Die Biochemie des Tradings

Aktualisiert: Aug 12

Bevor wir uns dem heutigen Thema des Blog-Artikels „Die Biochemie des Tradings“ widmen wollen, möchte ich kurz aufgreifen, wie ich auf dieses Thema gekommen bin.


Vor einigen Wochen fragte mich meine Frau, ob ich nicht Interesse hätte sie zu einem Vortrag übers Wochenende zu begleiten.


"Der Vortrag findet in einem hübschen Hotel auf der Mecklenburgischen Seenplatte statt, hat einen ausgezeichneten Wellnessbereich und wir könnte mal wieder ein wenig Zeit zu zweit verbringen, da sich meine Schwester um die Kinder kümmern würde."


Ich willigte ein, allerdings nicht ganz ohne Skepsis: der Titel des Vortrags war „Die Schlüssel des Erfolgs“ und ich bin vermutlich gerade durch meine langjährigen Erfahrungen in der Trading-Branche und dem Wissen um all jene „Super-Trader“, die hier die „Schlüssel des Erfolgs“ gefunden und kostengünstig Interessierten in zweistündigen Vorträgen weitervermitteln, etwas gebrandmarkt.


Aber gegen ein paar Stunden Ruhe, zwei, drei Sauna-Gänge und einen 16-jährigen Lagavulin mit einer Macanudo Inspirado in Gegenwart meiner bezaubernden Ehefrau in der hoteleignen Zigarren-Lounge war nicht wirklich etwas einzuwenden.


Wie sich herausstellen sollte, führte mich diese Sauna-Whiskey-Zigarren-Leidenschaft in einen phänomenal guten und unglaublich interessanten Vortrag des renommierten

Neuropsychologen Dr. Robin J. Malloy, dem ich lauschen durfte.


Mit seinen Ausführungen zur „Biochemie der Persönlichkeit“ lieferte er die Grundgedanken, die sich in Bezug auf die Anwendung auf das Thema „Trading“ im Folgenden wiederfinden.

Biochemie der Persönlichkeit


Wie du eventuell weißt, wird unsere Gefühlslage und unsere Persönlichkeit über Neurotransmitter und andere Botenstoffe reguliert.

Neurotransmitter (oder auch biochemische Botenstoffe) kannst du dir hierbei als die Übersetzer von elektrischen Informationen in eine stoffliche Form vorstellen.

Gleichzeitig sind diese biochemischen Botenstoffe für unsere Gefühle, Emotionen und Empfindungen verantwortlich.


Zu diesen Neurotransmittern zählen u.a.

  • Serotonin

  • Cortisol

  • Testosteron

  • Dopamin

  • Oxytocin

  • Actin

In der Grafik unten findest du diese biochemischen Botenstoffe farblich aufgegliedert und kannst sehen, für welche Gefühle und Emotionen diese verantwortlich sind.

In meinem Buch „Trader“ greife ich bspw. die Emotion „Stress“ auf.


Auf S. 112ff versuche ich zu illustrieren wie es nach dem Ausschütten von Adrenalin im Falle eines ausufernden Verlust-Trades zur Ausschüttung von Kortisol kommt und welche negativen Auswirkungen der hiermit einhergehende Stress auf die Gesundheit des Traders allgemein haben kann.

Oft ist im allgemeinen Sprachgebrauch in Bezug auf Neurotransmitter aber auch von „Glückshormonen“ die Rede.

Bei der Ausschüttung von Serotonin z.B. empfinden wir z.B. Glücksgefühle.

Gefühle wie Freude, Vorfreude, Belohnungsgefühle, Erfolgsgefühle usw. werden durch eben solche Neurotransmitter ausgelöst.

Neben Serotonin zählt hierzu z.B. auch Dopamin.


Dass ich Serotonin und Dopamin hier herausstelle, ist kein Zufall: Dr. Malloy’s Ausführungen auf dem Vortrag erinnerten mich hier an einige Zeilen von Norman Welz in seinem Buch „Trading-Psychologie“, welches ich vor einigen Jahren lesen durfte.


Norman schreibt im Zusammenhang von Serotonin und Dopamin von Hormonen, die als eine Art „Lernturbo“ fungieren, da beide als „Dünger für das Wachstum neuronaler Verknüpfungen dienen“ und „den Lernprozess maßgeblich unterstützen“.

Worauf er hinaus will: kleine, von Erfolg geprägte und Freude bringende Schritte in unserem Trading, frei von Angst und Stress (welche z.B. durch zu große Positionen hervorgerufen werden und zur Ausschüttung von Kortisol führt, etwas, dass wir nach Dr. Malloy versuchen sollten zu vermeiden) führen zu Freude und Lust nach mehr.

Und genau durch diese Freude und Lust am Lernen, was diszipliniertes, geduldiges und schlussendlich erfolgreiches Trading ausmacht, kann unser Gehirn neuronale Verknüpfungen besser und schneller aufbauen.


Oder kurz und knapp: wir bewegen uns schneller in den Bereich der unbewussten Kompetenz!


In meinem Buch „Trader“ verwies ich zwar auf Seite 130 auf diese „kleinen Schritte“ im Trading, aber ließ die biochemischen Prozesse bzw. beteiligten Hormone hinten runter fallen.


Durch obige Zeilen, wird dieses Bild nun „rund“.


Dr. Malloy sorgte aber noch für weitere Aha-Effekte:

er führte bspw. sehr anschaulich aus, wie durch die Muttermilch die Ausschüttung vom „KuschelhormonOxytocin angeregt wird.


Bei Oxytocin handelt es sich um ein Hormon, von welchem man nie genug haben kann, welches Schmerzen lindert (einer der Gründe, warum kleine Kinder, wenn sie sich verletzten, zu Mama laufen und Trost suchen: die Ausschüttung von Oxytocin ist im übertragenen Sinne gleichzusetzen mit einem körpereigenen Opiat bzw. Schmerzmittel).


Oder auch wie uns die Ausschüttung von Testosteron zu Höchstleistungen antreibt.

Was mich dann besonders faszinierte, waren seine Ausführungen zum Stichwort „Mediterrane Diät“, eine Ernährungsform welche von Lebensmitteln geprägt ist wie Ziegen- und Schafsmilchprodukten, Olivenöl, Fladenbrot oder auch Rotwein.

Die Faszination ging aber weniger von irgendwelchen vorgestellten Kochrezepten aus, sondern eher, wie man durch Ernährung die Ausschüttung von positiven, aber auch negativen Gefühlsbotenstoffen beeinflussen kann (etwas, was mir grundsätzlich nicht neu war, aber erst durch den Vortrag wirklich bewusst wurde).

Zucker und einfache Kohlenhydrate stimulieren so z.B. die Serotoninausschüttung, Alkohol, Kaffee oder Nikotin sorgen für eine erhöhte Dopaminausschüttung.

Der eigentliche Grund für die Zufuhr solcher Substanzen ist aber, dass es zu einer Stimulation unserer körpereigenen Botenstoffe kommen soll und zu den damit verbundenen „guten“ Gefühlen, die diese in uns auslösen.


Ausgehend hiervon wird klar, worauf ich in meinem Buch „Trader“ aus neuropsychologischer Sicht hinaus wollte, als ich auf Seite 128 schrieb:


[…] Das Erreichen der Zone ist eine sehr individuelle Angelegenheit – das ist wichtig zu verstehen.[…]


Bei der Zone handelt es sich im Großen und Ganzen um eine „Neurotransmitter-Balance“, also jenen Bereich, wo wir uns gut fühlen und in unserer Mitte sind.


Dieser ist für jeden unterschiedlich bzw. individuell.


Im Zusammenhang mit unserem Trading bedeutet das, dass das Erreichen dieses Zustands auch durch unsere Ernährung wesentlich beeinflusst wird.


Der positive Effekt von Haferflocken auf dein Trading


So kann es absolut sinnvoll sein, sich z.B. von langkettigen Kohlenhydraten zu ernähren, z.B.

  • Haferflocken,

  • Vollkornprodukten (Brot, Nudeln)

  • Kartoffeln, Naturreis

  • Nüssen, diversen Hülsenfrüchten & Gemüse)

Das Ziel ist eine kontinuierliche und stetige Zuckerversorgung, somit in unserer Zone zu verweilen und (im übertragenen Sinne) ausgehend von unserem „Frühstücks-Müslipositive Effekte auf unser Trading zu erzielen.

Oder anders: natürlich besteht die Möglichkeit, sich kurzzeitig mit einem Schokoriegel den gleichen Effekt zu bescheren.


Nur ist der Effekt (also die Ausschüttung von Glückshormonen) hierdurch wesentlich kürzer (und vermutlich auch ungesünder).

Wir werden also schneller abgelenkt, aus unserer Zone geholt und das wiederum kann sich negativ auf unser Trading (bspw. in Bezug auf unsere Markteinschätzung, etc.) auswirken.


Ergänzend: obige Überlegung für Neurotransmitter lässt sich nahezu identisch auf Sport anwenden.


Es ist davon auszugehen, dass Sport die Menge an Serotonin und anderen Botenstoffen wie Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin steigert, das Resultat: wir fühlen uns besser, glücklicher, manchmal fast schon berauscht.


Aber Vorsicht: die positiven Gefühle überwiegen nur solange, bis durch übermäßige Erschöpfung und bspw. Atemnot Stress und somit Kortisol ausgeschüttet wird...


Abschließend: nicht, dass du mich hier falsch verstehst.


Ich ziele mit meinen Zeilen nicht darauf ab, den Eindruck zu erwecken, dass dein Frühstück oder Workout darüber entscheidet, ob du mit deinem Trading profitabel bist oder nicht.


Ich möchte nur versuchen den Ursprung bestimmter Gefühle und Emotionen (die beim Trading eine solch große Rolle spielen) besser zu verstehen und eine Idee zu geben, wie man diese zu seinen Gunsten beeinflussen könnte oder auch grundsätzlich mehr Ruhe in sein Trading zu bekommen.


Zusammenfassung

  • Biochemische Botenstoffe (Serotonin, Cortisol, Testosteron, Dopamin, Oxytocin, Actin) sind für unsere Gefühle, Emotionen und Empfindungen verantwortlich

  • Durch Ernährung lässt sich die Ausschüttung von positiven, aber auch negativen Gefühlsbotenstoffen beeinflussen

  • Es lässt sich (mindestens theoretisch) z. B. über die Aufnahme langkettiger Kohlenhydrate erreichen, dass du länger in deiner „Zone“ verweilst oder kurz:

  • Haferflocken können positive Auswirkungen auf dein Trading haben! 😉


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jklatt@jk-trading.com