Warum die meisten Trading-Coaches und ihre Ausbildungen nichts taugen

Im Laufe der vergangenen Jahre haben Trading-Ausbildungen und -Coaches einen regelrechten Boom gesehen.


Schaut man sich allerdings die jüngsten Statistiken hinsichtlich der Profitabilität von Privatanlegern nach der ESMA-Entscheidung und mit dieser einhergehender Hebel-Reduktion an, hat weder die Hebel-Restriktion, noch das umfangreiche Ausbildungsangebot für Trader, zur Steigerung der Profitabilität von Privatanlegern beigetragen.


Dieser Blog-Artikel soll sich den mich bewegenden Fragen widmen:


  • Warum sind die meisten Privatanleger auch weiterhin nicht profitabel?

  • Auf welche Probleme treffen Trading-Coaches grundsätzlich?

  • Welche Änderungen würden eventuell Verbesserungen bringen?


Kommen wir zur ersten Frage:


Warum sind die meisten Privatanleger auch weiterhin nicht profitabel?


Eine der Kern-Thesen meines Buchs „Trader – Der Weg zur profitablen Handelsstrategie – in jedem Markt“ ist, dass Trading für die meisten Privatanleger 90-90-90 bedeutet:


„90% der Privatanleger verlieren 90% ihres Kapitals in 90 Tagen“



Vor dem Hintergrund, dass es mittlerweile unzählige Webseiten gibt, die sehr gute Ausbildungsinhalte, meist sogar kostenlos, zur Verfügung stellen und nahezu jeder seriöse Broker im Bereich Trading-Ausbildung aktiv ist, sei es mit Artikeln, Webinaren, Seminaren,

Trading-Konferenzen, usw. verwundert das doch ein wenig.


Erst recht, wenn man das mittlerweile wie "Unkraut" aus dem Boden schießende (kostenpflichtige) Angebot an Trading-Ausbildungen durch angeblich hoch profitable "Coaches" mit in diese Betrachtung einbezieht.


Die logische Frage: warum ist die Nadel im Trading-Profitabilitäts-Kompass in den vergangenen Jahren dennoch nicht deutlicher in Richtung Profitabilität unter Privatanlegern ausgeschlagen, ganz besonders nach der Hebel-Reduktion durch die ESMA-Entscheidung?


Viele Möglichkeiten zur Beantwortung der Frage dürfte es nicht geben, in der Tat wird sich die Antwort irgendwo unter den folgenden drei Aussagen finden:


  • Du, der Trader, bist das Problem

  • Die angebotenen Lehrinhalte bzw. Coaches sind das Problem

  • Es ist eine Mischung aus beidem


Meine (vor dem Hintergrund der Überschrift dieses Artikels überraschende) Überlegung: es handelt sich um eine Mischung aus beidem.


Werfen wir zunächst einen Blick auf den Trader (und somit im erweiterten Sinne auf dich):


Das du im Hinblick auf die mangelnde Profitabilität in deinem Trading Verantwortung trägst, sollte außer Frage stehen.


Das ist offensichtlich, denn: die Tatsache, dass du kontinuierlich an deiner Weiterbildung im Bereich Trading arbeitest, resultiert aus dem Umstand, dass du weißt, dass du an deinen technischen Fähigkeiten (z.B. den Chart ausgehend von den übermittelten Informationen zu interpretieren und zu lesen), aber auch an deinen mentalen Fähigkeiten bzw. deiner mentalen Stabilität im Trading arbeiten musst, um profitabel in deinem Trading zu werden.


Das bedeutet, dass du entweder bewusst oder unbewusst Verbesserungspotential bei dir im Zusammenhang mit deinem Trading wahrnimmst.


Ausbildungsangebote und das Problem mit den Coaches


Es steht aber außer Frage, dass auch die unzähligen Coaches und angebotenen Trading-Lehrinhalte ihren Teil zur Unprofitabilität von Privatanlegern beitragen.


Das muss schon alleine aus rein logischen Gründen stimmen, denn: wenn man sich nur mal die regelrechte Explosion angebotstechnisch im Bereich „Trading-Coachings“ der letzten Jahre anschaut, ohne, dass es hier zu einem nennenswerten Anstieg der Profitabilität im Bereich Privatanleger gekommen ist, dann muss es auch an den vermittelten Lehrinhalten liegen.


„Auch“, weil Trading-Coaches selbstverständlich zu einem gewissen Teil zu recht die Verantwortung für das weitere Scheitern bei den Auszubildenden suchen, nicht in ihrer mangelnden Coaching-Kompetenz.


Natürlich entscheidet am Ende der Trading-Azubi, ob er die vermittelten Lehrinhalte, vorgeschlagenen Lösungen und Konzepte (vorausgesetzt diese sind gut) umsetzt.


ABER: sollte es nicht die Aufgabe eines verantwortungsvollen Coaches sein zu erkennen, wenn der Azubi Schwierigkeiten bei der Umsetzung der (hoffentlich guten) Lehrinhalten hat und einen alternativen, für den Trading-Azubi geeigneteren Lern-Weg aufzuzeigen?

Auf welche Problemen treffen Trading-Coaches grundsätzlich?


Im Großen und Ganzen gibt es heutzutage zwei Formen von Trading-Ausbildungen:

  • Online

  • Offline


Während Online-Ausbildungskurse nicht an einen bestimmten Ort gebunden sind und eine hohe Kosten-Effizienz versprechen (folglich günstiger als Präsenz- bzw. Offline-Ausbildungen sind), sind Offline-Ausbildungen wesentlich persönlicher und erfahrungsgemäß auch individuell auf die Teilnehmer anpassbar (allerdings auch kostenintensiver).

Grundsätzlich haben sowohl Online-, als auch Offline-Ausbildungsinhalte im Kern zwei Dinge gemeinsam:


  • Sie haben informativen Charakter (sprich: bei der Wissensvermittlung kommt es zu einer Weitergabe von Informationen)

  • Das Feedback von beiden Seiten (Ausbilder und Auszubildender) ist freiwillig, nicht konsistent, nicht fortlaufend und nicht automatisch


Aus diesen beiden Punkten erwachsen in der Tat Probleme im Hinblick das Erlangen der langfristigen Profitabilität im Trading.


Schauen wir einmal auf den informativen Aspekt:


Im Laufe der vergangenen Jahre habe ich mich nicht selten gefragt, warum die bloße Wissensvermittlung nicht ausreicht, um Privatanleger auf den Weg zur Profitabilität im Trading zu bringen.


Es sind ja schließlich alle Informationen bspw. im JK Trading Bootcamp verfügbar und via einer einfach zu bedienenden Online-Plattform jederzeit, von überall auf der Welt zugänglich.

Und da ein Student des Ausbildungskurses ja profitabel im Trading werden will, ist es nur selbstverständlich und logisch, dass dieser auf diese Informationen auch zugreift und diese verinnerlicht, oder?


Falsch gedacht!


Ich stellte (und stelle) bei all meinen bisherigen Trading-Studenten des Bootcamps fest, dass diese nach anfänglich häufigem Einloggen im Kurs, mit zunehmender Zeit (nach spätestens zwei Wochen) scheinbar das Interesse verlieren.


Nicht, dass es hier zu Missverständnissen kommt, du wirst jetzt vielleicht denken:


„Vielleicht ist der Kurs einfach nicht umfangreich, dann ist man eben nach zwei Wochen durch mit den Inhalten…“


Der Kurs beinhaltet allein 31 Stunden Videomaterial!


Anders: wenn man zwei Wochen jeden Tag eine Stunde Videomaterial anschaut (nicht studiert und versucht in der Tiefe zu erfassen), dann müssen alleine bereits deutlich mehr als zwei Wochen aufgebracht werden.


Und dann wurden die schriftlichen Inhalte noch nicht durchgearbeitet, kein ausreichender Track Record des mit dem Studium des Kurses einhergehenden Handel eines Kontos zwecks Verständnis der profitablen Tradings umfassenden Kennzahlen aufgebaut oder mit dem Trading natürlich einhergehender Gefühle und Emotionen und somit ein umfassendes Trading-psychologisches Profil erstellt.


Mit der Zeit verstand ich, woran es hier wohl liegen dürfte:


um die vermittelten Informationen in erfolgreiches Trading zu übersetzen, muss der Student verstehen und verinnerlichen, dass der Hauptteil der Arbeit VON IHM gemacht werden und ausgehen muss.

Der Trading-Azubi muss für sich einen Glaubensgrundsatz formulieren, der es ihm ermöglicht, diese Zeit und Arbeit zu investieren und den hieraus resultierenden Mehrwert für sich und sein Trading zu erkennen.


Nur dann ist es möglich, dass die vermittelten Informationen auf fruchtbaren Boden fallen.

Vergegenwärtige dir das mithilfe konkreter Bilder und Beispiele aus dem täglichen Leben und stelle dir hierzu einfache Fragen, deine Motivation sei z.B. 10 Kilo abzunehmen.


Frage: wirst du dieses Ziel durch das Lesen eines Fitnessbuchs oder das Lesen eines Artikels mit einer speziellen Diät in einer entsprechenden Zeitschrift erreichen?

Vermutlich nicht und die Brücke zum Trading ist sehr schnell geschlagen.

Der für dich in diesem Zusammenhang zu formulierende Glaubensgrundsatz muss beinhalten, dass erfolgreiches Trading auf Können und somit auf Training, Übung und Erfahrung basiert.


In der Tat ist es möglich, sich neurologisch auf profitables Trading zu konditionieren.

Diese Konditionierung heißt in der Neurologie „Neuronale Plastizität“.


Hierunter versteht man die Eigenart von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnarealen, sich zwecks Optimierung laufender Prozesse nutzungsabhängig in ihrer Anatomie und Funktion zu verändern.


Die Grundeigenschaften dieser neuronalen Plastizität sind:

  • Intention

  • Achtsamkeit

  • Glaube

  • Emotionen

  • Fokus

  • Wiederholung

  • Entscheidung


„Information“ findet sich in dieser Auflistung offensichtlich nicht wieder.


Das bedeutet konkreter: du wirst durch das bloße Anhäufen von Informationen dein Gehirn nicht auf erfolgreiches Trading konditionieren.


Besonders der Punkt „Wiederholung“, aber auch „Emotionen“, „Glaube“ und „Fokus“ spielen hier eine wesentliche Rolle.


[In der Tat kannst du anhand dieser Zeilen auch besser verstehen, warum du einen Großteil der während deiner Schulzeit vermittelten Informationen mittlerweile wieder komplett vergessen hast…]


Im Zusammenhang mit dem JK Trading Bootcamp wird während des Kurses beispielsweise ein konkretes, regelbasiertes Trading-Setup im DAX gehandelt.


Zu Beginn des Kurses liegt meine Betonung darauf, dass es nicht um Performance geht.


In der Tat geht es um das kontinuierliche Wiederholen eines Regel-basierten Prozesses, der, selbst wenn das Setup im Demo-Modus gehandelt wird, Emotionen hervorruft und einen entsprechenden Fokus auf die regelkonforme Umsetzung des Setups legt.


Mit zunehmender Zeit (ein Zeitfenster, was länger als zwei Wochen ist...) geschieht dann etwas, was beginnt den Glaube an profitables Trading generell zu schüren: man wird ruhiger bei der Umsetzung des Setups, souveräner.


Diese konkreten Gefühle und der resultierende Glaube lässt den Studenten weitermachen, da er durch eigenes Erfahren spürt, dass profitables Trading ein Können-basiertes Unterfangen ist.


Die dann im weiteren Verlauf aufgenommenen Informationen werden zur Optimierung des Lernprozesses herangezogen.


Das Problem mit dem Feedback


Obige Zeilen gehen fließend in ein weiteres Problem heutzutage angebotener Trading-Ausbildungskurse über, dem sich aber gesondert gewidmet werden sollte: die mangelnde Feedback-Schleife.


Feedback im Zusammenhang mit einer Trading-Ausbildung (On- oder Offline) resultiert z.B. aus


  • Feedback des Marktes (Gewinn/Verlust bzw. Treffer-/Verlustquote, gehandelte Märkte, Performance, etc.)

  • Gefühltes Feedback (z.B. durch Emotionen und Auswirkungen dieser aufs eigene Trading)

  • Das Übertragen der vermittelten Informationen im Kurs in im Trading-benötigte Fähigkeiten


Ich versuche hier im Bootcamp durch das kontinuierliche, regelbasierte Handeln und die entsprechende Synchronisierung des Handelskontos mit FXBlue zwecks akkurater Dokumentation und hieraus möglicher Optimierungen bereits ein solides Feedback zu generieren bzw. generieren zu lassen.


Aber grundsätzlich sollte sich ein Trading-Azubi hier zwecks um noch besseres, detaillierteres Feedback bemühen.


Erfolgreiche Trader bzw. Top-Performer im Bereich Sport, Geschäftsleben, etc. folgen einer Feedback-Schleife, die über folgende Charakteristika verfügt:


  • Das Feedback-Modell ist quantifizierbar

  • Das Feedback-Modell ist automatisiert

  • Das Feedback-Modell ist fortlaufend

  • Das Feedback-Modell ist reaktionsfähig

  • Das Feedback-Modell wird kontinuierlich angepasst


Das Feedback-Modell ist quantifizierbar


Das vom Trader bzw. dir genutzte Feedback-Modell sollte klare Parameter haben, die konkrete Daten erfassen, sodass du erkennen kannst, wo du gut performst und wo Verbesserungspotential besteht.


Das Feedback-Modell ist automatisiert


Die seitens des Traders auszuwertenden Daten sollten automatisiert erfasst werden (bspw. durch eine Synchronisierung des Handelskontos mit FXBlue).


Das Feedback-Modell ist fortlaufend


Das aus den Daten resultierende Feedback sollte fortwährend geliefert werden.


Das Feedback-Modell ist reaktionsfähig


Die gesammelten Daten des Feedback-Modells müssen eine Analyse zulassen, wonach sich erschließt, welche Bereiche sich verbessern und welche nicht.


Das Feedback-Modell wird kontinuierlich angepasst


Das Feedback-Modell muss Daten sammeln und diese, nach erfolgten Anpassungen, weiter sammeln, dann entsprechend angepasst, um die Auswirkungen auf die Performance in der Zukunft sehen zu können.

Während über die Synchronisierung des Handelskontos mit FXBlue bereits sehr viele Daten gesammelt werden, die Möglichkeiten zur Verbesserung bieten (hier ein Blog-Artikel, der eine Idee in dieser Hinsicht vermittelt), muss der Trading-Azubi bzw. Trader generell für sich dennoch einen Plan formulieren, z.B. wann er sich zwecks Auswertung der gesammelten Daten hinsetzt (z.B. einmal am dritten Samstag jeden Monats) und dann Veränderungen in seinem Trading auf den Weg bringt, die er anschließend am folgenden Auswertungstermin zu analysieren hat, usw.


Zusammenfassung


  • Der Grund, warum die meisten Privatanleger trotz umfangreicher Lehrangebote auch weiterhin nicht profitabel traden, findet sich in einer Kombination aus dir, dem Trader und den angebotenen und besonders der Vermittlung der Lehrinhalte durch den Trading-Coach

  • Viele Trading-Ausbildungen sind rein informativ und es mangelt an Feedback beider Seiten, besonders aber seitens des Coaches

  • Du solltest bei der Auswahl einer Trading-Ausbildung bzw. eines Trading-Coaches darauf achten, dass sie eine konkrete Feedback-Schleife beinhalten, denn viele Trading-Ausbildungen würden sehr wahrscheinlich eine gesteigerte Erfolgsquote sehen, wenn das Feedback

  1. quantifizierbar ist

  2. automatisiert ist

  3. fortlaufend ist

  4. reaktionsfähig ist

  5. kontinuierlich angepasst wird


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