Mein erster Trade – was du nicht tun solltest

Aktualisiert: Juni 13


Der heutige Blog-Artikel soll meine ersten beiden Trades zum Thema haben.


Eventuell fragst du dich, wie ich mich nach so langer Zeit (mehr als 15 Jahre) noch an so viele Details erinnern kann.


Wenn ich ehrlich sein soll, dann weiß ich das selbst nicht so genau.


Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich mit diesen Trades sehr starke Emotionen verbinde, Gefühle, die man einfach nicht vergisst (oder zumindest sehr schwer).


Der Sinn dieser persönlichen Geschichte und dieses Blog-Artikels soll dir im übertragenen Sinne vor allem als Warnung dienen.


Er soll dir zeigen, was du bei deinem ersten Trade NICHT tun solltest und möglichst auch nicht bei deinen folgenden.


Gut, genug der Einleitung, lass uns auf meinen ersten Trade schauen: meinen ersten Trade tätigte ich kurz nach Abschluss meiner Bank-Ausbildung.


Ich habe das Bild noch genau vor mir: ich wohnte noch bei meinen Eltern, mein Bruder saß mit meiner Ex-Freundin in meinem Zimmer auf der Couch, ich an meinem PC und ich sagte zu beiden „Ihr seid meine Zeugen, jetzt LIVE dabei, wie ich meine Karriere an der Börse starte und reich werde!


Meine Karriere an der Börse startete in diesem Moment in der Tat, reich wurde ich allerdings nicht.


Das konntest du dir bestimmt schon denken und hast du an der Formulierung „Ex“-Freundin abgelesen, andernfalls wäre diese heute vermutlich meine Frau. 😊


Was war passiert: nun, ich hatte einen Börsenbrief von einer Webseite erhalten, wo ich mich kurz vorher angemeldet hatte.


In diesem Börsenbrief wurde eine „Kurs-Rakete“ vorgestellt: „Digital Ecosystems“.

Der Börsenbrief pries das Unternehmen und deren Zukunftsaussichten an.


Es war laut des Börsenbriefs nur eine Frage der Zeit, wann sich die Aktie vervielfachen würde, das Kursziel lag bei mindestens 30 Euro was ausgehend von einem aktuellen Aktienkurs um 3 Euro einer Verzehnfachung entsprach.


Neben dem „Research“ des Börsenbriefs betrieb ich zudem noch eigenesResearch“:

ich ließ mir den Namen der Aktie auf der „Zunge zergehen“: Digital Ecosystems.


Digital“ war die Zukunft, so viel stand fest.


Der Neue Markt war zwar krachend zusammengebrochen, aber in einer zweiten Welle war davon auszugehen, dass sich nachhaltige Unternehmen durchsetzen und etablieren dürften.

Apropos „nachhaltig“: „Ecosystems“ oder zu Deutsch: „Ökosystem“.


Das muss doch was Gutes sein: ein Unternehmen, dass auf digitale Ökosysteme spezialisiert ist.


Und ganz so unrealistisch war meine „Visionnicht, googelt man heute „Digital Ecosystem“ erhält man folgende Erklärung:


Ein verteiltes, adaptives, offenes sozio-technisches System mit Eigenschaften der Selbstorganisation, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit, inspiriert von natürlichen Ökosystemen.


Klick“ und schon hatte ich meine ersten 400 Aktien gekauft.


Lange Rede, kurzer Sinn: ich holte mir mit diesem Trade meine erste blutige Nase.


Aber damit nicht genug: meine Nase wurde unnötig blutiger


Wie das? Nun, ich begann einige Wochen später meinen Job als Handelsassistent bei einem großen Börsenmakler.


Ich wurde zwecks Einarbeitung einem sehr erfahrenen Händler zugewiesen, sein Name war Achim.


Achim war mehr als 20 Jahre am Markt, hatte noch den guten alten Parketthandel erlebt und hatte alle Hochs und Tiefs gesehen – bei sich und bei anderen.


Während einer kurzen Pause fragte er mich dann ganz direkt und mit einem schelmischen Grinsen: „Und, wie schauts bei dir aus? Welche Aktien hast du im Portfolio?


Ganz selbstsicher entgegnete: „Digital Ecosystems!“ und begann ihm meine Einschätzung darzulegen.


Achim ließ mich gewähren, hörte sich alles geduldig an und als ich fertig war, meinte er: „Warte mal kurz…


Er stand auf und brüllte einmal quer durch den Handelssaal: „Ey, Kalle, du preist doch D2E, oder?“


Kalle nickte.


Achim darauf weiter: „Wie ist deine Einschätzung?


Kalles Miene verfinsterte sich, er schüttelte mit dem Kopf und es hallte trocken zurück: „An dich!“.


Achim wandte sich wieder zu mir und sagte, ohne eine Miene zu verziehen: „Lass gut sein Jung‘. Stoß den Dreck ab, begrenze deinen Verlust, das gibt nichts…“


Es ist schwierig das Gefühl in meiner Bauchgegend zu beschreiben, aber es war kein Schönes.


Aber es ging interessanterweise nicht um Geld oder zumindest nur sekundär.


Es ging ja nicht um viel. Zwar hatte die Aktie innerhalb kürzester Zeit vom Einstieg nahezu 25% verloren, ich lag etwa 250, 300 Euro hinten. Für mich als Student sicherlich viel Geld, aber nichts weltbewegendes.


Viel mehr nagte dieses Erlebnis an meinem Ego und das ich vor alten Hase wie Achim oder auch Kalle als „Loser“ da stand (zumindest in meiner eigenen Wahrnehmung).


Das zu akzeptieren, war nicht nur schwer, es war unmöglich und demnach hielt ich die Aktie noch ein paar Wochen, schließlich konnten sich Achim und Kalle ja auch irren.


Oder vielleicht wollten die testen, ob ich auch die Eier hätte, den Trade durch zu ziehen.


Genau: es war bestimmt ein Test!


Woher wollte Achim denn wissen, dass ich auf einem schwebenden Verlust sitze? Das hatte ich ihm nicht erzählt und mein Poker-Face ist legendär und unlesbar!


Tja, Kalle und Achim wollten tatsächlich nur mein Bestes – und das war nicht mein Geld, sondern mein Wohlbefinden.


Sie irrten sich nicht und ich stieß meine Position schlussendlich mit 500 Euro Verlust oder etwa -50% ab.


Aber falls du nun glaubst, dass ich meine private Trading-Karriere dort beendete und nur noch rein beruflich handelte, dann irrst du dich.


Ich hatte Blut geleckt, mein Ego ließ keinen Rückschlag zu.


Ich kam zu der Erkenntnis, dass „Investmentsnichts für mich waren, ich brauchte etwas aktiveres, schnelleres, dynamischeres. Etwas was mehr Gewinn versprach und wie ich meinen Verlust schnurstracks in einen massiven Gewinn verwandeln könnte.


Schon bald sollte ich herausfinden, was das war…


Nach einigen Wochen Einarbeitung unter Achim wurde ich dann meinem festen Arbeitsplatz zugewiesen. Einer meiner dortigen Kollegen und Trader unter welchen ich handeln würde, war Claudius.


Claudius und ich verstanden uns gut und wir verbrachten häufig den Abendhandel miteinander.


Claudius hatte zuvor bei einem großen Bankhaus im Eigenhandel gehandelt und die tiefen Falten und Augenringe, die nie wirklich verschwanden, spiegelten wohl die großen Schwankungen in seiner damaligen PnL wider, den massiven Stress, den er erlebt, aber auch bei anderen Tradern gesehen haben musste.


Claudius führte mich in den CFD-Handel ein, meinte, dass das für jemanden wie mich als Student und mit kleinerem Handelskonto genau das Richtige sei, besonders im Hinblick darauf, dass ich mir meine ersten Sporen im aktiven Eigenhandel verdienen wollte.


Die Vorteile für den CFD-Handel im Vergleich zu anderen Hebelprodukten wie Optionsscheinen oder Zertifikaten sind vor allem, dass es sich um das transparentere Produkt handelt.


Es sind keine zusätzlichen Betrachtungen nötig, man musste sich nicht Fragen stellen, ob der Schein vielleicht ausgehend von der Volatilität zu teuer gepreist ist oder dergleichen.


Der CFD bildete nahezu 1 zu 1 den Preis des Referenzprodukts an der Börse ab und ich konnte mich vollends aufs Trading konzentrieren.


Wenige Tage später (damals gab es noch kein Face ID-Verfahren wie bei den heutigen Brokern, sodass innerhalb weniger Minuten eine Kontoeröffnung möglich ist) war mein erstes CFD-Konto eröffnet und kapitalisiert.


Und ich lernte: ausgehend von meinem ersten Aktien-Trade und meinem eher „mauen“ Research, war ich dieses Mal besser vorbereitet.


Ich hatte in der Zwischenzeit zwei Börsenbücher gelesen („Technische Analyse der Finanzmärkte“ von John J. Murphy und „Candlesticks“ von Steve Nison), mich mit meinen erfahrenen Händler-Kollegen ausgetauscht und ein paar Tipps und Tricks geholt und eines Tages war es dann soweit: mein „perfekterTrade bahnte sich an.



Der Tag war bis dahin bereits optimal gelaufen: ich hatte einen guten Tag für meinen Arbeitgeber, mehrere meiner Kollegen klopften mir auf die Schulter und sogar mein Senior-Händler hatte ein paar lobende Worte für mich übrig.


Ich fühlte mich großartig, nahezu „unverwundbar“.


Ich weiß es noch wie als wenn es gestern war: es war ein Mittwoch und die Rohöllagerbestände standen kurz vor der Veröffentlichung.


Der Chart auf 15min-Basis war eindeutig: eine Long-Sequenz, die sich aktuell in einer Korrektur befand. Im Bereich ehemaliger Hochs und einer möglichen Unterstützung hatte sich eine Stabilisierung angebahnt. Der MACD befand sich immer noch in bullishem Territorium, der RSI(14) zeigte eine überverkaufte Tendenz an. Der EMA(20) handelte oberhalb des EMA(50).


Es heißt: „Der Preis diskontiert alles.“ oder anders: sämtliche Informationen sind im Chart bereits enthalten.


Das Setup war klar Long, offensichtlich bereitete sich der Markt auf einen für den Öl-Kurs positiven Datensatz vor.


Zwar hatte ich zuvor noch nie WTI gehandelt, aber ich wusste um die teilweise brutalen Bewegungen im Öl-Markt.


Und ausgehend von meiner Top-Analyse war die FrageWas kann schon schief gehen?“ eher rhetorischer Natur, also: ich ging mit einem substantiellen Betrag Long, der Handel auf Margin ließ dies ja zu.


Während ich mir zwar sicher war, dass nichts schief gehen konnte, hatte ich dennoch schweiß-nasse Hände, beruhigte mich aber, sagte mir: „Du hattest einen Super-Tag, jetzt folgt die Krönung und du löst das Ticket fürs Trader-Paradies…


Der Datensatz wird um 16 Uhr veröffentlicht und…


Mir trat der Schock in die Glieder, ich war wie paralysiert: der WTI-Preis brach ein, innerhalb weniger Sekunden waren fast 20% meines Kontos verloren


Wir wollen an dieser Stelle die Aufbereitung meines persönlichen „Knacks“, den mir dieser Trade verpasst auslassen.


Stattdessen wollen wir uns an eine Blog-Artikel Reihe aus dem vergangenen Jahr erinnern: „7 Eigenschaften unprofitabler Trader“.


Während ich nicht alle Fehler unprofitabler Trader in meinen ersten beiden Trades machte, so sind es mindestens drei.


Meine Top3 der Dinge, die du bei deinem ersten Trade vermeiden solltest


1) Habe keine unrealistische Erwartungshaltung

Was ich über die Jahre gelernt habe ist, dass Trading kein Sprint ist, sondern ein Marathon.

Es gibt sicherlich Trades, die das Konto vervielfachen können – aber diese Trades kommen nicht oft vor, sind in der Tat sehr selten.

Es ist wichtig, dass du dir das immer wieder und wieder ins Gedächtnis rufst, denn: wenn du eine unrealistische Erwartungshaltung für deine Trades, aber auch dein Trading generell hast, besonders zu Beginn, und diese Erwartungshaltung wird enttäuscht, kann das für das Handelskonto sehr unangenehme Folgen haben, zum Beispiel in Revenge-Trading oder eben auch Ego-Trading münden…

2) Lasse dein Ego aus dem Spiel

Diese Aussage findet ihren Ursprung im Dunning-Kruger-Effekt, den man auch beschreiben könnte mit der Aussage:

Ich weiß nicht, dass ich nichts weiß – und halte mich gerade deshalb für unglaublich kompetent.

Jemand der sich in diesem Stadium befindet, hat weder verstanden, worum es beim Trading geht, noch hat erkannt, wo seine Defizite liegen.

Aber dadurch, dass er sich dieser Unwissenheit nicht im Klaren ist, hat er auch keine Vorstellung von der harten, teilweise unmenschlichen Arbeit, die mit langfristiger Profitabilität im Trading Hand in Hand gehen, wie wichtig zum Beispiel auch ein guter Risiko-Money-Management-Plan ist und ist beratungsresistent.

3) Kenne deine persönliche Risiko-Toleranz und handle nur mit Geld, dessen Verlust du dir auch leisten kannst

Viele Anfänger scheitern an zu großen Positionen und Risiken die sie eingehen, die gar nicht ihre persönliche Risikoneigung widerspiegeln.

Die hieraus resultierenden Verluste können so groß sein, dass sie den Trader mental „brechen“ und dieser seine Trading-Karriere bereits beendet sieht, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Abschließend:

Trading lernt man nicht durch Zuhören oder lesen. Man lernt diese Eigenschaften durch aktives Handeln.

Daher würde ich auf jeden Fall empfehlen mindestens mit einem Demo-Konto zu beginnen, um anhand von realen Trades unter realen Marktbedingungen den stückweisen Fortschritt bei sich selbst zu spüren.

Ein solches Demo-Konto kann man sich zum Beispiel bei Admiral Markets HIER herunterladen.


Ausgehend von verschiedenen Lern-Typen, findet sich dieser Blog-Artikel im Folgenden übrigens auch noch einmal als Podcast gemeinsam mit Admiral Markets:



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