Die Biochemie des Tradings

Aktualisiert: 12. Aug 2020

Bevor wir uns dem heutigen Thema des Blog-Artikels „Die Biochemie des Tradings“ widmen wollen, möchte ich kurz aufgreifen, wie ich auf dieses Thema gekommen bin.


Vor einigen Wochen fragte mich meine Frau, ob ich nicht Interesse hätte sie zu einem Vortrag übers Wochenende zu begleiten.


"Der Vortrag findet in einem hübschen Hotel auf der Mecklenburgischen Seenplatte statt, hat einen ausgezeichneten Wellnessbereich und wir könnte mal wieder ein wenig Zeit zu zweit verbringen, da sich meine Schwester um die Kinder kümmern würde."


Ich willigte ein, allerdings nicht ganz ohne Skepsis: der Titel des Vortrags war „Die Schlüssel des Erfolgs“ und ich bin vermutlich gerade durch meine langjährigen Erfahrungen in der Trading-Branche und dem Wissen um all jene „Super-Trader“, die hier die „Schlüssel des Erfolgs“ gefunden und kostengünstig Interessierten in zweistündigen Vorträgen weitervermitteln, etwas gebrandmarkt.


Aber gegen ein paar Stunden Ruhe, zwei, drei Sauna-Gänge und einen 16-jährigen Lagavulin mit einer Macanudo Inspirado in Gegenwart meiner bezaubernden Ehefrau in der hoteleignen Zigarren-Lounge war nicht wirklich etwas einzuwenden.


Wie sich herausstellen sollte, führte mich diese Sauna-Whiskey-Zigarren-Leidenschaft in einen phänomenal guten und unglaublich interessanten Vortrag des renommierten

Neuropsychologen Dr. Robin J. Malloy, dem ich lauschen durfte.


Mit seinen Ausführungen zur „Biochemie der Persönlichkeit“ lieferte er die Grundgedanken, die sich in Bezug auf die Anwendung auf das Thema „Trading“ im Folgenden wiederfinden.

Biochemie der Persönlichkeit


Wie du eventuell weißt, wird unsere Gefühlslage und unsere Persönlichkeit über Neurotransmitter und andere Botenstoffe reguliert.

Neurotransmitter (oder auch biochemische Botenstoffe) kannst du dir hierbei als die Übersetzer von elektrischen Informationen in eine stoffliche Form vorstellen.

Gleichzeitig sind diese biochemischen Botenstoffe für unsere Gefühle, Emotionen und Empfindungen verantwortlich.


Zu diesen Neurotransmittern zählen u.a.

  • Serotonin

  • Cortisol

  • Testosteron

  • Dopamin

  • Oxytocin

  • Actin

In der Grafik unten findest du diese biochemischen Botenstoffe farblich aufgegliedert und kannst sehen, für welche Gefühle und Emotionen diese verantwortlich sind.

In meinem Buch „Trader“ greife ich bspw. die Emotion „Stress“ auf.


Auf S. 112ff versuche ich zu illustrieren wie es nach dem Ausschütten von Adrenalin im Falle eines ausufernden Verlust-Trades zur Ausschüttung von Kortisol kommt und welche negativen Auswirkungen der hiermit einhergehende Stress auf die Gesundheit des Traders allgemein haben kann.

Oft ist im allgemeinen Sprachgebrauch in Bezug auf Neurotransmitter aber auch von „Glückshormonen“ die Rede.

Bei der Ausschüttung von Serotonin z.B. empfinden wir z.B. Glücksgefühle.

Gefühle wie Freude, Vorfreude, Belohnungsgefühle, Erfolgsgefühle usw. werden durch eben solche Neurotransmitter ausgelöst.

Neben Serotonin zählt hierzu z.B. auch Dopamin.


Dass ich Serotonin und Dopamin hier herausstelle, ist kein Zufall: Dr. Malloy’s Ausführungen auf dem Vortrag erinnerten mich hier an einige Zeilen von Norman Welz in seinem Buch „Trading-Psychologie“, welches ich vor einigen Jahren lesen durfte.


Norman schreibt im Zusammenhang von Serotonin und Dopamin von Hormonen, die als eine Art „Lernturbo“ fungieren, da beide als „Dünger für das Wachstum neuronaler Verknüpfungen dienen“ und „den Lernprozess maßgeblich unterstützen“.

Worauf er hinaus will: kleine, von Erfolg geprägte und Freude bringende Schritte in unserem Trading, frei von Angst und Stress (welche z.B. durch zu große Positionen hervorgerufen werden und zur Ausschüttung von Kortisol führt, etwas, dass wir nach Dr. Malloy versuchen sollten zu vermeiden) führen zu Freude und Lust nach mehr.

Und genau durch diese Freude und Lust am Lernen, was diszipliniertes, geduldiges und schlussendlich erfolgreiches Trading ausmacht, kann unser Gehirn neuronale Verknüpfungen besser und schneller aufbauen.


Oder kurz und knapp: wir bewegen uns schneller in den Bereich der unbewussten Kompetenz!


In meinem Buch „Trader“ verwies ich zwar auf Seite 130 auf diese „kleinen Schritte“ im Trading, aber ließ die biochemischen Prozesse bzw. beteiligten Hormone hinten runter fallen.


Durch obige Zeilen, wird dieses Bild nun „rund“.