Lasse Gewinner laufen, begrenze Verluste – das Payoff-Ratio im Trading

Aktualisiert: Juni 8


Nachdem wir uns im vergangenen Blog-Artikel der Frage gewidmet haben „Profitabilität im Trading – was ist das?“ und im Mittelpunkt des Artikel die Formel zum Erwartungswert stand, wollen wir uns genau dieser im Folgenden noch einmal etwas detaillierter widmen.


Wie wir im damaligen Artikel herausgestellt haben, lässt sich Profitabilität im Trading zügig und einfach rein mathematisch wie folgt ausdrücken:








Erwartungswert = (Trefferquote * ᴓ Gewinn) – (Verlustquote * ᴓ Verlust) > 0


Das Unterstreichen des durchschnittlichen Gewinns und des durchschnittlichen Verlusts ist an dieser Stelle kein Zufall.


Nicht nur, dass sich über diese zwei Stellschrauben wesentlich die Profitabilität des Tradings beeinflussen lässt und hier die Antwort auf die Frage zu suchen ist, warum langjährig erfolgreiche Trader immer wieder und wieder darauf verweisen Gewinner laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen.


Zudem lässt sich über das Verhältnis dieser beiden Größen das Payoff-Ratios des Handelsansatzes bestimmen:


Payoff-Ratio = (Durchschnittlicher Gewinn) / (Durchschnittlicher Verlust)


In der Tat lässt sich aus dem Payoff-Ratio ein höchst spannender Rückschluss ziehen: es gibt nämlich einen sogenannten antiproportionalen Zusammenhang zwischen dem Risk of Ruin (dem Risiko mit seinem Trading bankrott zu gehen) und dem Payoff-Ratio:



Der Chart zeigt auf, dass die Wahrscheinlichkeit eines 100-prozentigen Drawdowns (bzw. des Erreichens des persönlichen Point of Ruins im Trading) zunächst unabhängig von der Trefferquote oder auch der Anzahl betrachteter Trades mit fallendem Payoff-Ratio signifikant steigt.


Ein Problem


Was sich allerdings auch zeigen lässt: desto höher das Payoff-Ratio, umso niedriger vermutlich die Trefferquote des Handelsansatzes.


Oder etwas anders formuliert: ein hohes Payoff-Ratio im Trading impliziert, dass die durchschnittlichen Gewinner wesentlich größer sind als die durchschnittlichen Verluste.


Wenn man allerdings davon ausgeht, dass jeder jeweils betrachtete bzw. gehandelte Markt eine natürliche Schwankungsbreite hat und es nur in Ausnahmefällen gelingen wird, genau das Hoch bzw. Tief zu verkaufen bzw. zu kaufen, bedeutet das auf der Kehrseite, dass für einen hohen durchschnittlichen Gewinn ein entsprechend starker Trend gegeben sein muss.


Erfahrungsgemäß ist das aber eher selten der Fall, was wiederum bedeutet, dass die Trefferquote in diesem Bereich in Relation zu allen getätigten Trades eher niedrig sein dürfte.


Diese offensichtlich Abhängigkeit von der Trefferquote im Trading ließe sich nun auch etwas plumper formulieren:


Wenn ich ein 10.000-Euro-Handelskonto habe und mein Trading-Kapital in zehn Risiko-Einheiten aufteile (zehn Mal 1.000 Euro) und dann zehn Mal in Folge verliere, kann ich ein phänomenales Payoff-Ratio haben, ich bin dennoch pleite.


Warum ist das Payoff-Ratio dennoch wichtig in der Trading-Praxis?


Schauen wir hierzu auf ein hypothetisches Beispiel:


Strategie 1: in jedem Trade, den wir eingehen, nehmen wir sofort unseren Gewinn von 10 Euro mit, während wir Verluste erst realisieren, wenn sie sich auf 100 Euro belaufen.


Das Payoff-Ratio dieser Herangehensweise beträgt


10 Euro / 100 Euro = 1 : 10


Wenn wir nun einen Verlust erleiden, so brauchen wir 10 Gewinner, um wieder + / - 0 zu sein:

1. Trade Verlust, heißt: –100 Euro


Zehn Gewinn-Trades a 10 Euro in Folge sind nötig, um die verlorenen 100 Euro wieder aufzuholen und +/-0 zu sein.


Strategie 2: In jedem Trade, den wir eingehen, nehmen wir unseren Gewinn erst mit, wenn er 100 Euro beträgt, Verluste werden jedoch konsequent bei 10 Euro realisiert, wenn sie 10 Euro betragen.


Das Payoff-Ratio dieser Herangehensweise beträgt


100 Euro / 10 Euro = 10 : 1


Ergo: wir können zehn Mal in Folge verlieren und mit einem Gewinn-Trade im elften Fall uns schlagartig auf +/-0 katapultieren.


Worum geht es also?


Es geht um eine Sensibilisierung dafür, dass man über die konsequente Begrenzung seiner Verlust-Trades mit einem gut laufenden Trade unterm Strich ein positives Ergebnis erzielen kann.


Fakt ist, dass dein Studium der Märkte früher oder später einen Gewinn-Trade nach sich ziehen wird.


Deine Aufgabe als Trader ist demnach durch deinen klugen Risiko- und Money-Management-Plan dafür zu sorgen, dass du lange genug im Trading-Spiel verweilst, sodass du früher oder später deinen im Trading identifizierten Vorteil auch kapitalisieren kannst.


Falls du Interesse an einer tiefgehenden Lektüre nicht nur zum Thema Risiko- und Money-Management, sondern zudem zum Thema „Das Erstellen einer profitablen Handelsstrategie“ haben solltest, empfehle ich dir mein Buch "Trader – Der Weg zur profitablen Handelsstrategie – in jedem Markt".