir werden diese Dynamik auf jeden Fall noch einmal später in diesem Artikel ausführlicher behandeln.


Technische Indikatoren

Alles in der technischen Analyse ist reine Mathematik. Denn alles ist eine Funktion von Zeit, Preis und Volumen.


Der Candlestick-Chart ist eine grafische Darstellung von Preispunkten im Zeitverlauf. Die Volumenbalken unter den Kerzenständern geben das reine Volumen und die Anzahl der gehandelten Aktien an.


Für einige Händler kann dies sicherlich ausreichen, um die technische Situation zu analysieren. Es gibt jedoch auch sogenannte technische Indikatoren, die die Mathematik von Zeit, Preis und Volumen auf unterschiedliche Weise aufschlüsseln.


In meinem Trading nutze ich primär vier technische Indikatoren, die ich dir in den folgenden Absätzen näherbringen möchte – und du wirst erstaunt sein, es taucht kein RSI, MACD oder Slow Stochastic auf…😉


Gleitende Durchschnitte (engl. Moving Averages)

Ein gleitender Durchschnitt ist der Durchschnittspreis einer Aktie über einen bestimmten Zeitraum.


Der Grund dafür, dass es sich um einen „gleitenden“ Durchschnitt handelt, liegt darin, dass dieser festgelegte Zeitraum mit der Ausbildung neuer Kerzen „weitergleitet“, im übertragenen Sinne wird die letzte Kerze im betrachteten Intervall abgeschnitten und die neue Kerze zum Durchschnitt hinzugefügt.


Hier ein einfacher Tageschart mit einem EMA(50) in gelb und einem EMA(200) in grau:


SPY Gleitende Durchschnitte

Gemeinhin nutzen Trader in ihren Charts gleitende Durchschnitte auf Tagesbasis in den Aggregationen 21, 50 und 200 – wie du siehst habe ich den 21er zwecks Übersicht außen vorgelassen.


Zudem sind die von mir genutzten, gleitenden Durchschnitte exponentiell geglättet, dass bedeutet nichts weiter, als dass ich der jüngsten Price Action bzw. den jüngst ausgebildeten Kerzen ein höheres Gewicht zugestehe als jenen, die weiter in Vergangenheit liegen.


Wichtig scheint aber vor allem eines zu betonen: diese gleitenden Durchschnitte sind reine Mathematik, wenn man so möchte ein Derivat des Preises. Es handelt sich um den durchschnittlichen Preis über ein bestimmtes Intervall – nicht mehr, nicht weniger.


Gleitende Durchschnitte können ein tolles Werkzeug sein, zügig einen Überblick über den vorherrschenden Trend zu erhalten oder auch, wie weit wir vom durchschnittlichen Kurs in der Aktie entfernt sind (was bei starken Überdehnungen zum Beispiel eine Gegenbewegung begünstigen könnte).


Eine detailliertere Betrachtung zum Thema „Gleitende Durchschnitte“ findest du in diesem Tutorial:



VWAP

Der volumengewichtete Durchschnittspreis (oder VWAP) ist ein kumulativer Durchschnittspreis basierend auf dem ersten Candlestick auf welchen man diesen berechnet und wo dann jeder Candlestick (oder Balken/Bar) nach dem jeweils innerhalb dieses Balkens gehandelten Volumens gewichtet wird.


NVDA VWAP m1 Candlestick Chart

Die meisten Trader verwenden einen Intraday-VWAP (orange), der ab dem ersten Balken des jeweiligen Handelstages verankert ist, wie oben in diesem 1-Minuten-Chart von NVDA gezeigt.


Einige Trader ankern ihre VWAPs frei und basierend wichtigen Events (hohe Volumina bei einem Ausbruch, Gaps, Quartalszahlen, usw.) und nutzen diese dann als Orientierung für den seit diesem Event durchschnittlich von den Marktteilnehmern bezahlten Preis, vor allem mit dem Ziel eine Idee der Psychologie des Marktes zu erhalten (handeln wir zum Beispiel unterhalb eines auf Quartalszahlen geankerten, Volumen-gewichteten Durchschnittspreises könnte man sagen: „Die Marktteilnehmer, die die Quartalszahlen in der Aktie xyz gekauft haben, liegen nun im Schnitt „unter Wasser“ und wenn diese dann früher oder später das Handtuch werfen weil sie sehen, dass die Aktie nicht wie erwartet steigt, können die Verkäufe weiteren Abwärtsdruck nach sich ziehen“)


Grundsätzlich stellt der VWAP den durchschnittlichen Transaktionspreis für den Zeitraum dar, in dem man ihn berechnet.


Trader verwenden VWAP, um das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage in einem bestimmten Zeitraum zu visualisieren. Wenn der Preis über VWAP bleibt, geht man davon aus, dass die Käufer die Kontrolle haben. Wenn der Preis unter dem VWAP bleibt, geht man davon aus, dass die Verkäufer die Kontrolle haben. Wenn der Preis um den VWAP schwankt, spiegelt das Unentschlossenheit der Marktteilnehmer wider und einen Kampf zwischen Bullen und Bären.


Folgendes Tutorial könnte in diesem Zusammenhang für dich interessant sein:



ATR

Die Average True Range (ATR) ist die durchschnittliche Spanne der Candlesticks über einen bestimmten Zeitraum. Genau wie der gleitende Durchschnitt wird die ATR mit neu einkommenden Balken kontinuierlich aktualisiert, während der letzte Balken innerhalb des betrachteten Intervalls rausfällt.


Kurz und bündig gesprochen: die ATR misst die Volatilität des Marktes.


Die ATR kommt zu meinem Trading wie das morgendliche Zähneputzen für einen guten Start in den Tag. Denn die ATR gibt mir schnell eine Idee, wie volatil die von mir gehandelte Aktie ist und ist äußerst hilfreich zu beurteilen, wie weit eine Aktie im Tagesverlauf gestiegen/gefallen ist.


Ich berechne die ATR auf die letzten 22 Tage (betrachte mir die ATR also im Tageschart). Der Eingabewert „22“ resultiert aus dem Umstand, dass ein Handelsmonat im Schnitt 22 Tage hat, sprich: ich möchte also auf einen Blick sehen, wo groß eine Tageskerze im Schnitt im letzten Handelsmonat war.


Schauen wir auf ein konkretes Beispiel: nehmen wir an, die tägliche ATR(22) von TSLA beträgt 12 Dollar. Anstatt zu sagen: „TSLA ist in der ersten Handelsstunde um 6 Dollar gestiegen!“ sagt ein erfahrener, professioneller Trader: „TSLA ist in der ersten Stunde um eine halbe ATR gestiegen!“.


Das liefert ein objektiveres (und meiner Einschätzung nach besseres) Verständnis von der Preisbewegung insgesamt und besonders in Relation zu der üblichen Preisbewegung innerhalb eines Handelstages in der Aktie.


Man kann daraus zum Beispiel schließen, dass TSLA für den Tag Trading-technisch eventuell noch etwas „Fleisch am Knochen“ hat, ganz besonders dann, wenn sich zudem ein Katalysator für die Bewegung findet, bspw. ein Quartalsbericht, eine Breaking News oder auch ein Bruch über/unter ein technisch relevantes Level, was viele Marktteilnehmer beobachtet haben könnten.


Eine detailliertere Betrachtung zum Thema ATR und wie sich diese im Trading verwenden lassen könnte (anhand eines Beispiels im DAX) kannst du dir hier anschauen:



RVOL

Beim RVOL (oder: Reltiven Volumen) handelt es sich um eine Kennzahl, die ganz wesentlich darüber entscheidet, ob eine Aktie für uns innerhalb unseres Daytradings von Interesse ist bzw. ob diese „heiß“ ist.


Die Berechnung des RVOL ist tatsächlich ganz einfach: wenn eine Aktie normalerweise bis 16:30 Uhr (und somit innerhalb der ersten Stunde des Handelstages nach Wallstreet-Eröffnung um 15:30 Uhr) 2 Millionen Aktien gehandelt sieht, heute aber bis 16:30 Uhr bereits 6 Millionen Aktien gehandelt wurden, dürfen wir davon ausgehen, dass die Aktie ein erhöhtes Interesse auf sich zieht (und zwar ganz objektiv, ohne Chartmuster, News, etc.), denn: es wurde das Dreifache des sonst gehandelten, gewöhnlichen Volumens im betrachteten Zeitfenster gehandelt.


Im geschilderten Fall beträgt das RVOL 3, denn wir setzen die heute gehandelten 6 Millionen Aktien ins Verhältnis zu den sonst gehandelten 2 Millionen Aktien.


Das RVOL ist ein mächtiges Werkzeug, eben weil es objektiv ist: so können wir zwar ein Gefühl haben, dass dieses oder jene technische Level bei einem Breakout wichtig ist oder diese oder jene Nachricht des Unternehmens vom Markt mit Interesse aufgenommen wird.


Aber die finale Bestätigung erfolgt durch einen Blick aufs RVOL: sehen wir hier einen Anstieg auf das 3-, 5- oder 10-fache des durchschnittlich gehandelten Volumens, ist Interesse gegeben – falls nicht, gilt es vorsichtig zu sein und sollten wir uns zum Beispiel dennoch entscheiden unser Setup in der Aktie zu handeln bspw. unser einzugehendes Risiko zu reduzieren.


Warum technische Faktoren wichtig sind (Short Squeeze als Beispiel)

Warum analysieren wir eigentlich die Kursentwicklung einer Aktie, selbst dann, wenn der Aktienkurs doch alle Informationen diskontiert (also beinhaltet) und ein Spiegelbild dessen sein soll, wie gut es dem Unternehmen finanziell geht?


Tja, weil Menschen ausgehend von ihren Emotionen irrationale Entscheidungen treffen und das eben nicht immer der Fall ist (wäre es nämlich so, dann ließe sich für uns Trader kein zu kapitalisierender Vorteil identifizieren).


Denke noch einmal zurück an unsere, etwas weiter oben geführte Diskussion zum Thema Angebot und Nachfrage und daran, wie die Nachfrage und das Angebot und der hieraus resultierende Druck den Kurs einer Aktie bewegt.

Nun, dieser Kauf- und Verkaufsdruck geht oft über alle grundlegenden Überlegungen zur Qualität des Unternehmens hinaus.


Und dafür gibt es kein besseres Beispiel als eine massiven Short-Squeeze in einer Aktie.


Ein Short Squeeze ist ein aggressiver Preisanstieg, der aus dem Umstand resultiert, dass auf fallende Kurse spekulierende Marktteilnehmer gezwungen werden, ihre spekulativen Positionen auf einzudecken (Short Covering).


Die Psychologie hier ist sehr interessant, also denke darüber ein wenig nach: Du hast ein Unternehmen, dessen fundamentaler Ausblick schwach ist und alle Anzeichen deuten darauf hin, dass das Unternehmen eher früher als später bankrottgehen wird.


Das entgeht natürlich auch nicht großen Hedge Funds, die auf genau dieses Ereignis spekulieren und die Aktie leerverkaufen.


Sollte sich nun etwas an dem fundamentalen Ausblick im Unternehmen ändern oder einfach der auf den Bankrott wettende Hedge Funds seine Short-Wette eindecken müssen, weil er in einem anderen Trade schief liegt oder auch mit Kapitalabflüssen seitens Investoren konfrontiert sein, weil diese Kapitalbedarf haben, etc., dann kann hieraus eine große potenzielle Nachfrage in der Aktie resultieren.


Es gibt also erste Käufe in der Aktie durch ein einsetzendes Short Covering und es kann zu einem Domino-Effekt kommen, denn durch das Erreichen bestimmter Preisniveaus können sich weitere Hedge Funds gezwungen sehen, ihre Short-Positionen in der Aktie einzudecken, usw.


Die fundamentale Situation in der Aktie mag immer noch katastrophal schlecht sein, das Unternehmen kurz vor dem Bankrott stehen – und dennoch schießt die Aktie durch die enorme Nachfrage regelrecht durch die Decke, denn plötzlich ist gefühlt jeder, gezwungenermaßen, ein Käufer!


Spontan denkst Du jetzt vielleicht an den „Meme-Stock-Hype“ Anfang 2021 in Gamestop, aber tatsächlich tauchen solche „Short Squeezes“ immer wieder auf – und können hochprofitable Handelsgelegenheiten bieten, besonders für erfahrenere Aktien Trader.


Hier ein Beispiel in Carvana (Ticker: CVNA) aus dem Jahr 2023:


CVNA m30 Candlestick Chart Short Squeeze

Du wirst dich nun zu Recht fragen, wie man erfährt, ob eine Aktie einen hohen „Short Float“ hat, also wie viele der umgehenden Aktien besonders seitens institutioneller Marktteilnehmer leerverkauft wurden.


Hier gibt es eine kostenlose Quelle, www.finviz.com, die ich in der Tat vor jedem Handelstag in Bezug auf die von mir geplant zu handelnden Aktien besuche, um mir einen Überblick über das durchschnittlich gehandelte Volumen in der Aktie in den vergangenen drei Monaten zu verschaffen (Average Daily Trading Volume), die Anzahl der umgehenden Aktien (Shares Float) oder eben auch hinsichtlich der leerverkauften Aktien (Short Float):


CVNA Fundamentals Finviz.com

Sobald der Short Float über 20% liegt (in diesem Beispiel von CVNA zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Leitfadens bei 41.74%), ist die Aktie in Bezug auf „Short Squeezes“ einen näheren Blick wert.


Während Long Plays in solchen Aktien durchaus profitabel sein können, bin ich persönlich in Bezug auf Short-Positionen in solchen Aktien eher vorsichtig.

Erfahrungsgemäß haben nämlich Aktien, die einen hohen Short Float haben eine etwas „choppigere“ Struktur, besonders, wenn zeitgleich die Anzahl umgehender Aktien unter 100 Millionen, erst recht unter 50 Millionen Aktien, beträgt.


Wenn Du so möchtest, sind solche Aktien dann nicht selten ein „Spielball“ der großen Marktteilnehmer und wir sind fast so eine Art Fischfutter für die Piranhas, wenn wir uns in deren Gefilde verirren, sollten also besonders als Anfänger im Bereich Aktien Trading lieber im abgegrenzten Bereich des Pools planschen. 😉


Sind wir allerdings fortgeschritten und uns des hohen Short Floats bewusst und demnach ausgehend vom Zwang dieser großen Player eindecken zu müssen, dass es zu starken, mit hohem Volumen einhergehenden Ausbrüchen auf der Oberseite kommen kann, dann können solche Aktien gute Kandidaten sein, ganze Monats- und Jahres-Performances in unserem Aktien Trading zu generieren (schau dir obigen CVNA Chart detailliert an und die massiven Anstiege im Volumen einhergehend mit den großen, grünen Kerzen – ein Paradies für Breakout Trader und jene, die wissen, was sie tun - wir gehen auf CVNA und Breakout Plays noch detaillierter in diesem Artikel ein).


Fundamentalanalyse


Im Gegensatz zur technischen Analyse handelt es sich bei der Fundamentalanalyse um eine Analyse der Informationen, die aus der Leistung des Unternehmens selbst und nicht aus der Entwicklung der Aktie bzw. des AKtienkurses stammen.


Dazu kann die Analyse der Bilanz, des Cash-Flow-Berichts oder auch ein veröffentlichter Quartalsbericht dienen, der einen Überblick über diese Informationen über das abgelaufene Geschäftsquartal liefert bzw. einen Ausblick dieser Kennzahl für die kommenden Quartale seitens des Unternehmens.


Diese Informationen bzw. Veröffentlichungen, selbst sogenannte „Breaking News“, die den Markt völlig unvorbereitet treffen bspw. hinsichtlich einer Kooperation zwischen zwei Unternehmen oder auch eine Untersuchung seitens einer Regulierungsbehörde wie der SEC, BaFin, etc. (was gemeinhin niemals gut ist und von Tradern zunächst als Grund gesehen wird, die Aktie des Unternehmens zu verkaufen, erst später zu fragen, was eigentlich untersucht wird) beeinflussen logischerweise die Sichtweise des Marktes auf das Unternehmen und sorgen für Veränderungen des Ausblicks für das Unternehmen bzw. dessen Aktien.


Bei der Betrachtung der Fundamentaldaten ist es immer wichtig, darüber nachzudenken, was für den Markt eine Überraschung sein könnte und was möglicherweise bereits eingepreist ist.


Nur weil ein Unternehmen über eine starke Bilanz und ein enormes Wachstum verfügt, heißt das nicht, dass der Aktienkurs in näherer Zukunft Aufschläge sieht und höher notiert (tatsächlich kommt es hier nicht selten zu einem „Buy the rumors, sell the news“: die Erwartung auf starke Zahlen hat bereits vorab für Aufschläge gesorgt und wenn die starken Zahlen dann wirklich veröffentlicht werden, wird die Aktie verkauft und fällt – und umgekehrt im Falle fallender Kurse und schlechter Nachrichten).


Aber: kommt es zu Überraschungen, die der Markt so nicht erwartet hat und zu einer Neubewertung des Unternehmens bzw. der Aktie führt, kann das in einer Situation resultieren, in der sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage in der Aktie dramatisch verschieben und zu starken Kursbewegungen in die ein oder andere Richtung führen könnte.


In jedem Jahr gibt es vier sogenannte „Quartalsberichte“, die börsennotierte Unternehmen vorzulegen haben und die für uns als Aktien Trader großartige Möglichkeiten bieten können von resultierenden Überraschungen und Kursschwankungen in den betroffenen Aktien zu profitieren.


Was ich gerne mache ist, dass ich meinen technischen und fundamentalen Blick auf den Markt bzw. Aktien kombiniere, um dann Entscheidungen in meinem Trading zu treffen.


Aber während es durchaus interessant sein kann, sich die fundamentalen Gegebenheiten eines Unternehmens en detail zu betrachten, studiere ich nicht den kompletten Quartalsbericht, sondern blicke auf Kernzahlen des jeweiligen Unternehmens

  • Gewinn pro Aktie (engl. Earnings per Share oder EPS)

  • Umsatz (engl. Revenue)

  • Ausblick für die kommenden Quartale (engl. Guidance)

  • Das Wachstum im jeweiligen Segment (was immer im Gesamt-Kontext und in Relation zu anderen Unternehmen gesehen werden sollte),

aber dann ganz besonders, wie diese vom Markt aufgenommen werden und die resultierende Price Action.


Das heißt etwas anders formuliert: vergegenwärtige dir IMMER bzw. rufe dir ins Gedächtnis, dass deine Einschätzung oder Meinung in Bezug auf die Zahlen völlig unerheblich ist.


Sagst du dir innerlich „Boah, sind das starke Zahlen“, aber die Aktie wird abverkauft, dann solltest Du dem Preis folgen und was dieser vorgibt und nicht deiner Meinung.


Kurz zum Abschluss: zum Thema Fundamentalanalyse, besonders im Hinblick auf das Lesen und Interpretieren von Bilanzen, Cash Flow- und Income-Statements widmen wir uns in einem separaten Leitfaden, einem, der dann auch eher für Investoren und längerfristig agierende Händler geeignet ist.


An dieser Stelle wollen wir es nicht zu detailliert werden lassen, da wir als Trader zwar einerseits einen groben Überblick über Quartalszahlen haben sollten, auf welche Kennzahlen wir grob achten sollten und natürlich auch, wann diese veröffentlicht werden.


Aber als kurzfristig agierende Trader, sind wir an erster Stelle auf die resultierende Price Action fokussiert und auf das Handeln folgend auf die Nachricht, was uns zum nächsten Abschnitt bringt:


Was Du benötigst, um im Aktien Daytrading erfolgreich zu sein


Viele von uns sind mit Sport aufgewachsen oder haben ein Musikinstrument gelernt. Irgendwann habe ich dann angefangen mich zu fragen, wie die Meister oder auch Top-Performer in ihrem jeweiligen Sport oder mit ihrem Musikinstrument zu ebensolchen „Könnern“ geworden sind.


Ein tolles Buch, was mir die Augen geöffnet hat (und dir vielleicht auch), ist das Buch „Peak“ von Anders Ericsson und Robert Pool – hier gehts zur deutschen Version auf Amazon


Dieses Buch liefert eine sehr gute Einführung in den Bereich „Peak Performance“ und „Deliberate Practice“, was sich grob zusammenfassen lässt, als strukturiertes und gezieltes Verbessern in jeweils ausgemachten Bereichen, die Bestleistungen in der jeweiligen Disziplin, in unserem Fall „Trading“ ermöglichen sollen.


Trading-Grundlagen


Ich habe bspw. in meiner Jugend sehr intensiv Kampfsport betrieben. Mein Meister hat dabei sehr viel Wert auf Grundlagenarbeit gelegt und hier auf ein intensives Aufwärmprogramm, bevor wir dann entsprechende Techniken mit Partnern einstudiert und trainiert haben.


Und ich spreche hier nicht von einem Aufwärmtraining ala „10 Minuten ein bisschen stretchen, Hampelmann springen und dann gings los“.


Nein, unser Training betrug insgesamt 1:15 Stunden, von denen 35-40 Minuten Aufwärm-Training war – also fast die Hälfte der gesamten Trainings-Session.


Bei unserem Aufwärmtraining ging es um intensive Kraftübungen, Beweglichkeits- und Dehnübungen oder auch Koordinationsübungen. Und nicht nur, dass diese darauf abgezielt haben, uns auf das anschließende Technik-Training vorzubereiten.


Sie dienten vor allem dazu, den Körper und die Muskulatur vor Verletzungen zu schützen – Verletzungen, die ich nie hatte und auch heute, 20 Jahre später, meiner Einschätzung nach ausgehend vom damaligen Training selten bis nie habe.


Hierin dürfte sich der Grund finde, warum ich im Hinblick auf mein Trading so penibel auf eine gute Vor-, aber eben auch Nachbereitung achte und kontinuierlich versuche mich stetig zu verbessern.


Nicht nur, dass ich weiß, dass eine gute Vorbereitung in meinem Trading mich vor größeren Verlusten schützt. Durch ein bewusstes Wahrnehmen meines Tuns und strukturiertes und gezieltes Verbessern in ausgemachten Bereichen, bin ich in der Lage mich kontinuierlich zu verbessern und auf dem für mich best- und höchstmöglichen Niveau zu performen – was ich vor dem Hintergrund der mir an den Aktienmärkten begegnenden Konkurrenz auch muss.


Um in dieser Peak Performance Tätigkeit „Aktien Daytrading“ bestehen zu können, muss ich täglich in der Lage sein, die richtigen Aktien für mein Trading auszuwählen, Charts zu lesen und mein Risiko adäquat zu managen – und Du auch, wenn du, wenigstens gegen mich, bestehen willst.


Die richtige Aktie


Gleich vorab:


Du kannst in deinem Trading nur so gut sein, wie die Aktie, die Du handelst.


Das sollte intuitiv klar sein: Du kannst ein begnadeter Trader sein, perfekt die Charts und Price Action lesen, mental stabil und einen ausgeklügelten Risiko- und Money Management-Plan – wenn sich die von dir ausgewählte Aktie nicht bewegt, dann bringt dir das alles nichts!


Die Frage, die wir uns also stellen: wie finden wir die richtige Aktie? Möglichst eine, die sich bewegt und dann auch noch mit der von uns gehandelten Strategien bzw. unserer Persönlichkeit als Trader korrespondiert?


1) Die Aktie hat einen frischen News-Katalysator

Der jeweilige News-Katalysator (eine Breaking News oder auch ein Quartalsbericht z.B.) sollte die Marktteilnehmer überraschen, Interesse auf sich ziehen (=das Volumen sollte in der Aktie merklich ansteigen) und es sollte zu einem deutlichen Ungleichgewicht hinsichtlich Angebots und Nachfrage kommen, was zur Ausbildung von Trends und resultierenden Trading-Gelegenheiten für uns Trader führt.


2) Relatives Volumen (RVOL)

Wir hatten das bereits weiter oben thematisiert und im erweiterten Sinne auch im ersten Punkt: die Betrachtung des Handelsvolumens der Aktie im Verhältnis zu ihrem üblichen Handelsvolumen ist in der Regel eine fantastische Möglichkeit, den Grad der gestiegenen Beteiligung und des Interesses an einer Aktie zu messen. Dies kann Intraday oder über mehrere Tage hinweg gemessen werden.


3) Relative Stärke und relative Schwäche

Die Suche nach einer Aktie, die deutlich stärker als ihre Mitbewerber im jeweiligen Sektor oder deutlich schwächer als ihre Mitbewerber im jeweiligen Sektor ist, kann eine gute Möglichkeit sein, nach Aktien zu filtern, die ungewöhnliche Handelsaktivitäten aufweisen und sich für Trades eignen.


4) Technischer Katalysator

Eine Aktie mit einem sehr guten technischen Setup kann sehr attraktive Trades aus Chance-Risiko-Verhältnis-technischer Perspektive liefern.


Hierbei kann es sich zum Beispiel um das Halten eines signifikanten Kursniveaus (Unterstützung oder Widerstand), aber auch um ein Gap (eine Kurslücke) handeln. Das kann zum Beispiel interessant werden, wenn z.B. der Sektor, in welchem die Aktie handelt, am jeweiligen Handelstag schwach ist, aber die Aktie oberhalb eines wichtigen Unterstützungslevels handelt, also relative Stärke demonstriert. Sobald der Sektor nicht mehr abverkauft wird, wäre zu erwarten, dass die betrachtete Aktie ihre gezeigte, relative Stärke in steigende Kurse umwandelt.


5) Die Aktie respektiert Level

Wenn eine Aktie „Level“ respektiert und „gut gehandelt“ wird, ist sie definitiv ein Trading-Kandidat, ganz besonders dann, wenn weitere Faktoren gegeben sind. Wenn eine Aktie sauber gehandelt wird und schöne Trends etabliert, relative Stärke oder Schwäche zeigt – das ist der Traum für jeden Aktien Trader.


Andersherum: wenn eine Aktie „zickig“ und „erratisch“ ist, dann lässt mich das eher auf Abstand gehen (um den Aspekt weiter oben zu Short Squeezes aufzugreifen: zum Beispiel Short zu sein in einer Aktie mit einem hohen Short Float).


Für mich ist eine Aktie heiß, wenn sie Attribute auf sich vereint, die auf ein erhöhtes Interesse hindeutet (ein hohes RVOL bzw. vorbörsliches Volumen in Relation zum durchschnittlich gehandelten Volumen), einen frischen News-Katalysator hat, breit und tief in Bezug auf die Liquidität ist, aber eben bspw. auch „Level respektiert“, also sauber läuft, im übertragenen Sinne „unkompliziert“ ist.


Heiße Aktien sorgen ganz natürlich dafür, dass wir als Aktien Trader hoch attraktive Chance-Risiko-Verhältnisse in unserem Trading finden und erhöhen die Wahrscheinlichkeit in unserem Trading profitabel zu sein dramatisch.


Charts lesen


Charts zu lesen ist in Bezug auf die langfristige Profitabilität im Trading elementar. Unter „Charts lesen“ versteht man das Untersuchen historischer Kursbewegungen und des zugrundeliegenden Volumens der Aktie, die du handelst.


Hilfreich hierzu ist die Technische Analyse, wie bereits weiter oben thematisiert, die versucht jede Art von Information, die aus den Kursbewegungen und dem Volumen einer Aktie gewonnen werden, zu analysieren.


Die Kursbewegung einer Aktie wird durch Käufe und Verkäufe von Marktteilnehmern verursacht. Erinnere dich an dieser Stelle an die Angebots- und Nachfragedynamik, wobei uns Charts helfen diese Dynamik zu erkennen und im Gesamt-Zusammenhang zu unserem Vorteil zu nutzen.


Wir können diese Nachfrage im Chart sehen, die Nachfrage, die zu einem ganz bestimmten Kursniveau in die jeweilige Aktie gekommen ist, die Aktie stabilisiert und dann aufwärts getrieben hat. In Zukunft wollen wir einen solch identifizierten Bereich „Unterstützung“ nennen:


Unterstützung RIVN m30

Obiger Chart zeigt dir eine solche Unterstützung anhand eines Beispiels in der Aktie von Rivian (Ticker-Symbol RIVN) im Bereich um $23.50, die dreimal getestet wurde, gegen welche sich offensichtlich Käufer fanden, die dann zu Aufschlägen in den kommenden Wochen bis über $28 geführt haben.


Genauso, wie wir im Chart solche Unterstützungen ausmachen können, ist es auch möglich, Widerstände zu identifizieren, also Bereiche, in welchen Verkäufer auf den Plan getreten sind und das Angebot die Nachfrage überstiegen hat:


IWM Daily Widerstand

Obiger Chart illustriert dir einen offensichtlichen, starken signifikantes Widerstandsbereich im IWM (ein ETF, der den Russell2000 abbildet).

Was du an diesem Widerstandsbereich ausmachen kannst, ist ein potenzielles „Action-Level“, was für uns als Trader besonders interessant werden könnte, wenn wir höher brechen.


Und was lässt mich zu dem Schluss kommen, dass eine solche Attacken der Bullen anstehen könnte? Schau dir mal genau diesen Chart an: die Abpraller gegen diesen Bereich um $198 über ein Jahr werden zunehmend kleiner, was meiner Interpretation nach darauf hindeutet, dass das gegen dieses Widerstandsniveau in den Markt gegebenen Angebot abzunehmen scheint bzw. im übertragenen Sinne den Bären so ein wenig die Power auszugehen scheint.


RIVN m30 Range

Aber kommen wir noch einmal zurück zu Rivian/RIVN von weiter oben: bei genauerer Betrachtung erkennst du nicht nur einen Unterstützungsbereich um $23.50, sondern auch eine Widerstandsregion um $27.50/28.


Initial kannst Du erkennen, dass RIVN einen Versuch startete die sogenannte „Range“ bzw. Handelsspanne auf der Oberseite zu verlassen, dann aber zurück in die Range lief, es sich also um einen sogenannten „Fehlausbruch“ handelte.

In den folgenden Tagen und Wochen starteten die Bären dann eine weitere Attacke auf der Unterseite und folgend auf die Quartalszahlen (zu erkennen an dem kleinen „E“ auf der Zeitachse unten) fand sich dann in den Folgetagen eine ausreichende Anzahl von Verkäufern und hohes Verkaufsvolumen, was zu einem Bruch aus der Range tiefer führte.


Nun wirst Du dir, da Du nun langsam beginnen wirst, wie ein Trader zu denken, die Frage stellen: „Und, konnte man das handeln bzw. frühzeitig erkennen?“


Ich würde dir antworten (auch, weil ich RIVN sowohl in Bezug auf die Range und ein Auflösen dieser, sowohl auf der Ober-, als auch auf der Unterseite aktiv selbst gehandelt habe): „Ja, ich denke schon…“ und würde das erklären mit der deutlichen Tendenz eines sich ausbildenden Trends mit steigenden Hochs bzw. Tiefs vor dem Ausbruch höher bzw. den fallenden Tiefs und fallenden Hochs vor dem Bruch tiefer, was zunehmendes bullishes bzw. bearishes Interesse widerspiegelte:


RIVN m30 Trend Breakout

Tape Reading

In Bezug auf diesen Absatz war ich zunächst ein wenig skeptisch, weil es in Bezug aufs Tape Reading zügig sehr anspruchsvoll und vielleicht auch abschreckend werden kann.


Hinzukommt, dass ein solcher Absatz zum Thema Tape Reading einiges an Basisinformationen voraussetzt in Bezug auf das Thema Orderbuch.


Am Ende siegte dann aber der Wunsch, einen möglichst umfangreichen Leitfaden für Beginner im Bereich Aktienhandel zu erstellen.


Die folgenden Zeilen sind orientiert an zwei YouTube-Tutorials, die ich sowohl zum Thema „Orderbuch“, als dann auch zum Thema „Tape Reading“ gemacht habe. Zudem findest du praktische Beispiele etwas weiter unterhalb dieses Absatzes, wo ich anhand realer Trades durch das Thema „Tape Reading“ gehe.

Beginnen wir zunächst mit dem Thema


Orderbuch

Im Orderbuch findet sich die jeweilige Auftragslage in einem bestimmten Handelsinstrument.


Die Geldseite bzw. der Bid gibt an, zu welchem Preis die Marktteilnehmer bereit sind, zu kaufen.


Die Briefseite bzw. der Ask gibt an, zu welchem Preis die Marktteilnehmer bereit sind, zu verkaufen.


Der in untenstehender Grafik türkis hervor gehobene Preis ist jener Kurs, zu dem der letzte Umsatz getätigt wurde und den du bspw. auf einer Webseite oder auf der Börsentafel in Frankfurt angezeigt bekommst.


Die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs ist der sogenannte Spread.

Orderbuch Beispiel Geld Brief Spread

Die Breite des Spreads ist variabel, abhängig von jenem Preis, zudem Marktteilnehmer bereit sind zu kaufen bzw. zu verkaufen.


Das bedeutet auch: steigt die Unsicherheit im Markt (z.B. durch News), ist eine Ausweitung des Spreads zu beobachten.


Die treibende Kraft sind die Markt-Orders, nicht die Limit-Orders, sprich: durch Market-Orders kommt „Bewegung“ in den Markt.

Diese Markt-Orders spielen in Bezug auf die weiteren Betrachtungen eine wesentliche Rolle:

Orderbuch Spreadausweitung

Nun gibt es zwei Spieler am Markt: dynamische Spieler und passive Spieler.


Dynamische Spieler sind jene Trader, die den Markt „manipulieren“ können (ohne jetzt zu sehr in die Details zu gehen, wie sie das tun, schaue dir hierzu am besten unten folgendes Tutorial an).


Passive Spieler (also im übertragenen Sinne wir…) sind überzeugt, dass nach ihnen jemand in den Markt tritt, der zu einem schlechteren Preis als man selbst kauft/verkauft.


Passive Trader sind jene, die den Spread zahlen und zu jeweiligen Limit-Orders kaufen/verkaufen, bspw. ausgehend von der Suggestion dynamischer Spieler, dass der Markt steigt/fällt (kleine Anmerkung: im Großteil der Fälle entziehen wir dem Markt Liquidität, dazu aber an dieser Stelle keine weiteren Details).

Diese Überlegungen in Bezug auf dynamische und passive Spieler lassen aus Trading-psychologischer Sicht einige interessante Schlüsse zu, zum Beispiel Bewegungen im Orderbuch bzw. im Chart als Ungleichgewicht von Überzeugungen zu verstehen.


Etwas konkreter: was den Markt von z.B. 100 auf 101 bewegt ist eine Überzeugung, nämlich jene Überzeugung, dass der Markt nach meinem Kauf weiter steigt.


Ergo: damit der Markt weiter steigt, brauchen wir ein fortwährendes Ungleichweit im Hinblick auf die vorherrschende Überzeugung unter den Marktteilnehmern, dass es weiter aufwärts geht.


Aber: wenn man nur die Überzeugung anderer Trader handelt, die man allerdings nicht beeinflussen kann bzw. von welcher man 100% abhängig ist, warum sollte man sich über Verluste ärgern? (unterschätze nicht die Macht dieser simplen Frage in Bezug auf dein zukünftiges Trading – Du wirst mehr als einmal fassungslos und kopfschüttelnd vor deinem Chart sitzen und Dich fragen „Warum?“ – diese Frage wirst Du nun als völlig sinnlos erkennen und hoffentlich deine Rückschlüsse ziehen, dass es im Trading nicht um das Vorhersagen von Kursbewegungen geht (was unmöglich ist), sondern um das Management unserer, mit unseren Trade einhergehenden Risiken (was Du beeinflussen kannst und zu 100% in deinem Einflussbereich liegt).


Also: wir geben als passive Trader in jenem Moment unsere „Kontrolle“ ab, wo wir den Trade abdrücken, sind dann abhängig von Überzeugungen anderer Trader und „Spielchen“ dynamischer Trader.


Daraus folgt: der Ausgang eines einzelnen Trades ist rein zufällig und kann von uns passiven Tradern nicht beeinflusst werden (unser Risiko einhergehend mit einem Trade eben schon 😉)


"Manipulation" im Orderbuch


Manipulation Orderbuch Dynamische Spieler


Kommen wir nach der Einführung der „Orderbuch“-Basics nun im nächsten Schritt zum


Tape Reading

Kurz und knapp: unter Tape Reading versteht man die Analyse des „Order Flows“, in unserem Fall einer Aktie, die wir planen zu handeln.


Das Tape ermöglicht es Tradern, jene Orders zu sehen, die aus der Zusammenführung von Angebot und Nachfrage ausgeführt wurden.

In Bezug auf das Tape Reading gibt es zwei zu studierende Begrifflichkeiten: „Level 2“ und „Time & Sales“.


Level 2

Hierbei handelt es sich um das Orderbuch. Du kannst innerhalb des Orderbuchs, sowohl die Geld-, als auch die Briefseiten erkennen und die jeweils zum Geld- bzw. Briefkurs angebotene „Ordergröße“:


Orderbuch QQQ TWS Interactive Brokers

Time & Sales

Die „Times & Sales“ kann man auch als „Prints“ verstehen, also eine Aufzeichnung von Echtzeittransaktionen, die in der von Dir beobachteten Aktie stattfinden. Es ist also eine Auflistung jener Transaktionen zum jeweiligen Kurs und mit der jeweiligen Ordergröße, die zum entsprechenden Kurs umgesetzt wurden:

Times & Sales TWS Interactive Brokers

Da es nun relativ schwer ist, das Konzept des Tape Readings statisch zu erklären, will ich tatsächlich stattdessen eine Auflistung für ein „bullishes Tape“ bzw. „bearishes Tape” liefern und für ein dynamischeres Bild auf die entsprechenden Tutorials in meinem YouTube-Kanal verweisen:


Bullishes Tape

  • Bids „ziehen nach“ / „Step Up“

  • Die Vielzahl der Transaktionen in der T&S finden zum Briefkurs/Offer/Ask statt (viele „grüne Prints“)

  • T&S beschleunigt spürbar, aber Preis bleibt stabil/geht nicht runter

  • Dünne Briefseite/Offer

  • Käufer halten den Bid (kontinuierliches „Auffrischen“) / Akkumulation

  • Große Transaktionen („Big Prints“) zum Briefkurs

  • ASK „Spoofing“

Bearishes Tape

  • Offers „ziehen nach“ / „Step Down“

  • Die Vielzahl der Transaktionen in der T&S finden zum Geldkurs / BID statt

  • T&S beschleunigt spürbar, aber Preis bleibt stabil/geht nicht rauf

  • Dünne Geldseite/BID

  • Verkäufer halten den Offer (kontinuierliches „Auffrischen“) / Akkumulation

  • Große Transaktionen („Big Prints“) zum Geldkurs

  • Bid „Spoofing“





Risk- und Money Management

In meinem Buch „Trader – Der Weg zur profitablen Handelsstrategie – in jedem Markt“ widme ich dem Thema Risk- und Money Management ein ganzes Kapitel – was kein Zufall ist, immerhin ist es meiner Einschätzung nach eine der drei Säulen profitablen Tradings.


Ich will nun an dieser Stelle nicht dieses ganze Kapitel einfügen, das macht wenig Sinn bzw. schießt über das Ziel hinaus.


Ich will stattdessen einen kurzen Abriss darüber verfassen, warum Risiko-Management im Trading so wichtig ist und wo Du anfangen solltest, später dann, sofern Du in deinem Trading etwas fortgeschrittener bist, spezifischer in Bezug auf dein Risiko-Management werden solltest, da sich dein täglich akzeptiertes Verlust-Limit bspw. an deiner Erfahrung, ganz wesentlich aber an den Kern-Parametern deines Tradings rund um deine Trefferquote und deinem Payoff-Ratio orientieren, die wiederum deinen Erwartungswert und somit im übertragenen Sinne deinen Vorteil definieren.


Fange erstmal damit an, zu sagen: das ist der maximale Betrag, den ich an einem Handelstag verlieren darf. Sobald dieser Betrag (bspw. 100 Euro) verloren ist, darf ich für den Tag nicht mehr live handeln, maximal im Demo-Modus.


Das Festlegen eines solchen, täglichen Verlust-Limits ist essenziell für deinen langfristigen Trading-Erfolg und manche Broker bieten gar die Möglichkeit einer Kontosperre, sobald dieser Punkt erreicht ist.


Du wirst nun eventuell einwenden: „Ja, aber wenn sich dann die Trading-Gelegenheit des Tages ergibt und nicht kann diese nicht mehr handeln?“ – ja, dann ist das so, schluck es runter, wisch den Mund ab und warte bis morgen, es wird auch morgen wieder genügend Möglichkeiten bzw. Trades geben!


Die Erkenntnis, dass genau jetzt, nachdem Du den maximalen Verlust für einen Handelstag gerissen hast, die beste Trading-Gelegenheit für den Tag ergibt, ist nicht nur unwahrscheinlich. Es offenbart dir bei ehrlicher, genauer Betrachtung sogar, wie dein Gehirn dir unentwegt Streiche im Hinblick auf dein Trading bzw. deine Wahrnehmung generell spielt.


Viel wahrscheinlicher ist, dass Du, aus Ego-Gründen getrieben, deinen Verlust wieder aufholen möchtest und Du nun beginnst, Chancen bzw. Trades an Stellen zu erkennen, wo keine Trades und für dich einen Vorteil versprechende Setups sind.


Dass Du dein Verlust-Limit für den Tag erreicht hast, sagt dir etwas, zum Beispiel: „Heute ist nicht der Tag für deine Trading-Setups“, sofern Du diese sauber gehandelt hast und schlicht ausgestoppt wurdest. Hast Du willkürlich, ohne saubere Setups deinen Stop für den Tag gerissen, dann sagt dir das, dass Du, warum auch immer, emotionsgeladen handelst, offenbar nicht Herr deiner Sinne bist und aufhören musst, um größeren Schaden von deinem Handelskonto abzuwenden.


Komme wieder, wenn dein Kopf klar ist und Du bei Verstand.


Du erkennst bereits: das bloße Wissen um seinen Vorteil und adäquates Risiko pro Trade alleine ist nicht der Weg zum langfristigen Erfolg im Trading – dies erfordert ebenfalls mentale Stabilität und Disziplin.


Aber sobald Du eine solche Erfahrung einmal gemacht hast und am besten noch die Disziplin hattest, den von dir identifizierten, sauberen Trade nicht zu machen und dieser dann auch noch ein Gewinner gewesen wäre, einer, der nicht nur deinen Tagesverlust wieder aufgeholt hätte, sondern dich zudem für die Handelswoche „grün“ hätte werden lassen, dann verstehst Du, warum Du Risiko nur für Trades eingehen solltest, die es auch wirklich lohnen (sogenannte A+ Setups) und nicht irgendwelche „Das schaut gut aus…“-Trades, weil Du ein Gefühl hast, dass das was werden könnte, statt klarer, sauberer Kriterien, die es dir erlauben, diesen Trade ausgehend von einem klaren Regelwerk immer und immer wieder zu machen.


Ausgehend von einem sauberen Setup ergibt sich ganz natürlich ein solides Stop-Level, also ein Punkt, an dem wir wissen, dass unsere These nicht mehr gegeben ist und wir den Trade schließen sollten.


Ausgehend von unserem eigens festgelegten Verlust-Limit für den Tag, legen wir einen Prozentsatz für unser A+-Setup fest (bspw. 30% unser Verlust-Limits) und geben uns somit die Chance, dass es beim ersten Mal nicht klappt, haben dann aber noch 70% unseres täglich verfügbaren Risikos für einen zweiten, eventuell auch dritten Versuch.


Und umso sicherer wir bei der Umsetzung unseres Setups werden und das Handelskonto ausgehend von unserem kapitalisierten Vorteil wächst, desto größer wird auch unser täglicher Stop und das unsererseits pro Tag eingegangene Risiko.


Prozess-orientiertes Denken

Wenn Du den Artikel bis zur dieser Stelle gelesen und die diversen Videos an den entsprechenden Stellen geschaut hast, dann hast Du bereits ein solides Fundament in Bezug auf dein Trading und für einen Start im Bereich Börse.

Doch wie kannst Du erreichen, dass Du dich kontinuierlich weiterentwickelst, wie bleibst Du am Ball. Machen wir uns nichts vor: Trading hat kurzfristig, eventuell runtergebrochen bis auf einen oder zwei Trades, viel mit Glück zu tun.

Du kannst wirklich schlechte Entscheidungen treffen, zum Beispiel in Verluste hinein pyramidisieren oder dein Verlust-Limit ignorieren, aber eben Glück haben und am Ende noch einmal davonkommen – zumindest in Bezug auf deine PnL, also Gewinn- und Verlustanzeige, wo am Ende ein Plus steht.


Aber langfristig, wirst Du so dein Handelskonto ruinieren.


Genauso, wie Du grundsolide und gut handeln kannst und nach zwei, drei Trades negativ sein kannst – einfach, weil deine soliden, profitablen Setups nicht aufgegangen sind.


Der Grund, warum so viele Trader nicht erfolgreich sind ist, weil sie sich auf das Ergebnis fokussieren und eben nicht den Prozess.

Detailliert bin ich hierauf in diesem Blog-Artikel eingegangen innerhalb der Serie „Was macht einen erfolgreichen Trader aus?


Playbook

Dein Playbook ist in deinem Trading nichts anderes als ein Arsenal an Strategien, welches Du ausgehend von einer spezifischen Situation am Markt rausholen kannst und die Aktie ausgehend von einer früheren Situation dann handeln kannst.


Wenn zum Beispiel ein Unternehmen xyz Quartalszahlen veröffentlicht und die Aktie ausgehend von meinen weiter oben thematisierten Kriterien heiß ist (erhöhtes vorbörsliches Volumen/RVol, Gap größer 3%, etc.), dann schaue ich innerhalb meines Playbooks, ob ich die entsprechende Aktie oder ein Titel aus dem jeweiligen Sektor schon einmal in der Vergangenheit gehandelt habe (was allerdings nicht essenziell ist) und wie sich der Titel verhalten hat (bspw. das Respektieren bestimmter Level (runde Level, Vortagestiefs/-hochs, usw.)).


Zudem schaue ich mir an, welche Strategien für mich ausgehend von Quartalszahlen zum Beispiel gut funktionieren (was stark korrelieren dürfte mit deinerseits auch sonst bevorzugten Handelsstrategien).


So könnte es zum Beispiel sein, dass ich Breakouts und anschließende Momentum-Trades nach den ersten 10, 15 Minuten erfolgreich handle, sprich: nachdem die Aktie sich ausgehend von der frischen News ein wenig gefangen hat, ein Hoch/Tief ausgebildet hat und ich sagen kann: „Wenn wir dieses Level brechen, dann möchte ich für einen Momentum Drive Shorts ein“ und mich dann entsprechend positioniere.


Hierzu eventuell mal ein konkretes Beispiel: Nvidia hat am besagten Vortag nachbörslich Zahlen vorgelegt. Diese waren stark, also, grob gesprochen, eigentlich ein Grund, eher Long zu sein.


Nun hat sich allerdings abgezeichnet, dass die Aktie ein wenig weit gelaufen war und auch sonst war der übergeordnete Markt etwas „schwächlich“.


So konnte ich mir zwar einerseits vorstellen, dass die Aktie „Long geht“, wäre aber auch nicht überrascht gewesen, wenn wir zur Eröffnung ein paar Gewinnmitnahmen zu sehen bekommen und initial „Short gehen“.


In unserem Discord-Chat schreibe ich dann als Vorbereitung auf den Handelstag:


Discord Gruppe NVDA Game Plan

Aus meinem Playbook bzw. auch Trading Journal weiß ich nun, dass ich auf solche Quartalszahlen und vorausgesetzt, die Aktie ist heiß, sehr gut in Bezug auf „Momentum Plays“ (die kürze ich als „MoMo“-Trades ab oder „Move-to-Move“, markttechnisch würde so etwas unter „Bewegungshandel“ laufen) performe.


Alles weitere ergibt sich dann aus dem Verhalten der Aktie zur Markteröffnung:


Discord Gruppe NVDA Trade

Das ist nur die Kommentierung des Trades bzw. meines Gedankenprozesses für ein Community-Mitglied, die Ausarbeitung eines Playbooks ist natürlich viel mehr Arbeit.


Und das Erstellen eines Playbooks endet auch nie, selbst erfahrene Trader arbeiten und verfeinern kontinuierlich an ihren Playbooks.


Aber: es lohnt sich. Denn die Arbeit, die Du hier investierst, zahlt sich um ein Vielfaches in späteren Trades aus, wo Du jederzeit Herr der Lage bist und weißt, was Du tust.


Und vor allem: lass dich nicht durch Fehlschläge unterbekommen. Diese passieren und gehören dazu.


In Bezug auf mein Playbook muss ich heute noch schmunzeln, lache sogar manchmal laut auf, wenn ich Playbooks von vor einigen Jahren vor mir habe. Die teilweise naiven Kommentare oder Wahrnehmungen…😊


Aber: ich habe mich eben nicht unterkriegen lassen. Ich habe weitergemacht, immer weiter.


Mein Ziel war und ist es, jeden Tag ein Stück besser zu sein, als ich es gestern war. Und wenn dir das gelingt, dann potenziert sich der Gewinn mit der Zeit um ein Vielfaches und das lässt sich sogar mathematisch zeigen:


Stell Dir vor, Du strebst an, jeden Tag von heute (1 in der Formel unten) nur ein Prozent (1/100) besser zu sein, als Du es gestern warst. Das Jahr hat 365 Tage.

Nach der Formel für den Zinseszins gilt: (1 + 1/100)^365 = 37.8


Übersetzt: wenn Du heute beginnst, jeden Tag, egal in welchem Lebensbereich auch immer, 1% besser zu sein, bist Du in einem Jahr, also 365 Tage von jetzt, fast 38mal so gut.


Lass also den Zinseszins zum besten Freund in deinem Bestreben werden, ein besserer Trader, vielleicht aber auch gesünderer, besserer Mensch zu werden und Du wirst schon bald ein Riese sein. 😊


Book of Charts

Genau wie in der Welt der Geschichte und der Wissenschaft gibt es auch am Aktienmarkt Muster, die dazu neigen, sich zu wiederholen.


Ein erfolgreicher Trader entwickelt ein tiefes Verständnis für diese Muster, er wird im Laufe der Zeit im übertragenen Sinne zu einer „Muster-Erkennungs-Maschine“.


Und Charts helfen dabei, diese Muster zu identifizieren. Mache also Screenshots von deinen Charts und lege ein Album für diese an, ein „Book of Charts“.


Dein „Book of Charts“ unterscheidet sich von deinem Playbook dahingehend, dass es kurz und prägnant ist und ein für dich interessantes Muster widerspiegelt, was Du schon häufiger gesehen hast und Du in Zukunft studieren und profitabel handeln möchtest, sollte sich hieraus für dich ein Vorteil ergeben.

Nachbetrachtung

Innerhalb einer Blog-Artikel-Serie auf meiner Webseite „7 Eigenschaften unprofitabler Trader“ war eine der Eigenschaften und einer der Hauptgründe für die Unprofitabilität im Trading das Nicht-Führen eines Trading Journals.


Erfahrungsgemäß ist einer der Hauptgründe, warum sich Trader vor dem Führen eines Trading Journals sträuben jener, dass das Niederschreiben der Handelsergebnisse dafür sorgt, dass man „messbar“ wird, sprich, denn:


Misserfolg würde einem ungeschönt vor Augen geführt und man müsste sich eingestehen, dass das Trading nicht so läuft, wie gewünscht.


Nun kam es im Laufe meiner Laufbahn als Trader und dann auch als Mentor zu folgender Entwicklung: mit zunehmender Technologisierung und dem Umstand, dass viele Handelsplattformen mittlerweile ein integriertes Trading Journal mitbringen, sind viele Trader dazu übergegangen, sich nicht die ganze Mühe mit dem Aufschreiben ihrer Trades zu machen, stattdessen diesen Prozess zu automatisieren.


Das Problem hierbei: es findet zwar eine Dokumentation durch die Trading-Plattform statt, aber anschließend keine Auswertung durch den Trader.


Und genau diese nicht-stattfindende Nachbereitung (in der Schule spricht man bekanntermaßen von Hausaufgaben), macht es unmöglich Prozess-orientiert zu arbeiten.


Die Dokumentation deines Tradings in einem Trading Journal, geht weit über das Dokumentieren bloßer Ein-/Ausstiege, des Risikos des Trades, usw. hinaus geht, umfasst zum Beispiel auch Aspekte wie z.B. dein Befinden („Fühl ich mich gut/schlecht?“; wenn ich mich gut fühle: „Warum fühle ich mich gut?“ bzw. „Was habe ich getan, um mich gut zu fühlen?“, z.B. gut geschlafen, etc.), ob du einen täglichen Tagesablaufplan eingehalten hast, ob du beim Trading durch irgendwelche Gründe unter Stress gestanden hast oder nicht, aber auch das Zuordnen deiner Trades zu einem bestimmten Setup (kommen wir zu obigem Beispiel zurück: in meinem Trading landet der NVDA-Trade z.B. als „Earnings Play“ und „Momentum Scalp“, nach meinen Kriterien noch gekennzeichnet als „A“ für A-Setup).


Das ermöglicht, dass du einen Filter über dein Ergebnis legen kannst und z.B. einfach alle Trades aus deiner Betrachtung (z.B. auf Quartalsbasis) rauslässt, wo du dich z.B. nicht gut gefühlt haben und die nicht einem A-Setup entsprochen haben.


Du wirst nicht nur erstaunt feststellen, dass dein Ergebnis besser ist, wenn Du dich gut gefühlt hast/gut geschlafen und nur A-Setups gehandelt hättest.


Dir wird es zudem vor allem sehr viel leichter fallen, in Zukunft nur noch jene Trades zu machen, wo Du dich gut fühlst und Du dich auch wirklich mit einem A-Setup konfrontiert siehst.


Vorbereitung/Research

Was mich immer wieder aufs Neue fasziniert und fesselt, ist, dass der Markt sich kontinuierlich verändert. Du bist wirklich jeden Tag aufs Neue mit veränderten Marktbedingungen konfrontiert und musst dich auf diese einstellen.


Mal ist der Markt schnell, mal ist er langsam. Mal begünstigt er Breakout- und Momentum-Ansätze, mal ist er Range-gebunden und Ausbrüche kristallisieren sich als Fehlausbrüche heraus.


Das erfordert, sich kontinuierlich auf die jeweiligen Marktbedingungen einzustellen bzw. sich diesen anzupassen – und das bedeutet, dass als Trader stets gefordert ist, sich auf die kommende Handelswoche vorzubereiten.


Nicht, dass Du mich missverstehst: Du musst dich nicht kontinuierlich neu erfinden und deinen Handelsansatz verändern. Nachdem Du herausgefunden hast, was für dich funktioniert, solltest Du dich auf entsprechende Trades fokussieren.


Nur, musst Du diese Trades natürlich auch identifizieren bzw. durch ein Klicken durch deine Charts und gehandelten Aktien schauen, wo sich, für deine Handelsherangehensweise mögliche Plays herauskristallisieren, die Du dann in der Lage bist zu kapitalisieren.


Eine Möglichkeit ist beispielswiese sich innerhalb einer Discord-Gruppe zusammenzufinden und seine Beobachtungen und Gedanken zu teilen, hier ein Beispiel-Screenshot meinerseits:


Discord Gruppe TSLA Chart Vorbereitung

Erweitern ließe sich dieses über statistische Auswertungen: so könnte zum Beispiel Unternehmen xyz kommende Woche Quartalszahlen vorlegen, man könnte eine solche, technische Betrachtung erstellen und dann eine These formulieren ala:


„Wenn wir dann gute Earnings zu sehen bekommen und die Aktie infolgedessen ein Gap Up von 5% zu sehen bekommt, war es in den vergangenen 10 Fällen so, dass die Aktie in 80% höher geschlossen hat, was durch den technischen Breakout noch begünstigt werden könnte.“


Was uns zum nächsten Punkt führt in Bezug auf die Frage „Was Du benötigst, um im Aktienhandel erfolgreich zu sein“…


Technologie

Technologie ist nicht nur ein Werkzeug. Besonders im Trading ist es vielmehr ein „Skill“.


Denn im Trading sind wir in der Lage, Technologie in vielerlei Facetten zu nutzen, um Vorteile zu identifizieren und diese dann zu unserem Vorteil zu kapitalisieren.


Das kann von einfachen Watchlists reichen, die wir beispielsweise erstellen, um einen ersten Überblick zu erhalten, ob die Marktteilnehmer am jeweiligen Handelstag eher Risikoappetit haben (was sich in Kapitalzuflüssen in ETFs wie dem XLK, XLY oder SMH widerspiegeln könnte) oder eher Risikoaversion verspüren (wo ich dann Kapitalzuflüsse im XLP oder auch im UVXY).


Darüber hinaus können wir in Charting-Plattformen wie TradingView aber auch Filter erstellen, die uns Aktien nach Kriterien filtern, die somit für unser Trading für den Handelstag von Interesse sind.


ChatGPT kann für uns und unser Aktien Daytrading ebenfalls von Interesse sein.


Stell dir hierzu einfach vor, dass ein Biotech-Unternehmen eine „Breaking News“ vor Börseneröffnung veröffentlicht und ein neues Medikament anpreist, welches vielversprechende Ergebnisse in einer Phase1-Studie gezeigt hat. Nun ist die Sache die: die wenigsten von uns Tradern haben einen medizinischen Hintergrund, demnach fällt es uns relativ schwer einzuordnen, ob dieses Medikament wirklich ein solcher Game Changer ist oder auch, ob Phase1-Studien in der Vergangenheit zwar vielversprechend waren, aber dann keine weiteren Durchbrüche gelingen wollten.

ChatGPT könnte man nun etwas fragen wie „Hey ChatGPT, was bedeutet diese Nachricht, wie erfolgreich waren jüngste Studien und wie groß ist der betreffende Markt? Bedenke bitte, ich habe keinen medizinischen Hintergrund, erkläre es mir also ohne medizinische Fachbegriffe!“


Programmier-affine Trader können zum Beispiel Skripte schreiben, um Trades automatisiert auszuführen oder auch erstmal um zu schauen, wie ein identifiziertes Muster in Vergangenheit performt hat bzw. ob es profitabel war (sogenannter Backtest).


Ich denke nicht, dass ich an dieser Stelle weiter ausführen muss, wie mächtig der Einsatz von Technologie in unserem Trading sein kann und wie lohnenswert es ist, sich Kenntnisse zum Beispiel im Bereich Programmieren anzueignen, z.B. in der Programmiersprache „Python“.


Darüber hinaus kann der Einsatz von Technologie auch als Möglichkeit gesehen werden, sich mit gleichgesinnten Tradern zu einem Team zusammen zu schließen, in welchen Trader ausgehend von ihren besonderen Fähigkeiten (z.B. Identifikation potenzieller Plays durch ein starkes technisches oder fundamentales Verständnis) sich mit Tradern, die andere Fähigkeiten besitzen (z.B. starke Programmierkenntnisse) verbünden, identifizierte Plays über einen detaillierten Backtest auf ein statistisch validiertes Fundament stellen und dann ausgehend von entsprechenden Kern-Parametern eine Optimierung ihrer Positionsgröße ausgehend vom identifizierten Vorteil und ein grundsätzlich größeres Vertrauen in die Umsetzung ihrer Trades erreichen.


Vorbereitung in Form detaillierter Game Plans

Ich teile nahezu jeden Tag meinen Game Plan in einem Discord-Kanal oder auch in meinem Morning Meeting.


Das bedeutet, ich sage konkret, welche Aktien für mich für den jeweiligen Handelstag von Interesse sind und warum.


Ich arbeite hier dann mit einfachen „Wenn-dann“-Aussagen, also: wenn meine Aktie das tut, dann tue ich das.


Ich tue das vor allem, um meine Gedanken zu ordnen und mich auf den Handelstag vorzubereiten. Zudem erhoffe ich mir ein Feedback von den Mitlesern und Tradern, die mich entweder in meiner Einschätzung bestätigen oder aber mich auf eine Unachtsamkeit bzw. einen von mir nicht betrachteten Punkt hinweisen.


Das öffentliche Teilen eines Game Plans ist ein mächtiges Werkzeug: es ist nicht nur so, dass Du dich so auf deinen Handelstag vorbereitest und hier aus eine Routine erwächst, denn: deine Trading-Buddies warten auf deinen Input.


Ergänzend überlegst Du es dir auch zweimal, ob Du von deinem Plan abweichst bzw. benötigst für ein Abweichen einen guten Grund.


Solltest Du nämlich einen Trade machen oder in Form deiner Nachbetrachtung diesen nicht nur in deinem Trading Journal festhalten, sondern diesen zudem in Form einer täglichen Daily Report Card zum Beispiel mit anderen Tradern aus deinem Team teilen, dann wirst Du darlegen müssen, warum Du den Trade anders oder auch nicht gemacht hast, als ursprünglich kommuniziert.


Und selbst, wenn Du den Trade gemacht hast, stellt sich zum Beispiel auch die Frage, ob das von dir eingegangene Risiko angemessen war (zu groß/zu klein?).


Du erkennst: der Austausch mit anderen Tradern, beginnend mit einem Game Plan für den Tag ist eine sehr gute Möglichkeit, dich kontinuierlich in deinem Trading weiterzuentwickeln und das Ziel von weiter oben zu erreichen, jeden Tag 1% besser zu werden.


Regeln für unser Trading

Sobald wir begonnen haben, für unser Aktien Trading ein Playbook zu erstellen und unsere Setups beginnen, zu verinnerlichen, genau wissen, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit wir einen Trade eingehen können, haben wir Regeln für unser Trading.


Ohne diese Regeln, wird es für dich unmöglich, im Trading erfolgreich zu sein.

Jesse Livermore, einer der größten Spekulanten aller Zeiten sagte einmal sinngemäß: „Der Aktienmarkt ist nie offensichtlich. Es ist meistens darauf ausgelegt, die meisten Menschen zu täuschen.“


Und genau das ist der Grund, warum wir Regeln in unserem Trading brauchen: sie bewahren uns davor, Dummheiten zu machen bzw. uns täuschen zu lassen.


Sie verhindern nicht Verluste, aber sie ermöglichen uns, jederzeit zu wissen, was wir als nächstes zu tun haben und das innerhalb klar definierter Risiko-Parameter.


Ein gesunder Geist und ein gesunder Körper

Ich betrachte Trading als eine Peak Performance-Aktivität, wenn Du so möchtest ist Trading für mich ein Hochleistungssport – und genau so gehe ich mein Trading auch an.


Erfolg im Trading fängt bei körperlicher Fitness an. Trading unterscheidet sich hier nicht von Spitzensport und dem jeweiligen Druck, dem ein Tennisspieler sich beispielsweise in einem Grand Slam Turnier ausgesetzt sieht.


Der Kreis der Top-Spieler, jener, die kontinuierlich und regelmäßig unter den Top 4 in jedem Grandslam-Turnier stehen, ist klein, sehr klein.


Es ist nicht so, dass ein Spieler, der an Stelle 100 der Weltrangliste stehend den Ball nicht auch technisch versiert übers Netz bekommen würde. Tut er. Nur eben nicht so oft und kontinuierlich, wie bspw. ein Novak Djokovic.


Und im Falle eines Ausnahme-Athleten wie Novak Djokovic, der seit über einer Dekade an der Spitze der Tennis-Welt steht, geht die kontinuierlich abgelieferte Performance weit über technische Fähigkeiten hinaus.


Dort ist die körperliche Fitness und das fortwährende Arbeiten an der Möglichkeit eine bestimmte Schlagtechnik in einem bestimmten Moment abrufen zu können – immer wieder und wieder.


Dort ist die Ernährung, genauestens darauf zu achten, was man seinem Körper wann an Nährstoffen zuführt.


Hierzu vielleicht eine Anekdote: Novak Djokovic verspürte nach einem fast sechsstündigen Finalspiel gegen Rafael Nadal bei den Australian Open 2012 Lust nach Schokolade.


Sein Physiotherapeut eilte los, um Novak einen Schokoriegel zu besorgen und überreichte Djokovic diesen. Novak Djokovic brach ein kleines Stück ab, ließ es auf der Zunge zergehen – und gab den Rest zurück.


Ich glaube, wir können uns beide vorstellen, wie körperlich ermattet Djokovic war, doch selbst in diesem Moment, nach einem großen Sieg, ließ Djokovic sich nicht gehen, sondern blieb diszipliniert.


Diese Form der Selbstgeißelung und Disziplin ist nicht für jedermann.

Auch nicht für mich (was meine wochenendliche Zigarre unter Beweis stellen dürfte) und sie muss es auch für dich nicht sein.


Aber sie sollte dir eines klar machen: der Weg an die Spitze, erfolgreich, vielleicht der Beste aller Zeiten zu werden, egal in welcher Profession, ist nur wenigen, den diszipliniertesten, härtesten gegen sich selbst vorbehalten.


Auch in Bezug aufs Trading ist eine bewusste, saubere Ernährung nicht zu unterschätzen, aber auch das Bewusstsein, wie Du bzw. dein Körper auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert.


In Bezug auf mein Trading ist es zum Beispiel so, dass ich große Mahlzeiten, besonders am Mittag vermeide (aber auch abends, wie Du gleich erfahren wirst).


Der Grund: es macht mich müde und beeinflusst somit potenziell mein Trading zur US-Markteröffnung. Oder anders: den Burger mit Pommes gibt es am Samstag zum Cheat-Day und nicht unter der Woche, aber auch nicht am Sonntag, wo bereits meine Vorbereitung für die nächste Handelswoche beginnt.

Tatsächlich performe ich am besten, wenn ich ein leichtes Hungergefühl habe.


Dort scheint sich dann eine hormonelle Konstellation in meinem Körper herauszukristallisieren, die meine Aufmerksamkeit und meinen Jagd-Instinkt schärft.


Beobachte dich hier also, was für dich funktioniert, wie Du ausgehend von deiner Ernährung und auch ausgehend von welchen Nahrungsmitteln, Du am nächsten an deinen Peak-Performance-Bereich kommst.


Im Laufe der Zeit wurde mir auch immer klarer, wie wichtig Schlaf im Zusammenhang mit einem hohen Leistungsniveau und einem gesunden Lebensstil ist.


Um in der Lage zu sein, auf dem höchstmöglichen, kognitiven Niveau zu performen, ist nicht nur ausreichender, sondern guter Schlaf essenziell (ich empfehle dir in diesem Zusammenhang die Lektüre des „Großen Buch vom Schlaf“).


Es gibt darüber hinaus auch diverse Schlaf-Tracker, ich nutze bspw. einen „Oura-Ring“ (www.ouraring.com).


Ausgehend von diesem bin ich unglaublich bewusst in Bezug auf meinen Schlaf geworden, versuche mit kleinen Optimierungen meinen Schlaf zu verbessern, die sich dann nicht nur positiv auf mein Trading auswirken, sondern darüber hinaus auch positiv auf mein Leben generell (zum Beispiel vermeide ich, kurz vorm Schlafengehen noch in mein Smartphone zu schauen, arbeite mit Blaulicht-Filtern, vermeide schwere Mahlzeiten nach 18 Uhr, trinke unter der Woche keinen Alkohol, usw.).


Und wenn Du mal nicht gut geschlafen hast und das nicht nur spürst, sondern zudem mittels deines Schlaf-Trackers in Form eines niedrigen Schlaf-Scores vor Augen geführt bekommst, solltest Du das in Bezug auf dein Trading für den Tag berücksichtigen (weniger Risiko pro Trade, niedrigere Handelsfrequenz, nur ausgewählte Setups, eventuell auch gar nicht traden).


Ich habe darüber hinaus begonnen, zu meditieren, achtsamer und fokussierter zu werden.


Dass das in Bezug auf unser Trading, aber auch unser Leben generell einen Vorteil bietet, ist vor dem Hintergrund all der Nebengeräusche, in Bezug aufs Trading Fluktuationen im Chart, usw. offensichtlich, oder?


Darüber hinaus bietet Meditation und Visualisierungstechniken die Möglichkeit, Trades gedanklich bereits durchzulaufen und hierdurch grundsätzlich Ruhe ins Trading zu bekommen, bspw. weniger zaghaft beim Abdrücken des Trades zu agieren oder sich dann auf das Management des Trades und das Handeln der Price Action zu fokussieren, sich nicht von Fluktuationen in der PnL ablenken zu lassen.


Für ein besseres Selbstbewusstsein, also das Wissen um seiner Selbst und seiner Fähigkeiten, bieten sich beispielsweise auch Smartphone-Apps wie BrainHQ an.

Apps wie BrainHQ kann man sich im übertragenen Sinne als Fitnessstudio für das Gehirn vorstellen, wo Du deine kognitiven Fähigkeiten beispielsweise in Bezug auf dein Gedächtnis, aber auch die Geschwindigkeit, mit welcher Du Informationen verarbeitest, trainierst. Für uns als kurzfristig agierende Trader, eventuell sogar Scalper, ist ein solches Training nicht zu unterschätzen und liefert zum Beispiel ebenfalls eine Möglichkeit, jeden Tag ein Stückchen besser zu sein.


Ich nutze die App beispielsweise manchmal bereits morgens, bevor ich an den Trading-Desk gehe, um mir ein kleines Erfolgserlebnis ausgehend von einer marginal besseren Performance in Bezug auf kognitive Fähigkeit xyz zu verschaffen und sage mir so: „Der Tag ist bereits ein Erfolg!“


Diese kleine Manipulation deines Denkens bzw. deiner Selbstwahrnehmung (die Du übrigens auch bereits erreichen kannst, in dem Du einfach dein Bett ordentlich machst) sorgt dafür, dass Du dich für den Tag bereits als Erfolg wahrnimmst und potenziert sich im Laufe der kommenden Stunden, was sich logischerweise auch auf dein Trading auswirkt.


Was uns zu einer weiteren Säule profitablen Tradings, vielleicht sogar DER Säule profitablen Tradings führt:


Psychologie

Machen wir uns nichts vor: Trading ist das härteste Business der Welt, wir sind als Trader jeden Tag und mit jedem Trade, einem enormen Druck ausgesetzt bzw. machen uns diesen Druck.


Unter diesem Druck zerbrechen die meisten Trader – und das ist ein Fakt, aber vor allem ist das ein Zeichen, dass mentale Stabilität im Trading, genau wie auch in anderen Peak Performance Bereichen, den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg macht.


Die Sache ist nun allerdings: es kommt mehr als häufig vor, dass Trader glauben, der Grund für ihre Unprofitabilität sei mangelnde mentale Stabilität und wenn sie diese erreichen, dann folgt die Kapitalkurve schon sehr bald.


Dem ist nicht so.


Du kannst der mental stabilste Trader sein, die größte Bankroll aller haben: dadurch verdienst du noch lange kein Geld, wenn du keine profitable Handelsstrategie hast, also einen nachweislichen Vorteil kapitalisierst.


Während ich diese Zeilen tippe, lese ich gerade das Buch „Charlie D.: The Story of the Legendary Bond Trader“ und habe gestern das Kapitel „Caddyshack“ gelesen, an welches ich mich nun erinnert fühle.


In diesem geht es unter anderem um Charlie D.‘s Golf-Leidenschaft und die Wetten bzw. Geldbeträge die während diverser Golf-Runden bspw. mit NBA-Legende Michael „Air“ Jordan abgeschlossen wurden bzw. die Hände gewechselt haben.


Charlie D. war laut dem Autor kein ausgezeichneter Golf-Spieler und hätte niemals ein PGA Masters gewonnen. Aber diese mangelnde Edge in Bezug aufs Golf spielen kompensierte er mit teilweise absurd hohen Wettbeträgen, die sogar gestandene Golf-Profis in der Lage waren, Fehler ausgehend vom enormen, monetären Druck machen zu lassen.


Was für Charlie D. beim Golf funktioniert haben mag, wäre im Trading früher oder später schief gegangen, denn: niema