Scholz'scher Steuerirrsinn - das Ende für private Trader?


Am 12. Dezember 2019 wurde im deutschen Bundestag heimlich, still und leise eine kleine Änderung des Paragraphen 20 im Einkommenssteuergesetz beschlossen – eine Änderung, die dramatische Konsequenzen für private Trader hat und in der Tat sogar Millionen von Sparern und privat Vorsorgenden betrifft.


Ich wollte mich in diesem Zusammenhang eigentlich bedeckt halten.


Der Grund ist, dass Steuern bzw. Steuerfragen abhängig von der persönlichen Steuersituation mit dem Steuerberater besprochen und geklärt werden sollten.

Durch diverse Rückfragen allerdings, sowohl im Morning Meeting, als aber auch via Mail, habe ich mich aus gegebenem Anlass dazu entschieden einen Blog-Artikel zu diesem Thema zu schreiben,

  • die wichtigsten Punkte aus diesem Beschluss für private Trader herauszustellen,

  • steuerliche Konsequenzen knapp zu beleuchten,

  • mögliche juristische Angriffspunkte durch mögliche Verstöße bspw. gegen unser Grundgesetz, aber auch

  • eine grobe Idee zu formulieren, wie man als privater Trader reagieren könnte.

Worum geht es?


Es geht um die Drucksache 649/19 des Bundestags, beschlossen am 12. Dezember 2019.


Konkret geht es um einen kurzen Artikel auf Seite 15, Überschrift: „Änderung des Einkommensteuergesetzes“.

Er besagt, dass ab 2021 Privatanleger Verluste aus Kapitalvermögen bei Termingeschäften (Futures, Optionen, Zertifikate, Optionsscheine, CFDs) nur noch in Höhe von maximal 10.000 Euro mit Einkünften aus Termingeschäften oder Stillhalteprämien verrechnet werden dürfen.


Das bedeutet konkret:


  • Gehen wir von einem privaten Trader aus, der im Laufe eines Jahres Gewinn-Trades im Gegenwert von 100.000 Euro und Verlust-Trades im Gegenwert von 80.000 Euro hat.

  • Unterm Strich bleibt nach alter Gesetzgebung ein zu versteuernder Gewinn von 100.000 Euro – 80.000 Euro = 20.000 Euro

  • 25% Kapitalertragssteuer (ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) auf 20.000 Euro macht 5.000 Euro zu zahlende Steuern.

  • Nach neuer Gesetzgebung entstehen zwar 100.000 Euro Gewinn. Aber Verluste dürfen nur noch in maximaler Höhe von 10.000 Euro gegengerechnet werden, bleibt nach neuer Gesetzgebung ein zu versteuernder Gewinn von: 100.000 Euro – 10.000 Euro = 90.000 Euro.

  • 25% Kapitalertragssteuer (ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) auf 90.000 Euro macht 22.500 Euro zu zahlende Steuern – mehr als überhaupt an Gewinn aufgelaufen ist!

Die Begründung dieser Änderung wird vom Bundesfinanzministerium mit dem hochspekulativen Naturell von Termingeschäften geliefert.


Der Welt am Sonntag antwortete das Bundesfinanzministerium:


„Verluste aus Termingeschäften werden deshalb in einem besonderen Verlustverrechnungskreis berücksichtigt, um das Investitionsvolumen und die daraus für Anleger entstehenden Verlustrisiken aus diesen spekulativen Anlagen zu begrenzen.“


Es sind aber nicht nur private Trader betroffen, sondern auch Millionen von Sparern


Besonders nach der Finanzkrise findet bekannterweise eine regelrechte Hetzjagd auf Spekulanten und Trader statt.


Die Stimmung und der einem entgegenschlagende gesellschaftliche Unmut, wenn man sich als „Trader“ oder „Spekulant“ zu erkennen gibt ist mittlerweile derart ausgeprägt, dass ich mich in Gesprächen und bei Fragen zu meinem Beruf in Generalisierungen ala „Ich mache was mit Finanzen…“ – „Ah, Versicherungen?“ – „Ja, sowas ähnliches…“ wiederfinde und versuche das Gespräch möglichst schnell auf ein anderes Thema zu lenken.


Infolgedessen werden sich einige Menschen und klassische Sparer bzw. privat fürs Alter Vorsorgende vielleicht sagen „Geschieht den Zockern ganz recht!“ und sich eventuell gar nicht betroffen sehen, wer hat schon fünfstellige Gewinne bzw. Verluste aus Termingeschäften...?


Aber nicht so schnell: auch klassische Sparer sind betroffen!

Hierzu stelle man sich einmal einen Anleger vor, der über Jahre via eines ETF-Sarplans ein solides, konservatives Aktien-Portfolio von 100.000 Euro aufgebaut hat.


Infolge der aktuellen Unsicherheiten rund um den Brexit, Donald Trump im Weißen Haus, globaler Handelskonflikte oder einfach nur begründeter Rezessionsängste, entscheidet sich dieser Anleger sein Portfolio abzusichern.


Das geschieht, indem er einen „Versicherungsschein“ namens „Put-Option“ erwirbt.


Rein hypothetisch kaufe unser Anleger durch seinen versierten Bank-Berater und dank seines entsprechenden Anlegerprofils Put-Optionen im Gegenwert von 20.000 Euro.


Seine Sorgen eines Crashs und Verluste in seinem Portfolio stellen sich als (zunächst...) unbegründet heraus.


Die FED in den USA und die EZB hier in Europa fluten die globalen Finanzmärkte mit zig Milliarden US-Dollar und Euro pro Tag, drücken die Zinsen in den Null- und Negativbereich und sorgen dafür, dass die Aktien-Positionen unseres Anlegers um 20.000 Euro steigen, aber die Put-Optionen im Gegenwert von 20.000 Euro wertlos verfallen.


Unterm Strich handelt es sich um ein Nullsummengeschäft, es fallen also keine Steuern an – bis jetzt!