Meine schönsten (und schlimmsten) Stopp Loss Erlebnisse


Der heutige Blog-Artikel soll sich der Schönheit des Stop Loss widmen.


Im ersten Moment wirst du nun eventuell schmunzeln und dich fragen: „Wie kann denn bitte ein Stop Loss/Stop Out schön sein?


Aber dazu kommen wir etwas später.


Zunächst einmal: der Stop Loss it im Trading mein bester Freund. Wie auch mit besten Freunden im wirklichen Leben, kann man sich auf diesen 100% verlassen.


Er gibt uns ehrlich und ungefiltert Rückmeldung, wenn wir falsch liegen. Dennoch bleibt er unser Freund.


Wenn man so möchte, könnte man einen Stop Loss als Frage an den gehandelten Markt interpretieren, wonach die Frage lautet: „Bist du, lieber Markt, Long/Short?


Ist die Antwort auf diese Frage „Nein“, dann werde ich ausgestoppt und muss auf meine nächste Gelegenheit warten.


Grundsätzlich kann mir hier bereits erkennen, was ein Stop Loss leisten sollte:


Ein guter Stop Loss sollte mir zeigen, ob zum Beispiel meine Long-Einschätzung richtig oder falsch ist.


Ist sie falsch, dann sollte meine Trade-Hypothese, wonach ich davon ausgehe, dass der jeweilige Markt steigen sollte, mit dem Auslösen des Stop Loss, nicht mehr gegeben sein.


Das kann auf verschiedene Weise geschehen:


  • Markttechnisch agierende Trader fragen, im Falle einer Long-Hypothese, zum Beispiel:

Wann ist die Sequenz steigender Hochs und Tiefs nicht mehr gegeben?

Das wäre der Fall, wenn das letzte relative Tief innerhalb der gehandelten Zeitebene

und der Long-Sequenz gebrochen würde.


  • Im Aktienbereich könnte ein Aktien-Daytrader zum Beispiel ausgehend vom volumengewichteten Durchschnittspreis (auch bekannt als VWAP) sagen:

Wenn wir VWAP um 15 – 20% der ATR (diese hatten wir in einem früheren Blog-Artikel

zum Thema „Volatilität“ eingeführt, die Average True Range) unterschreiten, dann ist

mein „Intraday-Long-Biasnicht mehr gegeben und ich sollte bei Long-Trades

vorsichtig sein.


  • Scalper arbeiten eventuell mit einem EMA(9), sagen:

Wenn sich das kurzfristige Momentum, was ich plane zu scalpen, abschwächt und sich

eine Veränderung in der Dynamik abzeichnet, bin ich aus dem Trade raus, wenn der

EMA vom Markt bzw. der nächsten Kerze gekreuzt wird.


Was man bereits erkennt: der Fantasie bzw. des gefolgten Stop-Loss-Systems, was der jeweilige Trader für sich wählt, sind tatsächlich keine Grenzen gesetzt und dieses hängt ganz wesentlich vom gehandelten Ansatz ab.


Wer über diese beiden Begrifflichkeiten „Stop-Loss-System“ und „gehandelter Ansatz“ ein wenig nachdenkt, dem wird klar:


Um einen vernünftigen Stop Loss setzen zu können, muss ich erstmal wissen, was ich überhaupt handle, welcher Trading-Ansatz „mein Ansatz“ ist.


Nun, das führt uns zum tatsächlich einzigen, aber einschneidenden Stop Loss-Ereignis in meiner damals noch sehr jungen Trading-Laufbahn.


Wie du ja eventuell weißt, begann meine Laufbahn an der Börse an einem professionellen Trading-Desk bei einem großen Börsenmakler.


Natürlich hatte ich auch ein privates Handelskonto ausgehend von einer Empfehlung eines erfahrenen Börsenhändlers, der schon zig Jahre am Markt gehandelt hatte, sei es als Kursmakler oder zuvor als Prop Trader bei einer großen deutschen Bank, um mir meine ersten Sporen im Trading zu verdienen (eine seiner, immer noch in meinem Ohr klingenden Trading-Weisheiten war, dass nichts über das Trading seines eigenen, echten Geldes um die mit dem Trading verbundenen Emotionen und Gefühlsschwankungen zu erleben, geht).

Tatsächlich empfahl er mir, mit damals kürzlich mehr und mehr in Deutschland Zulauf sehenden CFDs zu beginnen.


Er meinte, dass diese eine gute Möglichkeit böten, sein Trading zu skalieren und seien auch etwas für den kleinen Geldbeutel eines Trading-Neulings und Studenten.


Nun, ich erinnere mich sehr genau an einen Tag, als ich einen wirklich guten Tag für meinen Arbeitgeber hatte und mehrere Leute (einschließlich meines Senior-Händlers) mir auf die Schulter klopften und meinten: „Nicht schlecht für einen Frischling.


Das war für mich ein Ritterschlag und ich dachte: "Du bist der Mann!"


Ich weiß auch noch genau den Tag: es war ein Mittwoch und er war kurz vor Veröffentlichung der Rohöllagerbestände.


Meine Schicht war eigentlich um 16 Uhr vorbei, aber ich entschied mich etwas länger zu bleiben und meinen „Rückenwind“ in einer Trade-Idee in meinem privaten Konto voll auszunutzen…


Mit meinen frisch erworbenen Kenntnissen kam ich zügig zu einer Einschätzung und dachte mir:


Crude Oil/WTI kann mega-volatil auf die News reagieren, das hast du schon häufiger beobachtet. Du hattest einen großartigen Tag und aktuell einfach einen Lauf. Auf geht’s, jetzt kannst du dein Ticket für den Trader-Himmel ziehen…“


Ausgehend von meiner „Analyse“ ging ich in Erwartung eines steigenden Ölpreises eine viel zu große Long-Position ein - und wurde auf dem falschen Fuß erwischt


Ich verlor innerhalb von Sekunden fast 20% meines Kontos, was für mich damals einer Monatsmiete entsprach…


Ich war wie gelähmt, mein Magen zog sich zusammen und ich dachte:


„Einmal Trader-Himmel und wieder zurück – direkt in die Hölle…“


Nun wirst du dir vielleicht denken: „Von Stop Loss habe ich bis hier noch nicht viel gelesen…“


Stimmt, den gab es nämlich nicht!


Ich hatte weder einen Plan, noch konkrete, belastbare Statistiken, ausgehend von denen ich meinen Plan aufsetzte.


Keine Idee, wo meine Hypothese nicht mehr gegeben war, wo demnach mein Stop hätte liegen sollen.


Was ich dafür hatte war ein großes Ego und eine noch größere Position.


Tatsächlich war der fehlende Stop Loss vielleicht mein größtes Glück.


Der fehlende Stop Loss, der bei näherer Betrachtung einfach eine Absage an unsere ursprüngliche Trade-Hypothese ist, machte mir nach längerem Nachdenken klar, das mit diesem dein Erfolg als Trader steht und fällt.


Aus diesem Fehlen des Stopps und dem damit verbundenen Verlust-Schmerz und den Emotionen formulierte ich einen Plan, wie ich diese Emotionen in meinem Trading und somit den Umgang mit dem Stop Out zu einer meiner heutigen, größten Trading-Stärken habe verwandeln können.


Tatsächlich geht das soweit, dass ich mit dem Auslösen meines Stop Loss mittlerweile kaum bis gar keine Emotionen verbinde.


Nicht, dass ich mich nicht auch über Verlustserien ärgern würde: es gibt immer wieder Phasen, in denen meine Trades hintereinander ausgestoppt - und eventuell geht es dir genauso und du denkst: “Das ist doch nicht normal…”


Aber, ich kann dich beruhigen: ist es…


20 Stop Outs in Folge in meinem Trading


Mal etwas deutlicher: Ich habe mal in einem von mir rein automatisierten Handelsansatz mit einer verhältnismäßig hohen Handelsfrequenz von bis zu 5 Trades pro Tag, 20 Verlust-Trades bzw. Stop Outs hintereinander gehabt.


Dass mich das weder den Verstand noch mein Konto gekostet hat, ich den Ansatz weiter habe verhältnismäßig unemotional habe weiter handeln können und tatsächlich sogar kurze Zeit später habe neue Kapitalkurvenhochs in meinem Konto zu sehen bekam ist darauf zurückzuführen, dass ich die Stop Outs entsprechend habe einordnen können.


Wenn ich die Kern-Parameter meines Handelsansatzes kenne (sprich: Trefferquote und Payoff-Ratio), kann ich zum Beispiel mit Monte-Carlo-Simulationen Kapitalkurven simulieren, aber zum Beispiel auch sehen, wie lange Verlustserien andauern.


Naja, und bei einer Trefferquote von historisch 46% schaffst du es in 500 simulierten Trades recht zügig eine solche Verlustserie von 20 Trades zu sehen zu bekommen.


Da du aber nur weißt, das eine solche Serie früher oder später auftritt (genauso wie auch eine Gewinn-Serie von 10 und mehr Trades…), aber eben nicht wann, ist deine einzige Möglichkeit, durch ein solides Risiko- und Positionsgrößen-Management gegenzusteuern.


Das Gleiche gilt auch für andere “Stop-Loss-Erlebnisse”, wie zum Beispiel:


du wirst punktgenau ausgestoppt nur um anschließend zu sehen, dass der Markt punktgenau dreht und sogar noch in deinen ursprünglich in den Markt gelegten Take Profit läuft - nur ohne dich, da dein Trade bereits ausgestoppt wurde.


Hier die Ruhe zu bewahren, sich nicht von seinen Emotionen übermannen zu lassen, auch den Glauben an sich und seine Fähigkeiten als Trader oder die weitergegebene Profitabilität in den Handelsansatz nicht zu verlieren ist weder leicht noch angenehm.


Das führt uns zu einem wichtigen Thema, wenn wir von Stop Loss bzw. Stop Outs sprechen - Emotionen.


Emotionen beim Stop Out – wie kann man damit umgehen?


Ob es nun ein einschneidendes Erlebnis rund um einen fehlenden Stop Loss in WTI oder eine Reihe von Stop Outs benötigt, vielleicht auch knapper Stop Outs, nur um zu sehen, dass der Markt kurz danach in die ursprüngliche Richtung läuft, ist eigentlich völlig egal.

Emotionen sind in diesem Zusammenhang vorprogrammiert, doch eins steht außer Frage:


desto länger wir im Trading-Business unterwegs sind, umso eher verstehen wir, dass sich Verlust-Trades im Trading unter keinen Umständen vermeiden lassen werden.


Während aber sowohl profitable als auch unprofitable Trader Verluste in ihrem Trading haben, trennt sich die Spreu vom Weizen beim Umgang mit diesen Verlusten und erreichten Stop Loss-Marken.


Also nicht, dass es hier zu Missverständnissen kommt:


es ist keineswegs so, dass profitable, erfolgreiche Trader keinen Verlust-Schmerz haben oder die klassische Verlust-Aversion nicht hätten (also das Bedürfnis, Gewinne schnell mitzunehmen und Verluste laufen zu lassen, in der Hoffnung, dass der Markt schon noch drehen wird – YouTube Tutorial).


Nein, das ist zutiefst menschlich und auch erfolgreiche Trader sind vor diesen Gefühlen nicht gefeit.


Aber um den Verlust-Schmerz in den Griff zu bekommen, bedienen sich erfolgreiche, profitable Trader eines Tricks, den man als „Trader-Selbstgespräch“ bezeichnen könnte.


Profitable Trader führen Selbstgespräche?


Ja. 😊


Solche Selbstgespräche können sehr Facetten-reich sein, im Falle von Verlusten ist das eine Art Mantra, das man sich auf einen kleinen Zettel schreibt, welchen man sich neben den Rechner legt und den man laut vorliest, sollten zum Beispiel Emotionen im Zusammenhang mit einem frisch aufgetretenen Stop-Loss aufkommen.


Einer meiner Trading-Glaubensgrundsätze in Bezug auf Stop Outs lautet zum Beispiel:


Verluste sind Teil des Trading-Business. Ich weiß, dass mein gehandelter Ansatz profitabel ist und einen positiven Erwartungswert verspricht, trotz zu erleidender Verluste.

Diese Verluste sind der Preis für meine nächste Trading-Chance.

Durch mein solides und gut durchdachtes Risiko- und Money-Management weiß ich, dass mein Risk of Ruin, also mein Risiko bankrott zu gehen, 0 ist.

Hierdurch ist gewährleistet, dass ich trotz Verlusten lange genug im Trading-Spiel bleibe, um langfristig und nach einer Vielzahl von Trades meinen positiven Erwartungswert zu realisieren und mit meinem Trading unterm Strich Geld zu verdienen.

Rückblickend auf mein Buch „Trader, ist dieses Aufsagen des Mantras im Falle eines Verlust-Trades im übertragenen Sinne dem Induzieren rationalen Denkens, also so einer Art „Kupplung treten beim Auto fahren, um den Motor vom Getriebe zu trennen und in den nächsten Gang zu schalten.“


Unterm Strich bleibt, durch das immer wieder und wieder ganz natürlich Auftreten von Verlust-Trades, dass das stete Wiederholen dieses Mantras für ein Erreichen der unbewussten Kompetenz und somit dem Akzeptieren von Verlust-Trades als vollkommen natürlich sorgt.


Anknüpfend an den Blog-Artikel „Bauchgefühle im Trading, ist die Idee hinter diesem Prozess die Gleiche, nur, dass wir im Falle von ausgelösten Stop Loss-Orders (unserem Auslösereiz oder Trigger), unser Mantra aufsagen (die ausgeführte Aktion) und als Belohnung, Ruhe in unser Trading bekommen und Stop Outs etwas ganz Natürliches werden.


Wir machen also aus einer „Routine“ (also: ausgestoppt zu werden) für uns als Trader eine Gewohnheit und dadurch aus einem Stop Loss etwas Natürliches.


Dieser Blog-Artikel findet sich auch noch einmal in einem Podcast gemeinsam mit Admiral Markets, am Ende mit einer Anekdote eines „glücklichen Stop Outs“ eines institutionellen Traders, dem nach seinem Verlust tatsächlich das Grinsen ins Gesicht gemeißelt schien:



Um den Umgang mit Emotionen im Zusammengang mit Stop Losses zu erfahren, bietet es sich an zunächst mit einem Demo-Konto zu beginnen. Ein solches Demo-Konto kann man sich zum Beispiel bei Admiral Markets HIER herunterladen.


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