Mein erster Trade – was du nicht tun solltest

Aktualisiert: 13. Juni 2020


Der heutige Blog-Artikel soll meine ersten beiden Trades zum Thema haben.


Eventuell fragst du dich, wie ich mich nach so langer Zeit (mehr als 15 Jahre) noch an so viele Details erinnern kann.


Wenn ich ehrlich sein soll, dann weiß ich das selbst nicht so genau.


Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich mit diesen Trades sehr starke Emotionen verbinde, Gefühle, die man einfach nicht vergisst (oder zumindest sehr schwer).


Der Sinn dieser persönlichen Geschichte und dieses Blog-Artikels soll dir im übertragenen Sinne vor allem als Warnung dienen.


Er soll dir zeigen, was du bei deinem ersten Trade NICHT tun solltest und möglichst auch nicht bei deinen folgenden.


Gut, genug der Einleitung, lass uns auf meinen ersten Trade schauen: meinen ersten Trade tätigte ich kurz nach Abschluss meiner Bank-Ausbildung.


Ich habe das Bild noch genau vor mir: ich wohnte noch bei meinen Eltern, mein Bruder saß mit meiner Ex-Freundin in meinem Zimmer auf der Couch, ich an meinem PC und ich sagte zu beiden „Ihr seid meine Zeugen, jetzt LIVE dabei, wie ich meine Karriere an der Börse starte und reich werde!


Meine Karriere an der Börse startete in diesem Moment in der Tat, reich wurde ich allerdings nicht.


Das konntest du dir bestimmt schon denken und hast du an der Formulierung „Ex“-Freundin abgelesen, andernfalls wäre diese heute vermutlich meine Frau. 😊


Was war passiert: nun, ich hatte einen Börsenbrief von einer Webseite erhalten, wo ich mich kurz vorher angemeldet hatte.


In diesem Börsenbrief wurde eine „Kurs-Rakete“ vorgestellt: „Digital Ecosystems“.

Der Börsenbrief pries das Unternehmen und deren Zukunftsaussichten an.


Es war laut des Börsenbriefs nur eine Frage der Zeit, wann sich die Aktie vervielfachen würde, das Kursziel lag bei mindestens 30 Euro was ausgehend von einem aktuellen Aktienkurs um 3 Euro einer Verzehnfachung entsprach.


Neben dem „Research“ des Börsenbriefs betrieb ich zudem noch eigenesResearch“:

ich ließ mir den Namen der Aktie auf der „Zunge zergehen“: Digital Ecosystems.


Digital“ war die Zukunft, so viel stand fest.


Der Neue Markt war zwar krachend zusammengebrochen, aber in einer zweiten Welle war davon auszugehen, dass sich nachhaltige Unternehmen durchsetzen und etablieren dürften.

Apropos „nachhaltig“: „Ecosystems“ oder zu Deutsch: „Ökosystem“.


Das muss doch was Gutes sein: ein Unternehmen, dass auf digitale Ökosysteme spezialisiert ist.


Und ganz so unrealistisch war meine „Visionnicht, googelt man heute „Digital Ecosystem“ erhält man folgende Erklärung:


Ein verteiltes, adaptives, offenes sozio-technisches System mit Eigenschaften der Selbstorganisation, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit, inspiriert von natürlichen Ökosystemen.


Klick“ und schon hatte ich meine ersten 400 Aktien gekauft.


Lange Rede, kurzer Sinn: ich holte mir mit diesem Trade meine erste blutige Nase.


Aber damit nicht genug: meine Nase wurde unnötig blutiger


Wie das? Nun, ich begann einige Wochen später meinen Job als Handelsassistent bei einem großen Börsenmakler.


Ich wurde zwecks Einarbeitung einem sehr erfahrenen Händler zugewiesen, sein Name war Achim.


Achim war mehr als 20 Jahre am Markt, hatte noch den guten alten Parketthandel erlebt und hatte alle Hochs und Tiefs gesehen – bei sich und bei anderen.


Während einer kurzen Pause fragte er mich dann ganz direkt und mit einem schelmischen Grinsen: „Und, wie schauts bei dir aus? Welche Aktien hast du im Portfolio?


Ganz selbstsicher entgegnete: „Digital Ecosystems!“ und begann ihm meine Einschätzung darzulegen.


Achim ließ mich gewähren, hörte sich alles geduldig an und als ich fertig war, meinte er: „Warte mal kurz…


Er stand auf und brüllte einmal quer durch den Handelssaal: „Ey, Kalle, du preist doch D2E, oder?“


Kalle nickte.


Achim darauf weiter: „Wie ist deine Einschätzung?


Kalles Miene verfinsterte sich, er schüttelte mit dem Kopf und es hallte trocken zurück: „An dich!“.


Achim wandte sich wieder zu mir und sagte, ohne eine Miene zu verziehen: „Lass gut sein Jung‘. Stoß den Dreck ab, begrenze deinen Verlust, das gibt nichts…“