Das Trading Journal oder: von der Angst messbar zu sein


Ich will gleich zu Beginn dieses letzten Blog-Artikels in unserer Serie die „7 Eigenschaften unprofitabler Trader“ mit der Tür ins Haus fallen:


einer der Hauptgründe für die Unprofitabilität im Trading ist das Nicht-Führen eines Trading Journals.




Erfahrungsgemäß ist einer der Hauptgründe, warum sich Trader vor dem Führen eines Trading Journals sträuben jener, dass das Niederschreiben der Handelsergebnisse dafür sorgt, dass man „messbar“ wird, sprich:


Misserfolg würde einem ungeschönt vor Augen geführt und man müsste sich eingestehen, dass das Trading nicht so läuft, wie gewünscht (auch hier erkennt man, dass einem sein Ego auf dem Weg zur Profitabilität im Trading offenbar ein Hindernis darstellt), ergo:


Unprofitable Trader führen kein Trading Journal


In der Vergangenheit verwies ich einige meiner Studenten auf die Wichtigkeit ihr Trading ganz sauber und penibel zu dokumentieren.


Mit zunehmender Technologisierung und dem Umstand, dass viele Handelsplattformen mittlerweile ein integriertes Trading Journal mitbringen, haben einige dieser Studenten, nachvollziehbar, argumentiert, dass sie sich doch nicht die ganze Mühe mit dem Aufschreiben ihrer Trades machen müssen, wenn das doch alles automatisiert von statten geht.


Man kann sich hier doch dann viel mehr aufs wesentliche konzentrieren, das Trading selbst.


Grundsätzlich ist diese Argumentation nachvollziehbar.


Erfahrungsgemäß birgt sie nur ein kleines Problem: es findet zwar eine Dokumentation durch die Plattform statt, aber anschließend keine Auswertung durch den Trader.


Und genau diese nicht-stattfindende Nachbereitung (in der Schule spricht man bekanntermaßen von Hausaufgaben), macht es unmöglich Prozess-orientiert zu arbeiten.


Viele unprofitable Trader sind ergebnisorientiert, sprich: sie blicken auf das einzelne Trade-Ergebnis und beurteilen dieses nach dem Ausgang:


  • Gewinn --> guter Trade!

  • Verlust --> schlechter Trade


Dass das aber unzureichend ist, ist dir nach bisheriger Lektüre dieser Blog-Artikel klar:


selbst ein im Einklang mit unserer profitablen Handelsstrategie stehender Trade, kann ein Verlierer sein.


Genauso kann ein absolut katastrophaler Trade (z.B. ein ohne Stop gegen den Trend aufgebauter Trade, bei welchem anschließend in den Verlust eine Pyramide gebaut wird) ein positives Ergebnis nach sich ziehen, obwohl er rein technisch betrachtet nur schlecht ist und du an jedem Trading Desk dieser Welt sofort deine Papiere holen dürftest.


Ein profitabler Trader, der ein penibles Trading Journal führt und Prozess-orientiert, basierend auf einem klaren Regelwerk agiert, unterteilt seine Trades wie folgt:


  • Regelwerk eingehalten --> Gewinn --> guter Trade!

  • Regelwerk eingehalten --> Verlust --> guter Trade! (wenn auch auf der falschen Seite der Varianz aufgewacht…)

  • Regelwerk nicht eingehalten --> Gewinn --> Glück gehabt, sieh' dich beim nächsten Mal besser vor…

  • Regelwerk nicht eingehalten --> Verlust --> Geschieht dir ganz recht!


Daraus ergibt sich, dass über eine klare Dokumentation deines Tradings in einem Trading Journal, der weit über das Dokumentieren bloßer Ein-/Ausstiege, des Risikos des Trades, usw. hinaus geht, die Basis profitablen Tradings ist.


Das bedeutet etwas konkreter, dass dein Trading Journal zum Beispiel auch Aspekte umfassen sollte wie z.B. dein Befinden („Fühl ich mich gut/schlecht?“; wenn ich mich gut fühle: „Warum fühle ich mich gut?“ bzw. „Was habe ich getan, um mich gut zu fühlen?“), ob du einen täglichen Tagesablaufplan eingehalten hast, ob du beim Trading durch irgendwelche Gründe unter Stress gestanden hast oder nicht, usw.


Eine solche penible, saubere Dokumentation deines Tradings in einem Journal ermöglicht dir dann z.B. Filter über dein Trading zu legen.


  • Hiernach dokumentierst du deine Trades klassisch ohne Filter.

  • Anschließend legst du einen Filter über dein Ergebnis und lässt alle Trades aus der Betrachtung raus, wo du dich z.B. nicht gut gefühlt haben

  • Ist das Handelsergebnis dann besser, handelst du in Zukunft bspw. mit reduzierter Positionsgröße oder gar nicht, wenn du dich wie von dir definiert, schlecht fühlst

Was hierbei offenbar wird: es ist wichtig zu wissen, wie das ist wenn man sich gut bzw. schlecht fühlt (hierbei hilft dir beispielsweise ein individualisiertes Trading-psychologisches Profil weiter)

Und es ist auch wichtig zu wissen, wie man den Zustand eines guten Gefühls bzw. du den Zustand deiner Zone erreichst.


Das ist für den langfristigen Erfolg deines Tradings nicht nur essentiell, sondern nur möglich, wenn du dein Trading penibel, genau in einem Trading Journal dokumentierst.


Dir hat die Blog-Artikelserie zu den „7 Eigenschaften unprofitabler Trader“ gefallen?


Für ein Feedback zum obigen Artikel oder auch zur kompletten Serie, sende gerne E-Mail an jklatt@jk-trading.com