Hedging von Edelmetall-Positionen - Teil 1

Gold und Silber befinden sich seit August 2011 und der Markierung eines Allzeithochs um 1.920 USD / Feinunze bzw. seit April 2011 und rund 50 USD / Feinunze im Abwärtsmodus (Stand: 03/2019), konnten sich infolge wachsender globaler Unsicherheitsfaktoren zwar beginnen zu stabilisieren, aber sind jederzeit gefährdet sich erneut auf Talfahrt zu begeben.


Zwischenzeitlich hatte sich der Goldpreis fast halbiert, im Dezember 2015 war das gelbe Edelmetall teilweise auf unter 1.050 USD/Feinunze gefallen.

Spekulanten konnten zwar mit Short-Positionen in Papier-Gold und -Silber von dieser Abwärtsbewegung mit soliden Trendfolgeansätzen profitieren, aber physische Gold- und Silberhändler standen bzw. stehen weiterhin vor einem Problem.


Während physischen Gold- und Silber-Positionen ein natürlicher Sicherheitsgedanken innewohnt, um bspw. im Falle eines Währungs-Crashs (welcher durch die Euro-Schuldenkrise oder den immer wachsenden Schuldenberg in den USA (Stand Mai 2016: größer 19 Billionen USD) durchaus real anmutet) oder einer Währungsumstellung Waren des täglichen Bedarfs bezahlen zu können, ist eine physische Long-Positionierung dennoch spekulativ und für weitere Verluste prädestiniert.


Als Hauptgrund für die fallenden Gold- und Silbernotierungen der vergangenen Jahre ist mit Sicherheit der gedämpfte globale Inflationsausblick ins Feld zu führen. Aggressive geldpolitische Stimuli seitens der Notenbanken, allen voran der FED, haben seit der Finanzkrise eine Flucht in Edelmetalle begünstigt, gelten Gold und Silber doch als klassische Inflations-Hedges um sich gegen die Geldschöpfung aus dem Nichts abzusichern (man spricht in diesem Zusammenhang auch vom sogenannten "Fiat"-Geld).


Doch die befürchtete, galoppierende Inflation durch die Quasi-Geldschöpfung aus dem Nichts ohne Hinterlegung realer Gegenwerte blieb bisher aus.

Den aggressiven geldpolitischen Stimuli der FED, EZB oder BoJ folgte keine anspringende Konjunktur, selbst jetzt nicht, wo global im Gegenwert von mehr als 11 Billionen USD Schuldtitel umlaufen.


Da konnten auch die politischen Unsicherheitsfaktoren und Spannungen, die sich bspw. in Europa in einer immer stärker werdenden Radikalisierung der politischen Landkarte wiederspiegeln, nur eine Abmilderung des Abwärts-Trends im Gold begünstigen, keine Trendumkehr auf den Weg bringen.

Allerdings denke ich, dass es fatal wäre Gold (und auch Silber), besonders in physischer Form, komplett abzuschwören und solche Positionen abzustoßen.


Nichtsdestotrotz:


Was können physische Gold- und Silberbesitzer gegen einen möglichen, anhaltenden Preisverfall tun?


Die Lösung um sich gegen einen eventuell weiteren Preisverfall bei Gold / Silber abzusichern / zu hedgen, besteht darin, dass man die physisch vorhandene Menge Edelmetall leerverkauft / Short handelt.

Möglich ist dies bspw. mit CFDs.


Der Vorteil von CFDs zu Absicherungen die man über Optionen/Optionsscheinen ist vor allem, dass CFDs im Gegensatz zu Optionen keinen Zeitwertverlust haben und in Relation zu diesen wesentlich transparenter sind, da sie nahezu 1 : 1 zum Goldpreis korreliert sind (dies gilt ganz besonders bei CFDs von Brokern, die 1 zu 1 auf den Spot-Goldpreis referenzieren).


Durch diese Ausgestaltung von CFDs, den Preis des Underlyings (in diesem Fall Gold oder Silber) 1 zu 1 abzubilden, besteht für den Edelmetallhändler die Möglichkeit sein physisches Edelmetall-Portfolio sehr genau abzusichern.


Die Funktionsweise eines Gold-Hedges:

Gehen wir davon aus, dass Sie sich ein bestimmtes Kursniveau in Gold für 1.000 Feinunzen sichern wollen.


Bei einem Goldpreis von 1.300 USD / Feinunze entspricht dies einem physischen Gesamtwert 1,3 Millionen US-Dollar oder, bei einem Wechselkurs EUR/USD von 1,1000 von 1,18 Millionen Euro.

(Anmerkung: Es wird bereits ausgehend hiervon offensichtlich, dass Sie einem sogenannten Währungsrisiko ausgesetzt sind, welches es zu beachten gilt und dem wir weiter unten noch mehr Aufmerksamkeit schenken wollen)


Das Kürzel, unter welchem Sie Gold beim jeweiligen Broker finden variiert, ist aber häufig irgendetwas mit XAUUSD.


Zudem gilt es Ihrerseits in Erfahrung zu bringen, in welcher Stückelung der Gold-CFD angeboten wird. Im Beispiel unten besteht bspw. die Möglichkeit mit einer Positionsgröße von 0,01 eine Feinunze Gold zu handeln, was im Umkehrschluss bedeutet, dass Sie als Besitzer von 1.000 Feinunzen physischem Golds 10,00 Einheiten XAUUSD beim jeweiligen Broker verkaufen müssen, um sich gegen einen Kursverfall abzusichern.


Ausgehend von einer Margin von rund 35 Euro / Feinunze und 1.000 Unzen die Sie planen zu verkaufen, müssen Sie folglich rund 35.000 Euro als Sicherheitsleistung für die Position hinterlegen. Bei einem Kontostand von hypothetisch 1.000.000 Euro werden diese 35.000 Euro "geblockt" und Sie haben eine freie Margin auf Ihrem Konto von 965.000 Euro.


Fällt der Goldpreis nun, bei gleichbleibendem Wechselkurs EUR/USD, von 1.300 USD / Feinunze auf 1.200 USD /Feinunze passiert folgend

  • Ihre physische Gold-Position verliert 100 USD / Feinunze an Wert. Das bedeutet, dass Ihre physische Gold-Position im Gesamtwert auf 1,2 Mio USD oder 1,09 Mio. Euro fällt, ihre physische Position also 100.000 USD bzw. 91.000 Euro an Wert verliert.

  • Gleichzeitig gewinnt Ihre Papier-Gold-Position 100 USD / Feinunze an Wert, da Sie diese zu 1.300 USD verkauft haben und nun zu 1.200 USD zurückkaufen könnten. Da Sie 1.000 Unzen verkauft haben, haben Sie mit Ihrer Papier-Gold-Position 100.000 USD / 91.000 Euro gewonnen (exklusive Kommissionen und eventueller Swap-Gebühren/Rollover-/Overnight-Kosten)

  • Aufsummiert ist Ihnen also weder ein Gewinn, noch ein Verlust entstanden: Ihre physische Gold-Position hat nun einen Wert von 1,2 Mio USD oder 1,09 Mio. Euro, doch Ihr Kontostand beträgt insgesamt 1.091.000 Euro von initial 1.000.000 Euro.

Umgekehrt: steigt der Goldpreis, bei gleichbleibendem Wechselkurs EUR/USD, von 1.300 USD / Feinunze auf 1.400 USD /Feinunze passiert folgendes:


  • Ihre physische Gold-Position gewinnt 100 USD / Feinunze an Wert. Das bedeutet, dass Ihre physische Gold-Position im Gesamtwert auf 1,4 Mio USD oder 1.272.727 Euro steigt, Ihre physische Position gewinnt also 100.000 USD bzw. 90.909 Euro an Wert.

  • Gleichzeitig verliert Ihre Papier-Gold-Position 100 USD / Feinunze an Wert, da Sie diese zu 1.300 USD verkauft haben und nun zu 1.400 USD zurückkaufen müssten. Da Sie 1.000 Unzen verkauft haben, verlieren Sie mit Ihrer Papier-Gold-Position 100.000 USD / 90.909 Euro (exklusive Kommissionen und eventueller Swap-Gebühren/Rollover-Kosten).

  • Aufsummiert ist Ihnen also auch hier weder ein Gewinn, noch ein Verlust entstanden: Ihre physische Gold-Position hat nun einen Wert von 1,4 Mio USD oder 1.272.272 Euro, Ihr Kontostand beträgt nun insgesamt 909.091 Euro von den initialen 1.000.000 Euro.


Nun gilt es ein wenig vorsichtig zu sein: fällt Ihr Kontostand weiter durch steigende Gold-Notierungen, während Ihre physische Gold-Position im Wert steigt, müssen Sie eventuell weitere Sicherheitsleistungen auf Ihr Konto einzahlen.


Anmerkung für den Nicht-physischen Edelmetall-Händler: physische Edelmetall-Händler (Ankäufer, Verkäufer), aber auch Juweliere, Import/Export für Technologieunternehmen oder die Elektroindustrie, Produzenten etc. sind nicht an spekulativen Gewinnen interessiert. Diesen geht es an erster Stelle um den Werterhalt ihrer physischen Positionen. Nicht zu unterschätzen ist zudem, dass die Verluste in den Papier-Positionen steuerlich geltend gemacht werden können, was sich in einer potentiell höheren Rendite niederschlagen könnte.


Kommen wir zu weiter oben bereits thematisierten Währungsrisiken:


Für Edelmetall-Händler in der Euro-Zone gilt es sich neben oben thematisierten Kursrisiken auch gegen eventuelle Währungsrisiken abzusichern. Der Edelmetallhändler sollte sorgsam abwägen, ob er sich gegen einen schwächeren US-Dollar absichern möchte.


Zwar war ein stärkerer US-Dollar in der Vergangenheit häufig mit einem nachgebenden Gold-Preis verbunden, gegen den sich der Edelmetall-Händler ja bereits über oben thematisierte Gold-CFD-Short-Position abgesichert hat.

Doch untenstehende Beispiele sollen illustrieren, dass eine Fehleinschätzung diesbezüglich kostenintensiv werden und warum sich die Kosten für eine Währungsabsicherung/Währungs-Hedge durchaus lohnen können.


Beispiel:


Fällt der Goldpreis von 1.300 USD / Feinunze auf 1.200 USD /Feinunze, während sich der Wechselkurs EUR/USD von 1,1000 auf 1,1100 verändert, passiert folgendes:


  • Ihre physische Gold-Position verliert 100 USD / Feinunze an Wert. Das bedeutet, dass Ihre physische Gold-Position im Gesamtwert auf 1,2 Mio USD fällt. Durch die Wechselkursveränderung sinkt der Wert Ihrer physischen Gold-Positionierung auf 1,081 Mio. Euro. Somit verliert ihre physische Position 100.000 USD bzw. rund 90.090 Euro an Wert.

  • Gleichzeitig gewinnt Ihre Papier-Gold-Position 100 USD / Feinunze an Wert, da Sie diese zu 1.300 USD verkauft haben und nun zu 1.200 USD zurückkaufen könnten. Da Sie 1.000 Unzen verkauft haben, haben Sie mit Ihrer Papier-Gold-Position 100.000 USD / 90.090 Euro gewonnen (Wechselkursveränderungen bereits eingerechnet).

  • Aufsummiert ist Ihnen durch die Währungsschwankung, trotz Absicherung Ihrer physischen Position, ein Verlust von 10.647 Euro entstanden.


Durch einen Währungs-Hedge hingegen verändert sich die Rechnung wie folgt:


  • Ihre physische Gold-Position verliert 100 USD / Feinunze an Wert. Das bedeutet, dass Ihre physische Gold-Position im Gesamtwert auf 1,2 Mio USD fällt. Somit sinkt der Wert Ihrer physischen Gold-Positionierung auf 1.081.081 Euro, ihre physische Position verliert 100.000 USD bzw. rund 90.000 Euro an Wert.

  • Da Sie jedoch ausgehend vom Gesamtwert Ihrer physischen Gold-Position von 1,3 Mio USD 1,3 Mio Einheiten EUR/USD gekauft haben, entsteht Ihnen hierdurch ein Gewinn von 100 Pips (1,1100 - 1,1000 = 100 Pips). Ausgehend von 1,3 Mio Einheiten EUR/USD beträgt der Pip-Wert rund 90 Euro. Multipliziert mit 100 Pips liefert das einen Gewinn von rund 11.700 Euro.

  • Gleichzeitig gewinnt Ihre Papier-Gold-Position 100 USD / Feinunze an Wert, da Sie diese zu 1.300 USD verkauft haben und nun zu 1.200 USD zurückkaufen könnten. Da Sie 1.000 Unzen verkauft haben, haben Sie mit Ihrer Papier-Gold-Position 100.000 USD / 90.090 Euro gewonnen (Wechselkursveränderungen bereits eingerechnet).

  • Aufsummiert ist Ihnen durch Absicherung Ihrer physischen Position inklusive der Währungs-Absicherung sogar ein kleiner Gewinn von 1.065 Euro entstanden.


WICHTIG: Beachten Sie bei obiger Grafik, dass die gebundene Margin auf Ihrem Konto durch die Absicherung des Währungsrisikos und dem Aufbau einer EUR/USD Long-Position gestiegen ist, unter Umständen eine höhere Kapital-Hinterlegung auf Ihrem Konto nötig würde, wenn Sie planen Währungsrisiken abzusichern.


Zudem: wenn Sie planen Kursschwankungen und/oder Währungsrisiken abzusichern, dann können zusätzliche Kosten entstehen, sogenannte Roll-Kosten.


Der Grund hierfür ist das wachsende Zins-Differential zwischen dem Euro-Raum (expansive EZB) und dem USD-Währungsraum (restriktive FED)).


Des Weiteren müssen Sie selbstverständlich die Spread-Kosten für eine Gold-Position berücksichtigen und anfallende Kommissionen.


Fazit: Physische Edelmetallhändler sollten intensiv und ernsthaft über die Absicherung ihrer Edelmetallbestände über "Papier-Positionen" und der resultierenden Währungsrisiken nachdenken. Gold- oder Silber-CFDs bieten hier eine kostengünstige und sehr flexible Möglichkeit. In Verbindung mit einem realen Spot-Währungsprodukt wie dem EUR/USD, ist man für jegliche Kursschwankungen an den globalen Edelmetallmärkten gewappnet.


Im zweiten Teil werfen wir einen Blick auf physische Gold- und Silber-Trader, die planen sich bestimmte Kursniveaus am Markt zu sichern um sich vor steigenden Goldentwicklungen zu schützen. Die Motivation kann zum Beispiel sein, sich tiefe Preisniveaus für viele Jahre zu sichern.